Immer näher dran an der Sensation

Kohfeldt beschwört das „Jetzt, Jetzt, Jetzt“

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Max Kruse jubelt: Werder Bremen ist mit dem Sieg gegen Schalke 04 ins DFB-Pokal-Halbfinale eingezogen.

Gelsenkirchen – Erwin hatte auf Trauermodus geschaltet. Der Kopf hing tief, als das dicknasige Maskottchen des FC Schalke durch die Katakomben der Veltins-Arena Richtung Feierabend schlich.

Ein Sinnbild der Enttäuschung, nachdem zuvor Werder Bremen die Schalker Saison endgültig in Trümmer gelegt hatte. Die Königsblauen spielen jetzt nur noch gegen den Abstieg, aber nicht mehr um den Pokalsieg. Europa? Schalke, eben noch Teilnehmer im Champions-League-Achtelfinale, hat sich von der Karte des Fußball-Kontinents gelöscht.

Werder ist dagegen gerade dabei, den dicken Staub der letzten Jahre vom Standortnamen Bremen zu pusten. In der Bundesliga auf Platz sechs, im DFB-Pokal seit dem 2:0 auf Schalke am Mittwochabend im Halbfinale (23./24. April) und damit nur noch zwei Schritte vom großen Triumph entfernt. „Es läuft im Moment wirklich ziemlich gut für uns“, sagte Kapitän Max Kruse – und das war fast noch untertrieben.

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Vier Pflichtspielsiege in Folge sind den Bremern zuletzt gelungen, seit der Winterpause haben sie noch keine Partie verloren und in der ganzen Saison hat es noch kein Werder-Spiel ohne Werder-Tor gegeben. Es sind Serien, die die Fantasie beflügeln, dass in dieser Spielzeit etwas wirklich Großes möglich ist. Aber wen man auch fragt: Niemand will so etwas wie Selbstzufriedenheit zulassen.

„An das zu denken, was vielleicht möglich ist, lenkt nur ab. Wir müssen weiter in jedes Spiel alles reinlegen“, forderte Sportchef Frank Baumann. Und Trainer Florian Kohfeldt wiederholte nach dem nächsten Schritt im Pokal, was er auch über die Lage in der Liga gesagt hatte: „Jetzt ist die Situation da. Es geht um das Jetzt, Jetzt, Jetzt. Jetzt wollen wir etwas erreichen und wollen nicht auf das nächste Jahr warten, wir wollen jetzt etwas schaffen. Das ist das, was uns antreibt – bei dem vollen Bewusstsein, wie schwierig das wird.“

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Was Werder Bremen stark (und derzeit offenbar unschlagbar) macht, ist die Mischung aus Wille, Zusammenhalt, individueller Qualität und auch Glück. Letzteres war nach dem 2:0 über Erwins Schalker ein nicht wegzuredender Punkt. Vor den Toren von Milot Rashica (65.) und Davy Klaassen (72.) hatte Schalke durch Guido Burgstaller die Chance zur Führung. Nur der Pfosten stand im Weg. „Geht der rein, geht das ganze Spiel vielleicht anders aus. Aber so setzen wir den Lucky Punch. Wir haben im Moment einfach das Quäntchen Glück auf unserer Seite“, meinte Max Kruse. Aber: „Wir haben uns das auch erarbeitet.“

Tatsächlich ist die Entwicklung der Mannschaft beeindruckend, beinahe atemberaubend. In Dortmund, in Leverkusen, auf Schalke hat Werder in den zurückliegenden Wochen gewonnen – also gegen Teams, die zuletzt Dauergäste in europäischen Wettbewerben waren. Das darf man so werten, dass die Bremer selbst internationale Reife erreicht haben – oder, Florian Kohfeldt? „Wir sind aus meiner Sicht in allen Belangen immer noch der Underdog. Wenn wir das europäische Geschäft schaffen über die Liga, ist das eine Sensation. Den Pokal musst du sogar gewinnen, um nach Europa zu kommen. Wenn wir das schaffen, ist es natürlich auch eine Sensation.“ Aber eine, die nicht mehr weit weg ist.

Quelle: DeichStube

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