U23-Innenverteidiger Jesper Verlaat

„Messi muss noch warten“

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U23 Spieler Jesper Verlaat

Bremen - Von Michael Baltes. Jesper Verlaat hat sein Ziel fest im Blick: den Profifußball. Der 20-Jährige befindet sich auf einem guten Weg dorthin. Beim SV Werder gilt er als hoffnungsvolles Talent, bereits in seiner ersten Herrensaison hat sich der Innenverteidiger in der U23 etabliert. Dabei lief bisher nicht immer alles nach Plan in seiner noch jungen Karriere.

Eines Tages für den FC Barcelona spielen und das am besten neben seinem Vorbild Lionel Messi, das ist der ganz große Traum von Verlaat. Wer nun denkt, der 20 Jahre alte Niederländer sei ein Tagträumer mit überhöhten Wunschvorstellungen, irrt. Verlaat ist ein bodenständiger, sympathischer junger Mann, der tagtäglich hart dafür arbeitet, den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Gut, dass er irgendwann einmal bei Barça neben Messi spielt, könnte in der Tat schwierig werden. Allein schon weil Messi mittlerweile mit seinen 29-Jahren auch nicht mehr der Jüngste ist und das Zeitfenster für eine gemeinsame Zeit bei den Katalanen damit immer kleiner wird. „Messi muss eben noch ein bisschen warten“, sagt Verlaat dazu und lacht.

Generell sei Barcelona ja auch wirklich nur der Verein, wenn er einmal ganz groß träumen dürfe, so Verlaat. In erster Linie hoffe er einfach, dass seine Zukunft im Profifußball liege – „bei Werder oder vielleicht in meiner Heimat bei Ajax Amsterdam.“ Noch ist aber auch das Zukunftsmusik. Aktuell liegt Verlaats Fokus voll auf der neuen Drittliga-Spielzeit mit Werders U23. „Ich will gut in die Saison finden, einen guten Spielrhythmus bekommen – und ganz wichtig: verletzungsfrei bleiben“, sagt der Innenverteidiger. Etwas, was ihm in seiner noch jungen Karriere nicht immer vergönnt gewesen ist.

Schon kurz nachdem er 2012 im Alter von 16 Jahren aus Portugal, wo sich seine Eltern niedergelassen haben, ins Jugendinternat von Werder gekommen ist, hatte er mit einer langwierigen Schambeinentzündung zu kämpfen, später kam auch noch eine Hüftverletzung dazu. Fast eineinhalb Jahre musste Verlaat in einer für Jugendspieler ganz entscheidenden Entwicklungsphase pausieren. „Das war eine harte Zeit", erinnert er sich gegenüber dfb.de: „Es war auch psychisch eine komplizierte Situation, dass ich nicht Fußball spielen konnte. Niemand konnte mir sagen, wann ich endlich wieder eingreifen kann. Bei einer Schambeinentzündung kann man nur warten, warten, warten.“ Erst in seiner letzten Saison im Jugendbereich (2014/2015) konnte Verlaat wieder richtig beschwerdefrei arbeiten. Umso erstaunlicher, wie schnell seine Entwicklung in diesem Zeitraum vonstatten ging.

Ruhe am Ball, Übersicht, Entschlossenheit im Zweikampf

Den Sprung in den Herrenbereich zu Werders U23 hat Verlaat souverän gemeistert. Gleich in seiner ersten Saison in der Dritten Liga (2015/2016) etablierte er sich in der Innenverteidigung als Stammkraft, auch bei den Profis durfte er im Training schon das ein oder andere Mal mitmischen. Dass ihm das Talent am Ball zum Teil auch mit in die Wiege gelegt worden ist, ist unverkennbar. Die Ruhe am Ball, die Übersicht, die Entschlossenheit im Zweikampf – Eigenschaften, die schnell Erinnerungen an seinen Vater, Frank Verlaat, wach werden lassen. Frank Verlaat hatte einst unter anderem beim VfB Stuttgart und bei Werder die Abwehr dirigiert. Um es auch in diese Sphären zu schaffen, braucht Jesper Verlaat neben Talent hohe Disziplin und einen starken Willen - Attribute, die er zweifelsohne besitzt.

Wilde Partys feiern, nächtelang um die Häuser ziehen - solche Dinge haben dabei im Leben eines Talents auf dem Weg zum Profi keinen Platz. Stattdessen heißt es, fokussiert bleiben, auf das Wesentliche konzentrieren. Verlaats Tag startet in der Regel gegen 8 Uhr. „Nach einem kurzen Frühstück, entweder ein bisschen Quark oder Bircher-Müsli, geht es zum ersten Training“, erzählt der 20-Jährige, um weiter auszuführen: „Am Nachmittag steht eine zweite Einheit auf dem Programm. Am Abend ist Erholung zuhause angesagt.“ Allerdings nicht immer: Dienstags geht es für den Abwehrspieler nach den eigenen zwei Trainingseinheiten noch zur U12, die er als Co-Trainer mitbetreut. „Es macht mir viel Spaß mit den Jungs und mit dem Trainerteam“, erzählt Verlaat.

Auch für das Drumherum in seinem Leben ist der 20-Jährige eigenverantwortlich. Er schmeißt seinen eigenen Haushalt in einem Zwei-Zimmer-Appartement, wäscht seine Wäsche, geht einkaufen, eben wie jeder andere auch. Am Freitag wird sein normaler Tagesrhythmus aber erst einmal wieder unterbrochen. Es ist Spieltag. Mit Werders U23 geht es zur Auswärtspartie zu Fortuna Köln. Mit Blick auf die weitere Saison hofft Verlaat auf weitere Chancen, sich bei den Profis zeigen zu können: „Jeder freut sich, wenn er oben reinschnuppern kann. Zu den Profis zu kommen, ist schließlich das Ziel – deshalb bin ich hier.“

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