Wegen versuchten Mordes

Haftstrafe für brutalen Überfall auf Werder-Fans

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Verteidiger Detlev Binder (l) sitzt am 29.01.2013 im Landgericht in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) neben seinem Mandanten, dem Angeklagten Philipp G.. Gegen insgesamt elf Anhänger des Fußballvereins Arminia Bielefeld , die nach einem Spiel Fans von Werder Bremen überfallen haben, wird an diesem Tag das Urteil gesprochen.

Bremen / Bielefeld - Von Matthias Benirschke. Die Bremer waren zu einem bedeutungslosen Fußballspiel der dritten Liga nach Bielefeld gekommen, daraus wurde bitterer Ernst: Einer von ihnen erlitt bei einem Überfall von Arminia-Fans lebensgefährliche Verletzungen. Der junge Haupttäter muss jetzt lange ins Gefängnis.

Im Bielefelder Prozess um einen brutalen Überfall auf Fußballfans von Werder Bremen ist der 20 Jahre alte Hauptangeklagte wegen versuchten Mordes verurteilt worden. Das Landgericht Bielefeld verhängte am Dienstag eine Jugendstrafe von vier Jahren und zehn Monaten. Zusammen mit anderen Anhängern von Arminia Bielefeld hatte der 20-jährige Philipp G. im Mai 2012 die Werder-Fans verfolgt, beraubt und verletzt. Der Hauptangeklagte hatte einem am Boden liegenden Mann mit voller Wucht gegen den Kopf getreten. Das Opfer schwebte eine Woche in Lebensgefahr.

Ein weiterer Haupttäter kam mit einer Strafe von zwei Jahren zur Bewährung davon, acht weitere Angeklagte wurden zu Bewährungsstrafen zwischen 10 und 15 Monaten verurteilt, einer wurde freigesprochen. Alle Verurteilten mit Bewährung müssen darüber hinaus Sozialstunden ableisten. Philipp G. muss dem schwer verletzten Werder-Fan 35 000 Euro Schmerzensgeld zahlen, einem leicht verletzten Bremer 3000 Euro.

Staatsanwalt Veit Walter hatte für den Hauptangeklagten Philipp G. sechs Jahre Haft gefordert. Walter wollte das Urteil nicht kommentieren. Verteidiger Detlev Binder wollte sich noch nicht festlegen, ob er in Revision geht. Die Eltern des 26 Jahre alten Opfers Malte K. sind vor allem erbost über die Bewährungsstrafe des zweiten Haupttäters, Kilian K..

Der sei einer der Organisatoren des Überfalls gewesen, er habe mit dem Ruf „Scheiß Bremer“ das Startzeichen gegeben. Kilian K. habe aber anders als Philipp G. „nur“ mit Fäusten zugeschlagen, sagte Richter Carsten Nabel. Der Vater des Opfers Malte K. sagte nach dem Urteil erregt: „Dass der K. eine Bewährungsstrafe bekommen hat, ist eine bodenlose Frechheit.“ Auch der damals leicht verletzte Bremer sagte, er habe wenigstens auf eine kurze Haftstrafe für Kilian K. gehofft.

In mühsamer Kleinarbeit hatte das Gericht den Tathergang rekonstruiert. Demnach hatten einige der elf Arminia-Fans zunächst beschlossen, die Bremer Anhänger um ihre Fan-Artikel zu bringen. Sie verfolgten sie eine Weile. Philipp G., der wegen eines Angriffs auf einen Polizisten bei einem Spiel in Erfurt Stadionverbot hatte, wurde verständigt. Angetrunken (1,9 Promille) stieß er zur Gruppe, die später über die acht ahnungslosen Bremer herfiel.

Kilian K. brachte zunächst den Bremer Fan Malte K. zu Fall, Philipp G. trat mit großer Wucht gegen dessen Kopf. Das Opfer schwebte tagelang in Lebensgefahr und erlitt bleibende Schäden. Auch einem zweiten Bremer, der am Boden lag, wollte er gegen den Kopf treten, traf aber nicht richtig. Zwei Zivilbeamte der Polizei filmten das Geschehen.

Den Angeklagten seien ihre Geständnisse angerechnet worden, sagte der Richter. Dennoch sei der 20-Jährige Haupttäter wegen versuchten Mordes aus niedrigen Beweggründen zu verurteilen. Er habe die Bremer nicht als Menschen wahrgenommen, habe seiner Frustration über das Stadionverbot freien Lauf gelassen und ging „entfesselt auf seine Opfer los“. dpa

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