Glaube an bessere Zeiten wächst / Eichin hätte als Gegner „gewaltigen Respekt“

Werders Stehaufmännchen machen Fans wieder Spaß

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Lachende Bremer Gesichter: Sportchef Thomas Eichin (links) freut sich mit Eljero Elia über den Punkt in Leverkusen und Werders Niemals-aufgeben-Mentalität: „Unsere Moral ist schwer zu brechen.“

Bremen - Die Werder-Fans haben harte Zeiten hinter sich. Wenn sie über ihren Lieblingsverein sprachen, bekamen sie oft schnell schlechte Laune. Holpriger Fußball, Zittern um den Klassenerhalt – das erlebten sie in den vergangenen Jahren zur Genüge. Entsprechend laut war die Kritik, entsprechend groß die Unzufriedenheit. Doch in dieser Saison scheint die Stimmung allmählich zu kippen. Nach dem famosen 3:3 bei Tabellenführer Leverkusen gab es mehr Lob als Kritik – der Tenor: Werder macht wieder Spaß!

„Das war eines der besten Spiele der letzten zwei Jahre“ oder „Donnerwetter! So ist Werder auf dem richtigen Weg, von der grauen zur grün-weißen Maus zu werden“ – das sind nur zwei Reaktionen aus dem Internet. Von Fans, die ihren Glauben an eine bessere Zukunft offenbar wiedergefunden haben.

Nun ist es allerdings auch nicht so, dass die Bremer Anhänger ihre grün-weißen Brillen aufsetzen und auf einmal alles schönreden. Es gibt durchaus Euphorie-Bremser. Denen ist nicht entgangen, dass Werder in Leverkusen ziemlichen Dusel hatte und mausetot gewesen wäre, hätte Bayer in der ersten Halbzeit nicht drei Mal Pfostenpech gehabt. Insgesamt war der erste Durchgang besorgniserregend – wie auch schon in Berlin und gegen Hoffenheim, als Werder fast nichts gebacken bekam. In allen drei Partien lagen die Bremer im Rückstand. Plausible Gründe dafür liefert niemand. Es gibt nur Bekundungen, es fortan besser zu machen. „Wir würden gerne auch mal 1:0 in Führung gehen und das Ding dann nach Hause bringen“, sagt Mittelfeldmann Fin Bartels.

Momentan braucht Werder aber offenbar den Druck, mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Denn dann läuft es plötzlich. Auch in Leverkusen war es wieder so, gab es erneut einen beachtlichen Kraftakt. In einer mitreißenden zweiten Halbzeit waren die Bremer auf Augenhöhe mit dem Tabellenführer, sie wirkten am Ende des offenen Schlagabtauschs sogar noch etwas frischer als der Gegner – wie schon in den vorherigen Partien. „Wir haben Leverkusen richtig in die Knie gewzungen“, sagt Zlatko Junuzovic stolz. Und Kapitän Clemens Fritz fügt an: „Dass wir fit sind, ist kein Geheimnis. Wir müssen uns jeden Punkt hart erarbeiten – und das können wir auch.“

Zweiter wichtiger Faktor neben der körperlichen Präsenz ist der schon oft als Faustpfand und von Neuzugang Izet Hajrovic als „sehr, sehr großes Plus“ gerühmte Teamgeist. „Wir sind wieder zurückgekommen, weil wir einfach an uns glauben“, erklärt Fritz. „Besser als bei dem Spiel in Leverkusen kann man das nicht zeigen“, meint Junuzovic.

Die Verantwortlichen sehen diese Geschlossenheit und die Niemals-aufgeben-Mentalität mit großer Freude. „Das macht mich stolz“, sagt Sportchef Thomas Eichin. Für jeden Gegner sei es schwer, „uns komplett wegzunehmen. Ich hätte gewaltigen Respekt, wenn ich gegen uns spielen müsste. Das ist der Werder-Geist, die Moral ist schwer zu brechen.“ Dutt schwärmt von der „körperlichen und mentalen Fitness“ und von der „unglaublich positiven Energie“, die mit der Zeit in seiner Mannschaft entstanden sei: „Die Art und Weise, wie wir spielen, gibt uns Kraft.“

Dass es noch keinem Team gelungen ist, Werder zu schlagen, registriert Junuzovic zudem mit hörbarer Genugtuung. „Von außerhalb wurde an uns gezweifelt und immer wieder hervorgebhoben, was die anderen alles gekauft haben. Das nervt ein bisschen. Denn auch bei uns ist Qualität da“, findet der Österreicher und ergänzt: „Wir haben es bewiesen: Die Mannschaft lebt.“

Die Mannschaft hat aber noch nicht gewonnen: drei Remis in drei Bundesliga-Spielen. Ungeschlagen, ja – aber eben auch noch ohne Sieg. Eine Ausbeute, die bei einem Heimspiel und zwei Auswärtsauftritten in Ordnung ist. Mehr nicht – findet auch Fritz: „Wenn man nur unentschieden spielt, wird es am Ende eng.“

mr

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