Interimscoach Nouri

Ein Weyher will in die Herzen der Werder-Profis

Vollgas für Werder: Kurz vor seinem ersten Profi-Training legte Alexander Nouri einen Vollsprint über den Platz hin, um noch schnell etwas zu holen. - Foto: Gumz

Bremen - Ein Pfiff – dann war die erste Einheit von Alexander Nouri als Coach der Werder-Profis beendet. Der 37-Jährige gibt seit gestern im wahrsten Sinne des Wortes beim Bundesligisten den Ton an, und das anders als sein Vorgänger Viktor Skripnik auch mit der guten, alten Trillerpfeife.

Gleichzeitig präsentierte sich die Übergangslösung sehr kommunikativ, führte schon auf dem Platz die ersten Einzelgespräche. Dann wurde gespielt – und die übliche Veränderung eines Trainerwechsels deutlich: Die Profis gaben mehr Gas als sonst, dadurch wirkte das Spiel allerdings auch etwas wild. Nouri fand es offenbar ganz okay, lächelnd verließ er mit seinen Assistenten Florian Bruns und Christian Vander den Platz. Entspannt erfüllte der Mann aus Weyhe, wo er seit sechs Jahren mit seiner Familie wohnt, noch ein paar Autogrammwünsche. Nicht sonderlich viele. Der Andrang hielt sich dann doch in Grenzen und war kein Vergleich zur Premiere von Skripnik vor knapp zwei Jahren, als weit über 1 000 Fans Spalier gestanden hatten. Diesmal kamen nur 150.

Dafür war der Medienraum so gut besucht wie damals. Trotz des wohl größten Blitzlichgewitters seiner Karriere blieb Nouri recht gelassen. Auch die elf Kameras schreckten den 37-Jährigen offenbar nicht. Er begann nach der ersten Frage mit einem „Hallo auch von meiner Seite“ und lieferte gleich schon so etwas wie eine kleine Antrittsrede: „Es geht darum, die Köpfe frei zu kriegen und in die Herzen der Spieler zu kommen. Wir müssen wieder diesen positiven Gedanken finden – durch gegenseitiges Inspirieren. Wir müssen die Spieler von diesem Weg überzeugen und diesen Weg deshalb auch vorleben.“ Worte, die Nouri schon als Trainer der U 23 gerne nutzte. Nun halfen sie ihm, auch auf der großen Bühne eine guten ersten Eindruck zu hinterlassen.

„Natürlich ist das ein Traum für mich“, gestand der noch junge Coach, der erst im Frühjahr seine Ausbildung zum Fußballlehrer abgeschlossen hatte. Jetzt ist er schon ganz oben angekommen, allerdings bei einem Club, der gerade ganz unten steht. Deshalb musste Viktor Skripnik gehen. „Ich habe großen Respekt vor seiner Arbeit. Wir hatten immer ein sehr, sehr gutes Verhältnis“, betonte Nouri. Ob er sich noch Tipps von seinem Vorgänger holt oder die Vorbereitungen der alten Co-Trainer auf den nächsten Gegner nutzt, ließ der neue Chef etwas offen. Aus gutem Grund: Nouri will ein eigenes Profil entwickeln.

Werder-Training am Montag

„Der ganz klare Fokus liegt auf uns. Wir müssen unseren Job machen“, sagte er und fügte fast schon etwas pathetisch an: „Wir müssen unsere Haltung so entwickeln, dass wir eine Botschaft senden – an die Menschen und an die Stadt.“ Welche? Da zögerte Nouri nicht lange: „Jeder Spieler muss an seinen Gegenspieler die Botschaft senden, dass er nicht zu überwinden ist und wir als Team fighten.“ Das will Nouri am Mittwoch den Fans bieten. Auch als Dankeschön für die immer wiederkehrende Gänsehaut. „Ich habe die Bilder vom Ende der vergangenen Saison noch im Kopf. Es ist einfach ergreifend zu sehen, wie die Menschen den Verein leben und lieben.“

Er macht das offenbar auch. Schon als Jugendlicher hat Nouri Grün-Weiß getragen. Der Sprung zu den Profis gelang ihm damals nicht. Jetzt schon. Aber den Stolz darüber schiebt Nouri erstmal zur Seite: „Ich versuche, meine Arbeit und nicht meine Person in den Vordergrund zu rücken. Ich komme mit Demut und Bescheidenheit, aber auch mit Überzeugung. Egoismen brauchen wir im Moment nicht.“ Er will den Teamgedanken stärken und die Spieler noch mehr einbinden: „Ob wir auf dem Platz hoch oder tief stehen, ist unwichtig. Die Mannschaft muss einfach von der Ausrichtung überzeugt sein.“ Deswegen will der einstige Mittelfeldspieler auch nicht über seine vermeintliche Philosophie sprechen und schon gar nicht verraten, ob Werder unter ihm mutig offensiv oder doch lieber vorsichtig defensiv spielen wird.

Nouri sucht die „Jungs, die brennen, rausgehen und alles geben“. Finden muss er sie im Training. Also stand er am Spielfeldrand und schaute ganz genau hin. Heute noch eine Einheit, dann muss er sich entscheiden. Die Zeit drängt. Schon morgen gibt es für Nouri den ersten (An-)Pfiff im Weserstadion – gegen Mainz 05. Kurios dabei: Gegen den gleichen Gegner begann auch für Skripnik die Bundesliga-Karriere. 
kni/csa

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