„Wir hatten noch Telefonzellen“

Ivan Klasnic im Foto-Story-Interview

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Bremen - Es ist ein besonderer Termin mit einem besonderen Spieler: Ivan Klasnic, Werders Double-Sieger von 2004, hat sofort zugesagt, mit der DeichStube das Weserstadion zu umrunden und dabei über seine Zeit bei Werder, aber auch die Aktualität zu plaudern.

Die Augen des 38-Jährigen leuchten, als er auf seinen alten Trainingsplatz blickt, vor der Kabine wird er von aktuellen Profis wie Luca Caldirola freundlich begrüßt. Einfach reinzugehen, das traut sich Klasnic dann aber doch nicht. Da erinnert sich der Kroate doch lieber, wer in seinen sieben Jahren bei Werder (2001 bis 2008) den heißesten Schlitten gefahren ist. 

Seine Karriere hat der einstige Torjäger immer noch nicht beendet, obwohl er schon seit 2013 ohne Verein ist und inzwischen seine dritte Niere transplantiert bekommen hat. Gekickt wird trotzdem, und zwar jeden Montag in Hamburg. Mit einigen Prominenten – mit welchen, das verrät Ivan Klasnic im ganz besonderen Foto-Story-Interview mit Sportredakteur Björn Knips. Beide kennen sich schon lange und duzen sich deshalb auch beim Spaziergang ums Weserstadion. Für alle App-Benutzer: Für eine optimale Ansicht bitte auf das Startbild klicken.

Danke, dass du extra für uns aus Hamburg gekommen bist.  Wie oft bist du in Bremen?

Ivan Klasnic: Nicht so oft, vielleicht alle zwei Monate.

Warum  lebst du eigentlich in Hamburg?

Klasnic: Da bin ich geboren, da lebt meine Tochter. Sie ist erst 11 und braucht natürlich den Papa – und ich sie auch.

Wenn du hier die Rampe zum Weserstadion runterfährst, woran denkst du dann?

Klasnic: Mensch, das ist aber schick geworden. So schön war das zu meiner Zeit nicht.

Würdest du gerne noch mal im Weserstadion spielen?

Klasnic: Natürlich. Jetzt sind die Zuschauer noch näher dran, die Stimmung ist einfach klasse. Vielleicht klappt es ja mit meinem Abschiedsspiel.

Gibt es da schon Pläne?

Klasnic: Erst mal ist Claudio Pizarro dran. Mal gucken, was für mich dann noch möglich ist. Wenn ich es mache,  müsste es ein echter Kracher sein – mit ganz besonderen Gästen. Aber da kenne ich genug, ich habe ja nicht nur in Deutschland gespielt.

Über wen würdest du dich besonders freuen?

Klasnic: Meine Familie. Und Michael Essien. Der hat uns mit Lyon damals richtig weh getan. Ich sag nur: 2:7. Ich habe ihn in England kennengelernt – ein toller Typ.

Hier parken übrigens die Werder-Profis, die alle Volkswagen fahren müssen – oder eher dürfen?

Klasnic: Was will man mehr? Wir haben damals keine Autos gekriegt, aber so konnte Torsten Frings wenigstens mit seinem Hummer kommen.

Wer hatte damals den krassesten Schlitten?

Klasnic: Johan Micoud – sein Ferrari California war echt stark.

Waren Autos ein großes Thema in der Kabine?

Klasnic: Nein, da waren die Dartscheibe und der Kicker wichtiger. Wer das nicht drauf hatte, musste sich schon etwas anhören. Ich natürlich nur ganz selten…

Könntest du als Ex-Werder-Profi jetzt einfach hier in die Kabine gehen?

Klasnic: Ich könnte schon, aber ich weiß nicht, ob sie es gut finden würden. Deshalb würde ich vorher lieber Frank Baumann fragen.

Zu wem aus der aktuellen Mannschaft hast du noch Kontakt?

Klasnic: Boro – also Tim Borowski.  Max Kruse kenne ich auch noch von damals. Er war sehr jung, hatte es nicht leicht, weil wir so eine starke Truppe waren. Er musste eben einen Umweg machen.

Wer war damals dein bester Kumpel im Team?

Klasnic: Wir haben uns alle super verstanden, haben wirklich viel zusammen unternommen. Wer gewinnt, darf auch weggehen (lacht)

Hattet Ihr keine Angst, in der Disco fotografiert oder gefilmt zu werden?

Klasnic: Da gab es doch noch gar keine Smartphones mit Kamera, wir hatten noch Telefonzellen. Und Social Media war damals überhaupt kein Thema.

Jetzt schon, du bist selbst seit kurzem sehr aktiv bei Twitter und Facebook, warum?

Klasnic: Ich mache das für die alten Fans, die noch ein bisschen was von ihrem Ivan  erfahren wollen.

Machst du das komplett selbst?

Klasnic: Natürlich lässt man sich ein bisschen helfen, aber ich bin schon der, der auf den Knopf drückt.

Willkommen am Trainingsplatz direkt an der Weser, jetzt mit Spundwand zum Hochwasserschutz.

Klasnic: Sieht schon komisch aus. Ich habe hier immer gerne trainiert, die Fans waren echt nah dran.

Hast du den Ball auch mal bis in die Weser geschossen?

Klasnic: Ich habe es bestimmt versucht. Aber ich weiß wirklich nicht mehr, ob ich es geschafft habe.

Vermisst du diese Zeit?

Klasnic: Natürlich. Der Körper von damals und der Kopf von heute – das wäre super.

Per Mertesacker hat von zu großem Druck berichtet. Wie war das bei dir?

Klasnic: Es ist doch so:  Wenn du im Fußball nicht funktionierst, wirst du schnell an die Seite gepackt.

Ist das okay?

Klasnic: Nein, aber das ist doch in jedem Sport so. Mit dem Druck musst du leben. Mir hat der Spaß am Fußball dabei am meisten geholfen.

Der Erfolg sicherlich auch.

Klasnic: Natürlich, bis zum Double war das aber auch nicht so einfach. Dann kam jahrelang die Champions League, das war super.

Das wird Werder wohl nicht mehr erleben.

Klasnic: Warum nicht? Werder zeigt doch gerade, was möglich ist. Diese Mannschaft muss man weiter aufbauen, so war das bei uns damals auch.

Welche Rolle spielt Trainer Florian Kohfeldt, der selbst nie Profi war?

Klasnic: Er ist jung, ehrgeizig und hat Visionen. Das ist wichtiger, als selbst mal Profi gewesen zu sein.

Welche Visionen hast du, willst du auch Trainer werden?

Klasnic:  Chefcoach eher nicht. Ich würde mich gerne um die Stürmer kümmern. Das wird mir in Deutschland zu wenig gemacht. Ein Stürmer muss im Training immer und immer wieder aufs Tor schießen.

Hat Frank Baumann dein Angebot als Stürmer-Coach schon angenommen?

Klasnic: Noch nicht, aber wir haben mal gesprochen – und werden das auch sicherlich wieder tun.

Du arbeitest als Spielerberater, was genau machst du da?

Klasnic: Ich betreue mit meinem Anwalt zusammen vor allem jüngere Spieler und versuche, die richtigen Spieler zum richtigen Verein zu bringen.

Auch zu Werder?

Klasnic: Sehr gerne, dann schießen sie auch wieder mehr Tore (lacht)

Du hast im Oktober deine dritte Niere transplantiert bekommen, wie geht es dir?

Klasnic: Sehr gut. Das Leben ist wieder viel entspannter, keine Dialyse mehr, ich kann wieder machen, was ich will.

Also auch Fußball spielen? (Bekommt Ball zugeworfen)

Klasnic: Am Ball kann ich noch alles.

Hast du deshalb deine Karriere noch nicht beendet?

Klasnic: Ich warte immer noch auf den Anruf von Frank Baumann (lacht). Wenn ich wollte, könnte ich noch spielen. Aber ich lasse es lieber.

Warum?

Klasnic: Die Ärzte sagen, es wäre okay. Aber will ich mich jetzt wirklich noch mal sechs Monate mit so einem Schleifer wie Jens Beulke quälen? Wäre das gesund?

Kickst du noch hin und wieder?

Klasnic: Jeden Montag in Hamburg, 19 Uhr, Kieler Straße. Fünf gegen fünf - das macht richtig Spaß.

Und wer spielt mit?

Klasnic: Sergej Barbarez, Ivica Olic, manchmal Ailton. Aber auch Restaurantbesitzer, Kfz-Mechaniker und Bäcker – das ist ein bunter Haufen.  Aber ich habe gerade Loser-Monate.

Woran liegt es?

Klasnic: An der Mannschaft, in der ich spiele. Die anderen müssen sich einfach verbessern (lacht).

Niko Kovac wird sich verbessern, dein Landsmann wird Bayern-Coach – holt er dich vielleicht als Stürmer-Trainer?

Klasnic: Ich glaube nicht. Mit den Bayern hatte ich nie so viel zu tun. Aber natürlich kenne ich Niko noch aus der Nationalmannschaft.

Packt Kovac das?

Klasnic: Ich wünsche ihm viel Glück. Aber das ist nicht Frankfurt. Da sind nur Stars, das ist ein ganz anderes Kaliber. Ich gehe fest davon aus, dass Bayern die Champions League holt, Jupp Heynckes macht das.

Und was machst du jetzt?

Klasnic: Ich muss zum nächsten Termin – ins Ruhrgebiet. Ich bin viel unterwegs, aber so mag ich das. Ich genieße mein Leben einfach – und bin dafür sehr dankbar.

Kein Groll, dass wahrscheinlich Behandlungsfehler während deiner Werder-Zeit deine Nierenprobleme verursacht und dein ganzes Leben verändert haben?

Klasnic: Nein, mir geht es ja jetzt wieder gut. Klar, meine Karriere war dadurch anders, aber trotzdem toll. Den Rest klären die Gerichte. Das dauert zwar schon sehr lange, aber ich ziehe das bis zum Ende durch.

Alles Gute Ivan!

Klasnic: Danke, Euch auch!

Ivan Klasnic

Zur Person: Ivan Klasnic (38) wurde in Hamburg geboren, spielte dort für den FC St. Pauli. 2001 wechselte der Stürmer zum SV Werder, holte 2004 das Double und verließ Bremen 2008 Richtung Frankreich zum FC Nantes. Das hatte auch mit seiner schweren Nierenerkrankung zu tun. Anfang 2007 musste ihm eine neue Niere transplantiert werden. Klasnic monierte Behandlungsfehler der Werder-Ärzte, zog vor Gericht. Unter diesen Umständen konnte und wollte er nicht in Bremen bleiben. Die Bolton Wanderers in England und der FSV Mainz waren seine weiteren Stationen. Seit 2013 ist Klasnic vereinslos. Der kroatische Nationalspieler war bei der WM 2006 und bei den Europameisterschaften 2004 und 2008 dabei. Klasnic ist Vater einer elfjährigen Tochter, lebt in Hamburg und arbeitet inzwischen als Spielerberater.

Ivan Klasnic: Seine Karriere in Bildern

Ivan Klasnic
Ivan Klasnic spielte ab 1992 beim FC Sankt Pauli in der Jugend, fünf Jahre später lief er in der Zweiten Liga für die Profis auf. Nach 99 Pflichtspielen für die Hamburger und 28 Toren wechselte er im Sommer 2001 zu Werder.  © imago
Ivan Klasnic
Der Mittelstürmer brauchte etwas Anlaufzeit bei den Bremern, schlug dann zur Saison 2003/04 voll ein. Sein legendärstes Tor ist vermutlich das 1:0 gegen Bayern München. © nordphoto
Ivan Klasnic
Werder gewann 3:0 und sicherte sich die Meisterschaft.  © nordphoto
Ivan Klasnic
Auch im Pokalfinale traf Ivan Klasnic - zum Doublesieg! © nordphoto
Ivan Klasnic
In den folgenden Jahren blieb der Stürmer Werder treu und trug mit seinen Toren dazu bei, dass Werder regelmäßig in der Champions League spielte. Was keiner wusste: Klasnic litt schon damals an Niereninsuffizienz, die zu lange unbehandelt blieb. © nordphoto
Ivan Klasnic
Im März 2007 wurde Klasnic eine Niere transplantiert, im November feierte er sein Comeback bei Werder. Er war der erste Fußball-Profi mit einer Spenderniere.  © nordphoto
Ivan Klasnic
Und Klasnics Karriere war mit neuer Niere noch lange nicht am Ende. Zur Saison 2008/09 wechselte er zum französischen FC Nantes. Ein Jahr später wurde er an die Bolton Wanderers verliehen. © imago
Ivan Klasnic
Nach Ende der Leihe verpflichteten die Engländer ihn 2010 fest. Der Verein stieg zwei Jahre später ab, Klasnic verließ Bolton nachdem er in insgesamt 94 Pflichtspielen 24 Tore erzielt hatte.  © imago
Ivan Klasnic
Zwei Monate später folgte Klasnics Comeback in der Bundesliga: Mainz 05 verpflichtete den Stürmer im September 2012. Er absolvierte aber nur 3 Ligaspiele und beendete seine Karriere am Ende der Saison.  © imago
Ivan Klasnic
Für Kroatien nahm Klasnic an der WM 2006 und der EM 2008 teil.  © nordphoto
Ivan Klasnic
In 41 Länderspielen traf er zwölf Mal, sein letzter Einsatz war in der EM-Qualifikation 2011.  © nordphoto

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Quelle: DeichStube

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