Werder unter Druck – Skripnik fordert gegen Leverkusen eine Reaktion seines Teams

„Gott sei Dank kein Favorit“

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Holterdipolter abwärts, statt hopplahopp weiter nach oben: Viktor Skripnik muss diesen Trend jetzt stoppen.

Bremen - Die erste Pleite war eine Ohrfeige. Schallend zwar, aber noch zu verkraften. Die zweite Pleite war dagegen schon ein Schwinger in die Magengrube, Luft raubend, schmerzhaft. Und wenn Werder Bremen morgen im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (15.30 Uhr) nicht auf die Bretter geschickt werden will, muss etwas passieren. „Die Situation ist nicht einfach für uns. Wir stehen unter Druck und sind gefordert“, sagt Trainer Viktor Skripnik: „Ich erwarte eine Reaktion der Mannschaft.“

Es ist ein angeknocktes Team, das Skripnik aus Darmstadt mit zurück nach Bremen gebracht hatte. Das 1:2 nur drei Tage nach dem 0:1 gegen Ingolstadt hat den Spielern zugesetzt. Das Selbstvertrauen nach zuvor zwei Siegen ist in den Mühlen der Niederlagen zerquetscht worden, der aktuelle Tabellenstand gibt mehr zur Sorge als zur Hoffnung Anlass. Rang 13 – das riecht schon wieder nach Abstiegskampf. Und der, das sagt Skripnik ganz ungefiltert, „wird auch kommen, wenn wir so weitermachen“.

Es sind Worte wie Böllerschüsse. Eigentlich sollte in dieser Saison über die Europa League gesprochen werden. Aber doch nicht über Liga zwei. Nicht schon wieder. Noch ist es freilich auch nicht soweit. Nach den Schlag-auf-Schlag-Pleiten gegen die beiden Liga-Neulinge muss Werder jedoch dem Trend entgegenwirken. Nach dem Motto: Steht auf, wenn ihr Bremer seid! Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic, der sein Comeback in der Startelf feiern soll (siehe Extra-Bericht), hat verstanden. „Wir können jetzt herumweinen und alles negativ sehen. Oder wir können uns aufrappeln und unser wahres Gesicht zeigen.“

Wie das aussehen soll? Skripnik beschreibt es so: „Ich möchte, dass meine Mannschaft mutig und mit guter Laune auf den Platz geht.“ Deshalb hat er nach dem deprimierenden Niederlagen-Doppelpack auch nicht verbal auf die Spieler eingedroschen. „Ich habe schon erklärt, dass ich unzufrieden bin. Aber ich habe auch Verständnis gezeigt. Für einen Trainer ist es eine beschissene Zeit. Es bringt überhaupt nix, wenn du sauer bist und laut wirst.“

Also bedient er sich in einer Phase, in der sich plötzlich der Wind dreht und sich der Job in die falsche Richtung entwickelt, der üblichen Methoden: sachliche Aufarbeitung der Spiele per Videoanalyse, dazu Vier-Augen-Gespräche: „Wir machen kein Straftraining, oder so.“

Noch wird bei Werder der Anschein der Normalität gewahrt. Gegen Ingolstadt und Darmstadt verloren zu haben, sei kein Grund zur Verzweiflung – genauso wenig, wie die Siege über Gladbach und Hoffenheim Anlass zum Abheben gegeben hätten, meint Geschäftsführer Thomas Eichin: „Weder sind wir damals übergeschnappt noch machen wir uns jetzt verrückt. Es war doch klar, dass es nicht hopplahopp weitergehen würde“, sagt er. Dass es aber holterdipolter abwärts geht, war gewiss auch nicht eingeplant. „Jedenfalls haben wir die Fehler, die wir gemacht haben, nicht trainiert“, scherzte Skripnik.

Nun wird die Partie gegen Bayer Leverkusen, den Champions-League-Teilnehmer, zur echten Bedrohung. Verliert Werder erneut, ist die Krise da und beginnt der Abstiegskampf. „Die Motivation meiner Spieler muss enorm sein“, glaubt Skripnik und freut sich, dass Leverkusen als Favorit in Bremen antritt. Denn so kann Werder Außenseiter sein, muss nicht das Spiel machen, darf reagieren, statt agieren zu müssen. „Jeder hat gesehen, dass die Mannschaft mit der Favoritenrolle nicht umgehen kann“, meint Coach Skripnik mit Blick auf die Blamagen gegen die beiden Aufsteiger. Spiele, die den Trainer einmal mehr in seinem Fußballerleben zur Erkenntnis führten: „Nimmst du Gegner auf die leichte Schulter, kriegst du sofort den Sack voll.“ Gegen Leverkusen ist die Überheblichkeitsgefahr natürlich gebannt. „Gott sei Dank kein Favorit“, atmet der Trainer auf. Ob die Erleichterung bis zum Abpfiff überleben wird? Thomas Eichin ist selbst gespannt: „Gucken wir mal, ob dann alle wieder euphorisiert sind oder in Depressionen verfallen.“

csa/kni

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