Werder besiegt Wolfsburg

Relegationsplatz ade: Großartiger Gnabry und ganz viel Glück

Werder Bremen bejubelt die Tore von Serge Gnabry.
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Werder Bremen bejubelt die Tore von Serge Gnabry.

Wolfsburg - Von Carsten Sander und Daniel Cottäus. Relegationsplatz ade! Dank eines Dusel-Siegs beim VfL Wolfsburg hat Werder Bremen am Freitagabend Rang 16 in der Fußball-Bundesliga vorerst verlassen und ist nun nach Punkten mit den „Wölfen“ gleichauf.

Matchwinner in einer Abwehrschlacht war Serge Gnabry, der früh beide Bremer Treffer (10./18.) erzielt hatte. Für die klar überlegenen Wolfsburger, die eine Vielzahl an Chancen ungenutzt ließen, war lediglich Borja Mayoral (19.) erfolgreich.

Alexander Nouri, der vor zwei Wochen noch um seinen Job fürchten musste, kann nun durchatmen. Der Werder-Trainer hatte erneut das eine Woche zuvor beim 2:0 in Mainz erfolgreiche 4-4-2 und die erwartete Startelf gewählt. Auf die Ausfälle seiner beiden Sechser Thomas Delaney (Jochbeinbruch) und Clemens Fritz (Gelbsperre) reagierte der Coach mit der Wahl von Milos Veljkovic und Maximilian Eggestein. Zusammen sind die beiden mit 41 Jahren gerade mal fünf Jahre älter als Kapitän Fritz – der Verlust an Erfahrung auf den zentralen Positionen war also nicht zu leugnen. Auf der Bremer Bank saß erstmals seit seiner im Januar erlittenen Schulterverletzung Florian Grillitsch. Philipp Bargfrede, dessen Chancen auf ein Comeback zunächst größer erschienen, stand dagegen nicht im Kader.

Während Nouri ohne den Totalverlust seines defensiven Mittelfelds gewiss nichts im Team verändert hätte, krempelte der Kollege Valerien Ismael seine Elf gewaltig um. Gleich fünf Positionen besetzte der ehemalige Bremer Double-Held neu – unter anderem blieb Torjäger Mario Gomez 63 Minuten auf der Bank. Die Veränderungen waren Ismaels Antwort auf die schwache Wolfsburger Vorstellung beim 0:3 in Dortmund eine Woche zuvor. „Es geht um Taktik, um Leistung und um angeschlagene Spieler“, erklärte der 41-Jährige, der mit den Offensivkräften Yunus Malli, Daniel Didavi und Borja Mayoral auf mehr Fußball-Kultur hoffte. „Wir wollen mit Kombinationsspiel durchkommen“, sagte Ismael.

Gnabry erzielt ersten Doppelpack für Werder

Aber Wolfsburg kam zunächst nicht durch. Sondern Werder. Oder besser: Serge Gnabry. Und das gleich zweimal. Beim 0:1 (10.) hatte er Glück, dass Ricardo Rodriguez seinen Schuss unhaltbar abfälschte. Beim 0:2 (18.) stand er nach einem von Lamine Sane verlängerten Junuzovic-Freistoß, wo er stehen musste, und traf mit technischer Eleganz aus kürzester Distanz. Es war Gnabrys erster Doppelpack für Werder und bereits sein zehnter Saisontreffer – bemerkenswert dabei: Neun dieser zehn Treffer erzielte er auswärts.

Dank Gnabry schien es, als würde die Partie für Werder ähnlich perfekt laufen wie die in Mainz, als die Bremer nach 26 Minuten mit 2:0 führten. Aber Wolfsburg hatte eine schnelle Antwort parat, kam nach einem Eckball durch Gomez-Vertreter Mayoral zum Anschlusstreffer (19.).

Wolfsburg rennt an - aber Wiedwald hält das Tor dicht

Drei Tore nach nicht einmal 20 Minuten – es war ein Vollgasstart in den Keller-Knaller, den so wohl niemand erwartet hatte. Und es ging auch turbulent weiter. Wolfsburg machte Druck, kombinierte wie von Ismael verlangt mit Tempo über die Flügel und kam zu besten Chancen. Eigentlich fehlte den Gastgebern nur eins: Glück. Malli und Blaszczykowski scheiterten an Felix Wiedwald (22./26.), Daniel Didavi (36.) und Mayoral (40.) jeweils am Pfosten. Auch Rodriguez verpasste das 2:2, weil Wiedwald erneut richtig stand (45.+1). In der Summe kamen so bis zur Pause 18 (!) Torschüsse zusammen – Saisonrekord für den VfL. Die Bremer fanden ohne Delaney und Fritz kaum ein Mittel, um die Wolfsburger Wucht einzubremsen. Dennoch nahmen sie die Führung mit in die Kabine. Verrückt.

Das gleiche Bild nach der Pause: Die „Wölfe“ rannten an, und die Bremer verstolperten nahezu jeden Ansatz eines eigenen Angriffs. Entlastung? Spielaufbau? Keine Spur! Kaum erobert, waren die Bälle auch wieder weg. Und das 2:1 wackelte beinahe minütlich. Wie bei Bauers Tritt gegen das Schienbein von Robin Knoche (56.), für den es keinen Elfmeter gab. 30.000 Zuschauer in der ausverkauften VW-Arena fragten sich, wann dieser unglaubliche Werder-Dusel wohl aufgebraucht sein würde.

Die Antwort: gar nicht! Wolfsburg brachte zwar Gomez als Brechstange und auch Winter-Neuzugang Paul-Georges Ntep, konnte das Glück an diesem Abend jedoch nicht mehr erzwingen.

Statistik

VfL Wolfsburg: 1 Benaglio - 31 Knoche, 22 Luiz Gustavo, 34 Rodriguez - 27 Arnold - 14 Blaszczykowski, 15 Träsch (81. Träsch), 11 Didavi (63. Gomez), 21 Horn - 10 Malli, 17 Mayoral (74. Ntep)

SV Werder Bremen: 42 Wiedwald - 23 Gebre Selassie, 26 Sane, 18 Moisander, 4 Bauer - 22 Bartels (60. Kainz), 13 Veljkovic, 35 M. Eggestein (74. Grillitsch), 16 Junuzovic - 10 Kruse, 29 Gnabry (82. Pizarro)

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)

Zuschauer: 30.000

Quelle: DeichStube

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