Werder wieder im Minus – und einmal musste sogar eine Millionenspritze des Stammvereins helfen

Das Geld reicht hinten und vorne nicht

+
Werder und das liebe Geld – beim speziellen Club-Monopoly ist es nur Spaß, in der Realität bitterer Ernst.

Bremen - 9,8 Millionen Euro Verlust, die zweitschlechteste Geschäftsbilanz der Club-Geschichte – ist das das Ergebnis des Bremer Konsolidierungskurses? Es ist auf den ersten Blick nicht zu verstehen, dass sich der Abschluss des Geschäftsjahres 2013/14 immer noch im tiefroten Bereich bewegt, obwohl beim SV Werder die meisten Gürtel längst durch das letzte Loch geschnallt werden. Gründe? Einer heißt Thomas Schaaf.

Die Saison 2013/2014 war die Spielzeit, in der Werder zwei Trainerteams bezahlen musste. Schaaf, im Mai 2013 einvernehmlich entlassen worden, bekam noch bis Vertragsende im Juni diesen Jahres sein volles Gehalt. Die Bilanz wurde so mit geschätzten 1,8 Millionen Euro belastet. Außerdem wurden die Co-Trainer Wolfgang Rolff, Matthias Hönerbach und Michael Kraft abgefunden. Gesamtkosten: circa eine Million Euro. Es sind dies außergewöhnliche Aufwendungen, die sich insgesamt mit knapp drei Millionen Euro negativ auf die Gewinn- und Verlustrechnung auswirken. In der laufenden Spielzeit wird die Freistellung von Robin Dutt den gleichen Effekt in etwas reduziertem Umfang haben.

Aber wenn die 2,8 Millionen Euro für die Schattentrainer rausgerechnet sind, bleiben immer noch sieben Millionen Euro Verlust, die zu erklären sind. Und jetzt wird’s schwierig bis nicht nachvollziehbar. Denn die Argumentation von Geschäftsführer Klaus Filbry für das dicke Minus seien „lediglich die Abschreibungen für Spielertransfers der Vergangenheit“ verantwortlich, erscheint bei genauerer Betrachtung wie eine bilanztechnische Nebelkerze. Ja, Werder hat in dem Geschäftsjahr unter anderem die Spieler Sokratis, Marko Arnautovic und Denni Avdic abgegeben – Profis, die laut Filbry mit Restbuchwerten von zusammen 8,2 Millionen Euro in den Aktiva der Werder Gmbh & Co. KG aA standen. Bei Verkauf müssen sie ausgebucht werden – ein „Einmaleffekt“, wie der Werder-Finanzchef es nennt. Dieser „Einmaleffekt“ macht sich negativ in der Bilanz bemerkbar. Allerdings: Die eingenommenen Verkaufserlöse – in der Summe der drei Fälle geschätzte zwölf Millionen Euro – übersteigen den Restbuchwert, fließen deshalb über die Gewinn- und Verlust-Rechnung als Plus in die Bilanz ein. Zudem: Hat es eigentlich in den Jahren, als Werder noch Überschüsse erwirtschaftete, keine „Einmaleffekte“ nach Spielertransfers gegeben?

Die aktuelle Bilanz lässt vor allem einen Schluss zu: Bei Werder reicht das Geld trotz einer Gesamteinnahme von 91,3 Millionen Euro hinten und vorne nicht. Dazu passt, dass sich die Kapitalgesellschaft im Geschäftsjahr sogar eine Million Euro vom Stammverein leihen musste, um liquide zu sein.

Mittlerweile ist der Gehaltsetat für das Bundesliga-Team zwar unter 30 Millionen Euro geschrumpft, trotzdem verschwindet das Minus nicht, die vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene „schwarze Null“ ist weit weg. „Gesund“ sei der SV Werder, sagte Klaus Filbry dennoch, „nicht arm, nicht reich“. Aber wie gesund kann es sein, wenn die Einnahmen nicht die Ausgaben decken?

csa/kni

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Miss Freimarkt 2004 - 2017

Miss Freimarkt 2004 - 2017

Miss Freimarkt 2004 - 2017

Miss Freimarkt 2004 - 2017

Neues von Thomas Cook: Fokus auf Familien und höhere Preise

Neues von Thomas Cook: Fokus auf Familien und höhere Preise

Grusellabyrinth und Horror-Fest: Halloween in Deutschland

Grusellabyrinth und Horror-Fest: Halloween in Deutschland

Meistgelesene Artikel

Rosenberg zum dritten Mal Schwedischer Meister

Rosenberg zum dritten Mal Schwedischer Meister

Das passiert am Dienstag

Das passiert am Dienstag

Bode: „Einhellig“ pro Nouri

Bode: „Einhellig“ pro Nouri

Schaaf wehrt sich gegen Gerüchte

Schaaf wehrt sich gegen Gerüchte

Kommentare