Werder nach 2:3 in Dortmund am Ende nur Zehnter

Der geplatzte Europa-Traum

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KOLLEKTIVER Werder-Frust: Cedrick Makiadi (l.), Assani Lukimya (Mitte), Franco Di Santo (r.) und Levin Öztunali (2.v.r.) waren nach dem 2:3 in Dortmund enttäuscht. Verständlich, denn „der zehnte Platz spiegelt unsere starke Rückrunde nicht wider“, meinte auch Werder-Sportchef Thomas Eichin.

Aus Dortmund berichtet Malte Rehnert. Gestern Nachmittag, 17.20 Uhr: Die Werder-Profis, Trainer Viktor Skripnik und Sportchef Thomas Eichin stehen dicht an dicht in den Katakomben des Signal-Iduna-Parks und starren auf den Fernseher.

Es leuchtet der Videotext – und dort ist Türkis auf Schwarz zu lesen, wie die Bremer die Bundesliga-Saison beendet haben. Und es ist nach den Hoffnungen auf die Europa-League-Qualifikation kein wirklich schöner Anblick: 2:3 (1:3) bei Borussia Dortmund, Platz zehn und sogar noch überholt vom ehemaligen Coach Thomas Schaaf und Eintracht Frankfurt.

Durch die letztlich knappe, aber verdiente Niederlage rutschten die Bremer runter von Rang acht – keine Chance mehr auf die Europa League, zudem weniger Geld aus dem TV-Topf. Während die Dortmunder Fans Platz sieben feierten, „Europapokal“-Gesänge anstimmten und ihrem Trainer Jürgen Klopp einen würdigen Abschied bereiteten, war in den Gesichtern der Bremer deutlich der Frust zu sehen. „Klar ist die Enttäuschung jetzt ganz groß. Der zehnte Platz spiegelt unsere starke Rückrunde leider nicht wider“, meinte Eichin: „Mein Ziel war ein einstelliger Tabellenplatz. Den haben wir nicht erreicht. Es kommt mir ein bisschen so vor wie ein vierter Platz bei Olympischen Spielen.“

Zlatko Junuzovic war ebenfalls enttäuscht. Der Österreicher, der gestern die Kapitänsbinde trug (Clemens Fritz war verletzt, Sebastian Prödl saß in seinem letzten Pflichtspiel für Werder zunächst auf der Bank), war allerdings – wie die anderen Bremer – bemüht, nicht zu kritisch zu klingen. Stattdessen strich er das Positive heraus: „Wir haben hier mit Anstand verloren, können die Arena erhobenen Hauptes verlassen. Wir wollten alles raushauen, das haben wir getan.“ Zu Beginn war das jedoch noch überhaupt nicht zu erkennen. Der BVB gab von Anfang an fürchterlich viel Gas.

Henrik Mchitarjan scheiterte an Werder-Keeper Koen Casteels (2.), Pierre-Emerick Aubameyang traf nach Flanke von Marco Reus den Pfosten (9.). Die Bremer, in einem 4:1:4:1-System mit Franco Di Santo als einziger Spitze angetreten, standen dieser Offensiv-Walze total hilflos gegenüber und schlugen die Bälle oft einfach nur hinten raus. Und wenn sie spielen wollten, ging das mächtig schief. Jannik Vestergaards Fehlpass landete bei Mchitarjan, der leitete weiter zu Shinji Kagawa – und der Japaner durfte seelenruhig zum 1:0 einschießen (15.). „Im Nachhinein hätte ich diesen Ball nicht spielen sollen“, erklärte Vestergaard selbstkritisch. Drei Minuten später legte der wie entfesselt aufspielende BVB schon nach. Aubameyang entwischte Theodor Gebre Selassie im Rücken, Schuss ins lange Eck – 2:0 (18.). Den Gästen drohte ein Debakel.

2:3-Pleite beim BVB

Jetzt war auch die Mega-Kulisse von über 80 000 Zuschauern voll da – und Werders Hoffnung auf Europa schon futsch. Bis Levin Öztunali sie mit seinem ersten Treffer für Werder und in der Bundesliga überhaupt zurückbrachte: Er verlud Weltmeister Mats Hummels klasse mit einer Körpertäuschung und schloss trocken ab – 1:2 (26.). Di Santo hatte kurz darauf gleich zwei Mal die Chance zum Ausgleich für die nun mutigeren Gäste, der Argentinier versiebte jedoch (31./36.). Stattdessen erhöhte Dortmund: Mchitarjan veredelte einen Konter nach einer Werder-Ecke eiskalt mit dem 3:1 (42.). „Wir haben den BVB zu den Toren eingeladen“, haderte Skripnik. Nach dem Seitenwechsel ließ es Dortmund etwas ruhiger angehen, hatte aber immer noch einige Hochkaräter. Mchitarjan traf die Latte (64.), Casteels parierte erneut gegen Aubameyang (67.). So blieb Werder im Spiel und kam tatsächlich noch mal heran.

Nach einer flachen Freistoß-Hereingabe von Junuzovic war Theodor Gebre Selassie zur Stelle und besorgte das 2:3 (85.). Zu mehr lange es jedoch nicht mehr. Insgesamt erwies sich Werder, von Klopp hinterher „ein super-sympathischer Verein“ genannt, als fairer Verlierer. „Der BVB hat heute seine ganze Klasse gezeigt. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass die so lange auf Platz 18 standen“, meinte Eichin. „Jeder hat gesehen, dass die überlegene Mannschaft total verdient gewonnen hat“, ergänzte Skripnik: „Wir haben hier aber noch mal alles versucht. Schade, dass es nicht geklappt hat. Aber der zehnte Platz ist auch nicht schlecht. Ich bin echt froh, dass wir so früh gerettet waren und am Ende nichts mit dem Abstieg zu tun hatten.“

Casteels gefordert, Sternberg überfordert

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