Junuzovic gefällt seine neue Werder-Rolle

Der Jäger ist der beste Vorbereiter

Zlatko Junuzovic

Bremen - Alles spricht bei Werder von Claudio Pizarro und dessen unglaublicher Torquote seit Jahresbeginn, doch da ist noch ein Bremer, dessen Zahlen mehr als bemerkenswert sind: Zlatko Junuzovic – immerhin bester Vorbereiter der Bundesliga in der Rückrunde.

Der Österreicher ist in Topform und heute in Köln (15.30 Uhr) sicher ein Schlüsselspieler beim Kampf um den vorzeitigen Klassenerhalt. Ein vermeintliches Vertragsdetail, der Gegner und sein Verhältnis zu Trainer Viktor Skripnik machen ein Blick auf „Zladdi“ noch interessanter.

„Das ist Privatsache, das kommentiere ich nicht“, wiegelt Zlatko Junuzovic sofort ab. Es geht um eine Klausel, die besagt, dass er den Verein bei Abstieg ablösefrei verlassen kann. Sportchef Thomas Eichin hatte im Wintertrainingslager in Belek verraten, dass nur ein Werder-Profi eine derartige Ausstiegsklausel besitzt. Junuzovic, der seinen Kontrakt im Februar 2015 aus einer starken Verhandlungsposition heraus verlängert hatte, gilt als „Hauptverdächtiger“. Nun soll der 28-Jährige erklären, welche Rolle diese Geschichte für ihn im Abstiegskampf spielt. Dem Abwiegeln lässt Junuzovic allerdings einen vielsagenden Satz folgen: „Man muss sich nur mal die Spiele anschauen. Dann sieht man ja, ob ich alles gebe oder nicht.“

Und Junuzovic gibt wirklich alles. Gegen den VfB Stuttgart lief und grätschte der Österreicher um sein Leben, bereitete zudem zwei Treffer vor. 13 sind es in dieser Saison schon, elf davon allein in der Rückrunde. Hinzu kommen noch vier Tore. Das ist nah dran an seinen Topwerten aus der Vorsaison: sechs Tore, 15 Assists.

Aber Junuzovic hat noch einen Job bei Werder: Er ist der Jäger. Eine Rolle, die ihm sichtlich Spaß macht und die er selbst wie folgt beschreibt: „Wenn wir Pressing spielen, bin ich derjenige, der aus dem Mittelfeld heraussticht. Meine Aufgabe ist es, so viel Unruhe zu stiften, wie es nur geht. Natürlich ist das sehr intensiv. Aber ich brauche das auch.“ Diese Position würde der in der Nationalmannschaft „sehr ähneln“. Ein Hinweis, der wichtig ist. Junuzovic fühlt sich bei den Alpenkickern richtig wohl. Nationalcoach Marcel Koller gibt ihm viele Freiheiten, setzt ihn zentral ein. Bei Werder war das lange anders, da musste Junuzovic oft außen spielen. Das ist aber nur ein Grund für das angeblich nicht gerade beste Verhältnis zwischen Spieler und Trainer. Der Coach vertraut Junuzovic nur bedingt als Führungsspieler, hatte ihn gegen Hoffenheim und Ingolstadt überraschend sogar aus der Startelf gestrichen.

Das schmeckte dem Österreicher überhaupt nicht. Immerhin ist er Vizekapitän und einer der wenigen Bremer EM-Teilnehmer. Ein böses Wort über den Trainer entfuhr ihm bislang bei allem Frust trotzdem nicht – aber auch selten ein gutes.

Über Peter Stöger hat Junuzovic da schon mehr zu sagen. Den Trainer des 1. FC Köln „kenne ich gut. Ab und zu haben wir Kontakt, er ist ja ein Landsmann.“ Den er offenbar sehr schätzt. So lobt er dessen Mannschaft: „Die haben Struktur, die haben einen Plan. Gegen die ist es schwierig, Tore zu schießen. Und vorne haben sie einen Anthony Modeste, der extrem torgefährlich ist.“

In Köln wird schon gemutmaßt, dass sie bald auch einen Junuzovic haben. Vor allem, wenn Werder absteigt und der Mittelfeldspieler tatsächlich ablösefrei sein sollte. Schon vor gut einem Jahr hatte Stöger versucht, Junuzovic an den Rhein zu locken. Vergeblich. Der Bremer blieb Bremer – und ist nach einer auch durch gesundheitliche Probleme verkorksten Hinrunde wieder ein absoluter Leistungsträger.

kni

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