Der DFB gibt Robin Dutt frei

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Robin Dutt im Zeichen der Werder-Raute. Der DFB hat seinem Sportdirektor gestern sein Okay für ein Trainer-Engagement in Bremen gegeben.

Bremen - von Carsten Sander. Robin Dutt ist frei für Werder Bremen! Wie verschiedene Medien gestern Abend unter Berufung auf Informationen aus dem DFB meldeten, entlässt das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes seinen Sportdirektor aus dem noch bis 2016 laufenden Vertrag.

Dutt (48) wird somit neuer Werder-Trainer und Nachfolger von Thomas Schaaf. Der Club und Dutt hatten sich bereits in der vergangenen Woche geeinigt. Was fehlte, war das Ja-Wort des DFB. „Ich hoffe auf ein Einlenken“, hatte Werder-Manager Thomas Eichin noch gestern Nachmittag gesagt. Innerhalb des DFB soll die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt schon gefallen sein: Dutt darf gehen. Der Auflösungsvertrag soll heute fixiert werden, dann kann der Coach in Bremen unterschreiben und vorgestellt werden.

Doch was erwartet den ehemaligen Trainer des SC Freiburg und von Bayer Leverkusen bei Werder? Anders als Pep Guardiola bei Bayern München kein Champions-League-Sieger, keine fertige Mannschaft. Sondern ein Team, das einer großen Baustelle gleicht. Sturm, Mittelfeld, Abwehr – überall klemmt‘s, überall muss dringend nachgebessert werden. Nur auf der Planstelle im Tor, der meist diskutierten vor der Saison, herrscht vermeintlich Klarheit. Ein Überblick:

Angriff

Nils Petersen als Fixpunkt – und sonst? Den 24-Jährigen hat Werder gerade bis 2017 gebunden, was es jetzt noch braucht, sind echte Konkurrenten und Alternativen. Joseph Akpala hat diese Rolle bisher nicht ausgefüllt. Der vor Saisonbeginn für 1,5 Millionen Euro verpflichtete nigerianische Nationalspieler bewegt sich im Flop-Bereich. Akpala durch einen neuen Namen zu ersetzen, wäre logisch, die Umsetzung ist aber kompliziert. Potenzielle Käufer stehen gewiss nicht Schlange. Vielleicht ist Niclas Füllkrug die Lösung des Problems. Doch bei dem 20-Jährigen muss erstmal gebetet werden, dass der Knorpelschaden im Knie, der ihn zu einer monatelangen Pause gezwungen hatte, tatsächlich dauerhaft behoben ist. Füllkrug will ab der Saisonvorbereitung wieder voll mitmischen. Dann muss er sich mit Johannes Wurtz (20) um die Stellung als Kronprinz im Sturmzentrum duellieren. Beide sind Zukunftshoffnungen – mehr aber noch nicht. Ohne Zukunft bei Werder sind vermutlich die Flügelspieler Marko Arnautovic und Eljero Elia. Sportchef Eichin favorisiert öffentlich zwar den Verbleib des im Saisonendspurt suspendierten Duos, wahrscheinlicher ist aber, dass die Bremer die zu Karteileichen mutierten Stars längst zum Verkauf anbieten. „Dazu“, meint Eichin, „sage ich nichts“. Für Arnautovic (Vertrag bis 2014) soll sich Dynamo Kiew interessieren, auch Besiktas Istanbul ist angeblich nicht abgeneigt. Für Elia (Vertrag bis 2016) interessiert sich niemand. Vielleicht aber Dutt. Küsst er den Niederländer wach?

Offensives Mittelfeld

Das beste Pferd im Stall ist davongaloppiert. Kevin De Bruyne wird künftig für den FC Chelsea oder Borussia Dortmund Tore vorbereiten und erzielen. Bei Werder avancierte der Belgier zum Top-Scorer der Saison. Zehn Tore und neun Vorlagen sind Beleg seiner Qualität und seines Wertes für die Mannschaft. „Es war eine Freude, mit ihm zusammenzuspielen“, sagt Kapitän Clemens Fritz. Und er sagt, was alle fühlen: „Sein Weggang ist ein großer Verlust.“ Den aufzufangen, ist eine der Hauptaufgaben für Dutt und Eichin. Es wird nicht reichen, sich allein auf Aaron Hunt, Zlatko Junuzovic und das Entwicklungspotenzial eines Özkan Yildirim zu verlassen. Und Mehmet Ekici ist aufgrund seiner Verletzungsfälligkeit und – wenn gesund – überwiegend schwachen Leistungen ohnehin keine verlässliche Größe.

Defensives Mittelfeld

Die Anzahl infrage kommender Spieler ist ausreichend. Junuzovic, Fritz, Philipp Bargfrede, Felix Kroos, Tom Trybull – sie alle waren in der vergangenen Saison im defensiven Mittelfeld zum Einsatz gekommen. Dennoch besteht Handlungsbedarf. Denn auf der Position des „Sechsers“ fehlt ein Stratege, einer mit Erfahrung und den Fähigkeiten, auf dem Platz ein Anführer zu sein. Julian Schuster werden diese Eigenschaften nachgesagt. Bislang gilt der Kapitän des SC Freiburg aber als unverkäuflich. Pikant: Robin Dutt hatte den heute 28-Jährigen 2008 vom VfB Stuttgart in den Breisgau geholt, ihn dort zum Bundesliga-Spieler geformt. Eine Wiederzusammenführung in Bremen ist geplant, droht aber tatsächlich am Widerstand des durch viele Abgänge gebeutelten SC Freiburg zu scheitern.

Abwehr

66 Gegentore in der abgelaufenen Saison, in den Jahren davor 58 und 61 – erschreckende Zahlen. Sie machen deutlich, dass in der Defensive dringend etwas passieren muss. Zumal Abwehrchef Sokratis auch noch gen Dortmund abwandert. Zurück bleiben die Innenverteidiger Sebastian Prödl, Assani Lukimya und Matteo Pavlovic, denen Ex-Co-Trainer Wolfgang Rolff „viele individuelle Fehler“ attestierte. Was wohl heißen sollte: Die Qualität reicht nicht aus. Also muss Dutt das vorhandene Spielermaterial besser machen oder aber Verstärkungen fordern. Auf den Außenpositionen sieht es nicht wesentlich besser aus. Aleksandar Ignjovski ist auf links ganz passabel aufgetreten. Das reichte, um Lukas Schmitz klar auszustechen. Und rechts rechtfertigte der Tscheche Theodor Gebre Selassie seine Verpflichtung nur in wenigen Spielen zu Saisonbeginn. Dass im Schlussspurt der Spielzeit Clemens Fritz wieder als Rechtverteidiger herhalten musste, sagt alles.

Tor 

Die Saison des Sebastian Mielitz lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Glanztaten waren selten, schlimme Fehler aber auch. Trotz der 66 eingefangenen Treffer habe er die Saison, seine erste Bremer Nummer eins, genossen, meint Mielitz: „Auch wenn es nicht immer eine Freude war, da hinten drin zu stehen.“ Laut Sportchef Eichin gehört dem 23-Jährigen in Bremen die Zukunft: „Wir sind sehr zufrieden mit ihm.“ Möglich aber, dass Robin Dutt darüber anders denkt und den derzeit verletzten Raphael Wolf (Kreuzbandanriss) nach dessen Genesung in einen neuen Wettkampf um den Stammplatz im Tor schickt.

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