Leihgeschäft perfekt / „Er ist ein Spieler für die Insel, wir werden von ihm hören“

Goodbye, Elia! FC Southampton greift zu

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Neuer Club, neues Glück für Eljero Elia? Werder hofft auf eine Leistungsexplosion in England.

Bremen - Der Abend vor Heiligabend war schon längst angebrochen, als endlich das entscheidende Signal aus Südengland kam: Eljero Elia wird ab dem 1. Januar für den Premier-League-Club FC Southampton spielen. Gestern unterzeichneten alle Beteiligten einen Leihvertrag bis Saisonende, der eine millionenschwere Kaufoption für die Briten beinhaltet. Elias Vertrag bei Werder Bremen läuft noch bis Juni 2016. „Wir waren nicht richtig zufrieden und Eljero auch nicht. Da ist es besser, die Reißleine zu ziehen“, sagte Sportdirektor Rouven Schröder.

Auch wenn es mit der Vollzugsmeldung etwas länger dauerte, hatte sich schon früher am Tag abgezeichnet, dass der Deal nicht mehr scheitern würde. So warb Southamptons niederländischer Trainer Ronald Koeman auf der Pressekonferenz vor dem Ligaspiel bei Crystal Palace am „Boxing day“ (2. Weihnachtstag) öffentlich für die Verpflichtung seines Landsmannes. „Er steht auf unserer Liste für Januar. Ich bin interessiert“, sagte Koeman: „Wenn er unterschreibt, wird er eine gute Option für uns sein.“

Als Koeman mit den britischen Medien sprach, weilte Elia schon in Southampton. Der Medizincheck stand an. Kurz vor 19.00 Uhr unterschrieb er dann seinen Halbjahresvertrag bei den „Saints“. „Big day“ (großer Tag) hatte er zuvor getwittert – garniert mit einer geballten Faust. Man darf das wohl vorsichtig als Indiz werten, dass er sich freut, Werder Richtung England verlassen zu können. Neuer Club, neues Umfeld, neuer Trainer, neues Spielsystem mit echten Flügelstürmern – vielleicht bedeutet das in der Summe neues Glück für den 27-Jährigen.

Klar ist: Koeman holt Elia, weil ihm zwei Linksaußen wegbrechen. Jay Rodriguez fällt mit einer Kreuzbandverletzung lange aus, der Senegalese Sadio Mane nimmt im Januar am Afrika Cup teil. Koeman: „Wir brauchen für die Position noch einen Spieler.“ Jetzt hat er ihn.

Dass für Eljero Elia – und damit auch für Werder – nochmal so eine Tür aufgehen würde, hätte vor kurzem niemand mehr zu hoffen gewagt. Elia gilt nach zweieinhalb erfolglosen Jahren in Bremer als gescheiterter Fußballer. Sein mit negativen Nicht-Fußball-Schlagzeilen garnierter Lebenslauf wurde als zusätzlicher Ballast angesehen. Aber: Wenn du denkst, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein Koeman her.

Werder kann nun darauf hoffen, dass Elia in England endlich von der lang ersehnten Leistungsexplosion heimgesucht wird, seinen ramponierten Ruf als Fußballer wieder aufpoliert und den eigenen Marktwert nach oben treibt. Die in der Kaufoption verankerte (aber natürlich im Falle des Falles nachverhandelbare) Ablöse bewegt sich vorsorglich schon mal im Fünf-Millionen-Euro-Bereich. Zunächst wird jedoch nur eine Leihgebühr in unbekannter Höhe fällig.

Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin ist allerdings der festen Überzeugung, dass mehr draus wird. „Elia ist mit seinen Eins-gegen-eins-Situationen ein Spieler für die Insel. Er wird ganz sicher seine Einsätze bekommen. Ich glaube, dass wir viel von ihm hören werden und dass Southampton am Ende kaufen wird.“ Dann würde es klingeln im Bremer Geldbeutel. Eichin: „Wenn es klappt, sind wir alle froh.“

Keine Rolle soll bei den Verhandlungen gespielt haben, dass beim FC Southampton einer die Richtung vorgibt, der wie Eichin ein Vorleben im Eishockey hat. Und noch dazu Deutscher ist. Ralph Krueger, ehemaliger Eishockey-Nationalspieler und -Erfolgstrainer, hat den FC Southampton als Präsident wieder in die nationale Spitze geführt (mehr dazu im Interview auf der folgenden Seite). Das Team war im Sommer runderneuert worden. Für 118 Millionen Euro wurden Stars verkauft, für 73 Millionen Euro neue Spieler geholt. Es ist also noch Geld vorhanden. Für Elia.

csa

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