Werder dreht das Spiel, gewinnt aber trotzdem nicht

Irres 2:2 in Darmstadt – und Nouri darf wohl bleiben

+
Werders Interimscoach Alexander Nouri

Aus Darmstadt berichtet Björn Knips. Frank Baumann schwieg einfach. Dem Werder-Sportchef war aber nicht das am Ende etwas ärgerliche 2:2 (0:1) in Darmstadt auf den Magen geschlagen, sondern er wollte sich einfach nicht zur Zukunft von Interimscoach Alexander Nouri äußern und sich damit einen weiteren Eiertanz ersparen.

Doch es bahnt sich eine Entscheidung an: Baumann will am Sonntag Mittag sprechen – wahrscheinlich zusammen mit dem Trainer, teilte Mediendirektor Michael Rudolph mit. Das deutet daraufhin, dass es mit Nouri weitergeht. Werder-Profi Serge Gnabry würde sich freuen. Der beste Bremer gestern hielt ein Plädoyer für den Coach: „Wir haben unter ihm Fortschritte gemacht, treten mehr als Einheit auf, haben Charakter. Der Trainer lebt das vor, er hat das gut gemacht.“

Nouri wollte dagegen keine Werbung für sich machen. „Wir haben vereinbart, dass wir jetzt in der Länderspielpause alles besprechen. Ich weiß nicht, in welche Richtung das geht“, behauptete der 37-Jährige. Vier Punkte aus drei Spielen lautet seine Bilanz. Das ist nicht schlecht mit einer Mannschaft, die zuvor drei Mal verloren hatte – genauso wie im Pokal. Andererseits: Der Auftritt in der ersten Halbzeit gegen Darmstadt war ein schlimmer Rückfall und erinnerte an einen Abstiegskandidaten. Erst Nouris Umstellungen in der Pause brachten die Wende und letztlich einen Punkt – auch für den Coach.

Der hatte schon lange vor dem Anpfiff für eine große Überraschung gesorgt: Stürmer Aron Johannsson stand nach abgebrummter Rotsperre nicht einmal im 18er-Kader. Das sei keine Entscheidung gegen den US-Nationalspieler gewesen, sondern für Ousman Manneh und Lennart Thy, erklärte Nouri.

Manneh durfte sogar wieder von Beginn an ran – und enttäuschte zunächst. Damit war der 19-Jährige aber nicht alleine. In der ersten Halbzeit lieferte Werder eine furchterregend schlechte Leistung ab. Kein einziger Torschuss, spielerisch gelang fast gar nichts. Ein, zwei gute Aktionen von Serge Gnabry, das war es. Ansonsten gab es unendlich viele Ballverluste der vermeintlichen Antreiber Clemens Fritz, Zlatko Junuzovic und Florian Grillitsch.

Sane und Gnabry treffen für Werder

Darmstadt spielte zwar kaum besser, aber mutiger und war damit gefährlicher. Jerome Gondorf traf mit einem feinen Freistoß den Außenpfosten (6.). Die enthusiastischen 98-Fans im mit 20 000 Zuschauern ausverkauften Stadion Böllenfalltor wurden noch lauter – und drehten in der 19. Minute erneut an ihrem Lautstärkeregler: Schiedsrichter Jochen Drees hatte auf Elfmeter entschieden, weil Theodor Gebre Selassie nach einem langen Ball rückwärts in Gondorf gefallen war. Eine total unglückliche Aktion des Tschechen, der Werder vor einer Woche mit seinem späten Tor gegen Wolfsburg (2:1) den ersten Dreier der Saison beschert hatte. „Ich habe ihn zwar berührt, aber das war kein Elfmeter“, behauptete der Täter, während das Opfer betonte: „Er trifft mich, ein klarer Elfer.“ Antonio-Mirko Colak vollstreckte sicher zum 1:0. Danach hätten Werder-Leihgabe Laszlo Kleinheisler (25.) und Gondorf (45.) beinahe sogar auf 2:0 erhöht.

Nouri reagierte, brachte Fin Bartels und Janek Sternberg für Izet Hajrovic und Robert Bauer. Noch wichtiger war aber die Umstellung des Systems. „Wir wollten mit einem zweiten Stürmer die langen Bälle der Darmstädter unterbinden und selbst mehr Anspielstationen haben“, erklärte Nouri. Sein Plan ging auf. Werder wurde besser, brauchte aber eine Standardsituation zum Ausgleich. Den Freistoß von Zlatko Junuzovic verlängerten Gnabry und Gebre Selassie jeweils per Kopf, ehe Lamine Sane mit der Schulter das 1:1 markierte (51.). „Mein erstes Tor für Werder, ich bin richtig glücklich“, schwärmte Sane.

Gebre Selassie fast wieder der Held

Es kam noch besser für Werder. Der nun stärker aufspielende Manneh bediente Gnabry, der Ersatzkeeper Fernandes Heuer (war für den verletzten Michael Esser gekommen) umkurvte und einlochte (67.). Ein super Tor. „Wenn ich den Gnabry so sehe, weiß ich nicht, wie lange der noch in Deutschland bleibt“, schwärmte Norbert Meier. Der 98-Coach hatte offenbar vergessen, dass Gnabry erst im Sommer aus England vom FC Arsenal an die Weser gewechselt ist.

Unvergesslich sind dagegen Darmstadts Kämpferqualitäten, genauso wie Werders Abwehrschwächen. So durfte Colak eine weite Hereingabe von Gondorf ungehindert und volley zum Ausgleich nutzen (72.). Klar, eine sehenswerte Hereingabe und ein tolles Tor des Darmstädters, aber auch ein schlimmer Stellungsfehler von Sternberg. „Wenn ein Ball so lange unterwegs ist, wünscht man sich schon, dass dann besser verteidigt wird“, gestand Nouri.

Werder ließ sich aber vom 2:2 nicht schocken, wollte den Sieg – und hätte ihn fast noch bekommen. Doch anders als vor einer Woche gegen Wolfsburg landete der Kopfball von Gebre Selassie nicht im Tor, Heuer reagierte glänzend.

Nouri verfolgte die Szene am Spielfeldrand ein bisschen wie ein begossener Pudel, so sehr prasselte der heftige Regen auf ihn ein. Kurz zuvor hatten ihn seine Co-Trainer noch genötigt, eine Regenjacke überzuziehen, als wollten sie ihm damit sagen: Trainer, du wirst hier in den nächsten Wochen noch gebraucht. Und so wird es dann am Sonntag wohl auch offiziell verkündet.

Mehr zum Thema:

Weihnachtsmarkt in Kirchwalsede

Weihnachtsmarkt in Kirchwalsede

Weihnachtsmarkt in Brunsbrock

Weihnachtsmarkt in Brunsbrock

Turnschau in Lessen

Turnschau in Lessen

Zwei Siege bis zum EM-Halbfinale: DHB-Ladies glänzen

Zwei Siege bis zum EM-Halbfinale: DHB-Ladies glänzen

Meistgelesene Artikel

1:0-Sieg gegen Hertha: Werders Dreifach-Genuss

1:0-Sieg gegen Hertha: Werders Dreifach-Genuss

Claudio Pizarro: "Ein neuer Ruck in der Mannschaft"

Claudio Pizarro: "Ein neuer Ruck in der Mannschaft"

Da war mehr drin: Werders U23 nur 0:0 gegen den FSV Frankfurt

Da war mehr drin: Werders U23 nur 0:0 gegen den FSV Frankfurt

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Kommentare