Bekommt Werder nur wenig Geld für Rashica?

„Es wird zu einem Zerfall der Preise kommen“: Spielerberater Neuhaus im Interview

Gunther Neuhaus berät mehrere Spieler von Werder Bremen: Johannes und Maximilian Eggestein sowie Niclas Füllkrug.
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Gunther Neuhaus berät mehrere Spieler von Werder Bremen: Johannes und Maximilian Eggestein sowie Niclas Füllkrug.

Hannover/Bremen – Von Hans-Günter Klemm. Er ist der Mann, der die Eggestein-Brüder managt. Und der auch Niclas Füllkrug in allen wichtigen Vertragsfragen berät. Gunther Neuhaus, Diplom-Ökonom und ehemaliger Sportjournalist aus Hannover, ist einer der renommiertesten Spielerberater in Deutschland.

Mit der DeichStube hat er über die Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf den Transfermarkt gesprochen – und darüber, weshalb festgelegte Ablösesummen, wie beispielsweise die von Milot Rashica, im Sommer kaum zu erzielen sein werden.

Sie sind selbst in diesen Corona-Zeiten nur schwer erreichbar, scheinen einen ziemlich vollen Terminkalender zu haben. Ihnen ist also nicht langweilig, Gunther Neuhaus?

So ist es, die Arbeit geht weiter. Viele Gespräche mit den Spielern, die ich betreue, mit Trainern, Sportdirektoren und Juristen. Mit dem einzigen Unterschied, dass alles nicht persönlich vor Ort, sondern am Handy oder per Videokonferenz läuft.

Ist dies ein Vorteil oder ein Nachteil?

Es ist anders. Es herrscht eine andere Atmosphäre, wenn man sich nicht am Tisch gegenübersitzt. Andererseits fallen die Reisen weg, was aus ökologischer Sicht begrüßenswert ist und zudem für eine Zeitersparnis sorgt.

Welche Themen stehen augenblicklich bei Spielerberatern im Fokus?

Es sind Themen, die für meine Klienten oft unangenehm sind. Bei Spielern unterhalb der 1. und 2. Bundesliga zeichnen sich schon auch Härtefälle im Zusammenhang mit Kurzarbeit ab. Es gibt Einige, die Mühe haben, ihre monatlichen Kosten zu decken. Aber mit diesen Sorgen sind sie zurzeit ja nicht alleine.

Wie stehen Sie zum momentan viel diskutierten Komplex Gehaltsverzicht?

Das ist ein sensibles Thema. Es muss von Verein zu Verein individuell behandelt werden, da die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Clubs ja auch stark differiert. Grundsätzlich begrüße ich die Bereitschaft vieler Profis, auf Teile des Gehalts verzichten zu wollen, um so in Krisenzeiten auch der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.

In der Premiere League ist dies nicht der Fall. Wie beurteilen Sie das Verhalten der Profis in England?

Ich habe ein Problem damit, wenn Politiker pauschal einen umfangreichen Gehaltsverzicht aller Profifußballer in allen Ligen fordern, um sich für den nächsten Wahlkampf zu profilieren, wie auch hier geschehen. Das ist mir zu polemisch, man muss die Dinge wie gesagt detailliert betrachten. Es dürfte aber auch den deutlich geringer verdienenden Fans in England schwer zu vermitteln sein, wenn die Spieler einen Gehaltsverzicht rundherum ablehnen.

Berater Gunther Neuhaus: Coronavirus-Krise macht „Personalplanungen extrem schwer“

Profis haben sich lange allein und zuhause fit halten müssen. Mussten Sie bei Ihren Kunden auch als Motivationshelfer einspringen?

Es ist generell für alle eine bleierne Zeit, doch ich bin in der glücklichen Lage, dass meine Klienten über eine hohe Eigenmotivation verfügen. Sie wissen, was sie zu tun haben, und ich kann davon ausgehen, dass sie sich an die Vorgaben des Clubs halten.

Inwieweit wurde der Gesundheitsaspekt im Kontakt mit den Spielern thematisiert? Äußern die Profis vermehrt Ängste vor dem Virus? Haben Sie Sorge gerade jetzt, wo wieder das Trainingsprogramm in der Gruppe beginnt, infiziert zu werden?

Die Sorge, sich zu infizieren, ist überschaubar ausgeprägt. Eher wird schon befürchtet, dass ihre Kinder oder die Eltern betroffen sein könnten.

Es heißt, wegen der Unsicherheiten ruht der Transfermarkt. Stimmt es?

Absolut, die vielen Unwägbarkeiten im Spielbetrieb und am Transfermarkt machen die Personalplanung extrem schwer. Es ist ja noch nicht mal klar, ob, wann und in welcher Form die Saison zu Ende gespielt werden kann. Die Vereine beschäftigen sich nur mit verschiedenen Szenarien – abgestuft zwischen best- und worst-case.

Der FC Bayern hat eine Vertragsverlängerung mit Thomas Müller verkündet, Dortmund beschäftigt sich intensiv mit dem Transfer des Spaniers Ferran Torres. Die jüngsten Meldungen stehen dazu nicht im Widerspruch?

Nein, das sind Ausnahmen, die Topclubs sind in einer Luxussituation. Doch bei der Mehrzahl der Vereine ruhen die Planungen weitgehend. Vor wenigen Tagen betonte ein Erstliga-Manager in einem Gespräch mit mir, dass es für ihn in diesem Sommer ein Nullsummenspiel geben dürfte: kein Verkauf, kein Zukauf von Spielern.

Sehen Sie ein Szenario, dass bei vielen Clubs aufgrund der wirtschaftlichen Probleme ein Verkaufsdruck einsetzen könnte?

So wird es wahrscheinlich kommen. Doch auf der anderen Seite wird es zu einem Zerfall der Preise kommen, was die Sache kompliziert. Wenn überhaupt, so werden die Transfers aufgrund des Preisdrucks nicht mehr das Volumen der vergangenen Jahre haben.

Wird sich die Personalpolitik der Clubs ändern? Kleinere Kader, um die Kosten zu reduzieren?

Die Tendenz dazu sehe ich bei vielen Clubs. Dies wird bei einigen nur schwer umzusetzen sein, wenn viele Leihspieler zur neuen Saison zurückkommen, die Kader so übermäßig aufgestockt werden. Möglicherweise setzt eine Zurückhaltung ein, jüngere Spieler mit Profiverträgen auszustatten, sofern es die Regelungen mit Local Playern im Einzelfall zulassen.

Spielerberather Gunther Neuhaus erwartet, dass die Coronavirus-Krise großen Einfluss auf den Transfermarkt im Sommer haben wird.

Werder Bremen: Fixierter Preis für Milot Rashica „kaum zu erzielen“

Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic hat prophezeit, dass die festgeschriebenen Ausstiegsklauseln zu einem Muster ohne Wert werden könnten.

Das könnte so kommen. Die Klauseln sind zeitlich limitiert, gelten bis zu einem bestimmten Datum. Wie schon erläutert, sind die meisten Clubs momentan handlungsunfähig. Und zudem wirkt sich auch hier der Preisdruck aus.

Ein Beispiel bei Werder: Milot Rashica, so heißt es, darf für 38 Millionen Euro wechseln. Zweifelhaft, ob Bremen diesen Preis erzielen kann?

Ich weiß nicht, ob die Zahl stimmt, das ist nicht mein Thema. Doch allgemein betrachtet: Der fixierte Preis wird kaum zu erzielen sein. Was nicht bedeuten muss, dass Rashica nicht wechseln wird.

Zu Ihren Schützlingen zählt Maximilian Eggestein. Müssen Sie sich darauf einstellen, dass auch er zu einem Verkaufskandidaten werden könnte?

Ich möchte mich hier nicht konkret zu einzelnen Spielern äußern, stelle mich aber immer auf alle denkbaren Szenarien ein. Was ich zu Maxi nur sagen kann, ist dies: Er hat hinlänglich nachgewiesen, für hohe Qualität zu stehen. Das ist auch in der Branche lange bekannt.

Zwei Positionen, zwei Sichtweisen, wie sich der Profifußball nach der Corona-Zeit entwickelt: Uli Hoeneß hat unlängst von einer „neuen Fußball-Welt“ gesprochen, Sebastian Kehl zweifelt daran und glaubt, dass sich wieder Normalität einstellen wird. Was meinen Sie?

Ich bin da eher bei Sebastian Kehl. Die aktuelle Entwicklung hat kurz- bis mittelfristig deutliche Auswirkungen auf den Markt und verursacht vorerst vermutlich eine andere Sicht auf den Profifußball. Doch es wird sich langfristig vieles nivellieren. Der Fußball bleibt des Deutschen liebstes Kind! Trotzdem sollten die Vereine aus dieser Krise lernen und versuchen, in Zukunft Rücklagen zu bilden.

Wird die Saison fortgesetzt? Wenn ja, wann rechnen Sie damit?

Ich rechne Stand heute mit Mitte bis Ende Mai. Aber die Entwicklung ist enorm dynamisch. Wo wir in einer Woche oder in einem Monat stehen, kann uns ja noch nicht einmal ein Virologe seriös sagen. Aber der Fußball hat wie erwähnt gesellschaftlich einen hohen Stellenwert und könnte auch in diesen schweren Zeiten zumindest für gute Unterhaltung sorgen. Ich hoffe, das erkennt auch die Politik.

Sie plädieren also für eine „Lex Fußball“?

In gewisser Weise schon, es sollte wieder losgehen, sobald das ärztlich und gesundheitspolitisch vertretbar ist - der Fußball mit seiner Symbolwirkung voran, dann andere Bereiche, andere Sportarten.

Quelle: DeichStube

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