Bremen gewinnt 4:1 in Stuttgart

Ekici lässt Werder jubeln

+

Stuttgart - Werder Bremen kann‘s doch noch: Mit dem 4:1 (1:1) beim VfB Stuttgart ließ das Team von Trainer Thomas Schaaf gestern erstmals nach 15 Monaten einem Sieg auch den zweiten folgen.

Matchwinner war – aufgepasst! – Mehmet Ekici. Der Türke, in der Hinrunde tief in der Versenkung abgetaucht war, steuerte zwei Treffer (34. und 74.) zum Erfolg bei – darunter ein traumhafter Freistoß zur Entscheidung. Ibrahima Traore hatte zwischenzeitlich ausgeglichen (50.), Aaron Hunt für die erneute Führung gesorgt (60.) und Kevin De Bruyne in der Nachspielzeit noch einen draufgesetzt. In der Tabelle verhalf der Sieg Werder zwar nicht zum großen Sprung – die Bremer bleiben Elfter –, der Abstand zu Platz sechs,der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, beträgt aber nur noch zwei Punkte. Die Bremer pirschen sich ran.

Foto

„Der Sieg war extrem wichtig“, sagte Ekici, der erneut das Vertrauen von Schaaf bekommen hatte. Der Coach schickte die gleiche Elf ins Rennen, die auch am Spieltag zuvor beim 2:0 gegen Hannover 96 begonnen hatte. „Wir wollten das wieder erleben, was wir gegen Hannover gesehen hatten“, erklärte der 51-Jährige. Allerdings gab es für ihn nur noch wenig Gründe, über Veränderungen nachzudenken, nachdem sich Marko Arnautovic mit muskulären Problemen abgemeldet hatte (siehe Extra-Text).

Es waren jedoch zunächst nur die Namen, die mit der Vorwoche übereinstimmten. Die Leistung war es in den ersten Minuten nicht. Die in der Rückrunde noch punktlosen Stuttgarter bestimmten die Startphase und kamen schon in den ersten Minuten zu zwei hochkarätigen Möglichkeiten. Gotoku Sakai schoss freistehend drüber (2.), Ibrahima Traore brachte aus 16 Metern nur ein harmloses Schüsschen zustande (4.). „Wir haben den VfB zu sehr gewähren lassen“, meinte Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic.

Um Werder mussten sich die knapp 2 000 mitgereisten Bremer Fans deshalb ernsthafte Sorgen machen – zumal Stuttgart in den vergangenen Jahren ein richtig schlechtes Pflaster für Grün-Weiß gewesen waren. Fünf Niederlagen aus sechs Auftritten im Schwabenland, dabei 24 Tore kassiert – beim VfB gilt Werder als Lieblingsgast. Pardon: galt. Denn es gab gestern einen Moment, in dem sich die Partie drehte. Nach kluger Hereingabe des bis dahin wenig auffälligen Eljero Elia traf Kevin De Bruyne den Pfosten. Den Nachschuss parierte VfB-Keeper Sven Ulreich (24.). Auch wenn das Tor in dieser Szene nicht fiel – es war ein Wachrüttler für Werder und eine Aktion, die die Verunsicherung zurück in die Köpfe der Stuttgarter Spieler scheuchte. „Aber wir sind immer sicherer geworden“, so Junuzovic.

Beinahe automatisch kam Werder zu weiteren Chancen gegen die wackelige Defensive des VfB. Eljero Elia (30.) und Junuzovic (32.) vergaben jedoch aus jeweils aussichtsreicher Position. Letztlich war es ein Geistesblitz von De Bruyne, der die Führung brachte. Der Belgier wuchtete den Ball von rechts scharf nach innen, Ekici hielt den rechten Außenrist hin und bugsierte das Spielgerät irgendwie ins Tor (34.). Der Grundstein zum ersten „zweiten Sieg in Folge“ nach einer kleinen Ewigkeit war gelegt.

Die Führung war angesichts der Möglichkeiten kurz zuvor nicht unverdient, wurde aber direkt nach Wiederanpfiff weggeschenkt. Nachdem Sokratis eine Hereingabe von Harnik noch geblockt hatte, interessierte sich in der Mitte niemand für Traore – ein Schuss, ein Tor (50.). 1:1, der Grundstein zum Sieg war Werder unter den Füßen zerbröselt.

Nur gut, dass Stuttgart den Klebstoff lieferte, um die Brösel wieder zusammenzusetzen. Der Däne William Kvist ließ sich 30 Meter vor dem Tor von Nils Petersen den Ball abjagen – ein schneller Pass auf Aaron Hunt, ein überlegter Schuss, und Werder lag wieder vorne. Es war ein Geschenk. Zuvor hatte ein Handspiel von Innenverteidiger Sokratis für Aufregung unter den 41 200 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena gesorgt. Aus kurzer Distanz hatte Vedad Ibisevic dem Griechen an den Ellenbogen geschossen. Dafür geben manche Schiedsrichter Elfmeter, Günter Perl aus München tat es nicht. Und weil kurz darauf das 1:2 fiel, machte sich auf den Rängen Wut und Untergangsstimmung breit. Auf dem Platz zeigte der VfB erste Auflösungserscheinungen. Coach Bruno Labbadia, der tags zuvor seinen 47. Geburtstag gefeiert hatte, brachte in Daniel Didavi und Neuzugang Federico Macheda (kam von Manchester United) neue Offensivkräfte, doch es tat sich nichts mehr beim VfB. Werder verlagerte sich auf Konter, die Entscheidung brachte aber ein Freistoß: Ekici traf milimetergenau in den Winkel, beendete damit nach 15 Monaten die schwarze Immer-nur-ein-Sieg-Serie der Bremer und schürte die eigenen Europapokal-Hoffnung. „Überglücklich“ sei er über seinen Doppelpack, sagte er.

Ganz anders die Stimmungslage bei den Schwaben und ihren Fans. Die Cannstatter Kurve reagierte reflexartig mit „Bruno-raus“-Rufen. Kein schönes Geschenk für Labbadia, der am Freitag seinen 47. Geburtstag gefeiert hatte. Eine Entlassung muss er aber nicht fürchten – der VfB hatte seinen Vertrag schließlich erst erst vor wenigen Tagen verlängert. Fazit der Fans: „Wir ha'm die Schnauze voll!“

Das könnte Sie auch interessieren

Regierungspartei fordert Rücktritt Mugabes

Regierungspartei fordert Rücktritt Mugabes

Mitmach-Tag in der Kindertagesstätte Dörverden

Mitmach-Tag in der Kindertagesstätte Dörverden

Staatsanwaltschaft will Puigdemont an Spanien ausliefern

Staatsanwaltschaft will Puigdemont an Spanien ausliefern

Weltklimakonferenz streitet bis zuletzt ums Geld

Weltklimakonferenz streitet bis zuletzt ums Geld

Meistgelesene Artikel

Das passiert am Montag

Das passiert am Montag

Das passiert am Mittwoch

Das passiert am Mittwoch

Training am Montag: Quartett fehlt krankheitsbedingt

Training am Montag: Quartett fehlt krankheitsbedingt

Veljkovic mit zweitem Länderspiel-Einsatz

Veljkovic mit zweitem Länderspiel-Einsatz

Kommentare