Training von ruhenden Bällen aber kaum möglich

Werder ist unter Kohfeldt bei Standards wieder gefährlich

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Hoch hinein und hoffen? Ganz so einfach ist es nicht. Wie viel Planung und Akribie Werder Bremen in das Thema Standardsituationen steckt, hat Trainer Florian Kohfeldt nun verraten.

Bremen - Werder Bremen ist unter Trainer Florian Kohfeldt nach ruhenden Bällen wieder gefährlich - ohne im Moment die Standardsituationen speziell dafür zu trainieren.

Es sind zwei Namen, die längst nicht jedem Werder-Fan geläufig sein dürften: Mario Baric und Pascal Schichtel. Beide agieren abseits des großen Rampenlichts, sind mit ihrer Arbeit aber maßgeblich daran beteiligt, dass Werder Bremen zuletzt eine alte Stärke wiedergefunden hat. „Sie sind ganz stark mit eingebunden“, sagt Trainer Florian Kohfeldt über die beiden Videoanalysten, die ihm unter anderem dabei helfen,

erfolgversprechende Standardsituationen zu entwickeln. Es ist akribische Arbeit, zum Teil sehr kleinteilig und langwierig – für Werder zahlt sie sich allerdings aus. In den acht Spielen unter Kohfeldts Leitung hat das Team fünf Tore nach ruhenden Bällen erzielt. In den zehn Spielen zuvor war es lediglich ein Treffer gewesen. Warum Kohfeldt das aktuelle Bremer Standard-Repertoire trotzdem nur als „sehr gute Basis“ sieht und weshalb Werder derzeit so gut wie gar keine Standards trainiert, hat er vor dem schweren Auswärtsspiel bei Bayern München (Sonntag, 15.30 Uhr) erklärt.

Kohfeldt: Standards „immer ein Schwerpunkt unserer Arbeit“

Gegen 1899 Hoffenheim hat es mal wieder geklappt. Ecke Zlatko Junuzovic, Kopfball Jerome Gondorf, dann zugegeben auch etwas Glück und Tor von Theodor Gebre Selassie – 1:1. Am Ende war der Treffer für Werder einen Punkt wert. Nun ist es eine der ältesten Weisheiten des Fußballs, dass ruhende Bälle hilfreich sein können, gerade wenn es spielerisch mal nicht so läuft. Vom „probaten Mittel“ ist dann gerne die Rede. „Standards haben auch für jede Spitzenmannschaft eine große Bedeutung“, sagt Kohfeldt, „es sind Situation, die du grundsätzlich sehr gut trainieren kannst.“

Warum, das so ist, liegt auf der Hand. Vor einem Freistoß oder Eckball ruht das Spiel, ehe die ausführende Mannschaft bestimmt, wie es weitergeht. Kommt der Ball hoch oder flach? Wie bewegt sich welcher Spieler? Wer besetzt welchen Raum? All das kann vorher einstudiert und dann bestenfalls auf dem Platz abgerufen werden. „Standards sind Situation, bei denen du ein Stück weit in der ersten Ausführung unabhängig vom Gegner bist“, weiß Kohfeldt, „deswegen wird es immer ein Schwerpunkt in unserer Arbeit sein.“ Momentan allerdings eher ein theoretischer als ein praktischer. Standards stehen derzeit kaum auf dem Bremer Trainingsplan, weil es das Wetter nicht zulässt.

Mario Baric ist Videoanalyst bei Werder Bremen - und derzeit beim Training von Standards besonders wichtig.

„Das große Problem ist, dass ich bei drei Grad nicht wirklich ein Standard-Training machen kann. Dann stehen die Jungs nur, und das geht nicht“, erklärt Kohfeldt, der deswegen zuletzt im Trainingslager in Spanien ruhende Bälle trainieren ließ. Die verschiedenen Varianten wurden von Baric und Schichtel per Videokamera festgehalten, und die Bremer Profis studieren sie nun am Bildschirm, ehe ab März laut Kohfeldt auch am Osterdeich wieder vermehrt Standards aufgefrischt werden. Momentan arbeitet Werder mit dem Repertoire, das da ist.

„Vor der Saison baust du dir einen gewissen Pool an Varianten auf, die du dann gegnerorientiert anwenden kannst“, sagte Kohfeldt, der in diesem Punkt noch von der Arbeit seines Vorgängers Alexander Nouri und von dessen Trainerteam profitiert. Für die Zukunft verspricht Kohfeldt noch mehr Gefahr nach ruhenden Bällen: „Wir haben auch Varianten, bei denen wir dreimal spielen und frei vor dem Tor stehen, aber die würde ich gerne noch etwas mehr trainieren.“

Kein spezieller „Standard-Beauftragter“ im Trainer-Team

Unter Nouri war Co-Trainer Florian Bruns hauptverantwortlich für das Erarbeiten von möglichst kreativen und überraschenden Varianten. In der vergangenen Saison hatte Werder damit Erfolg. Ob es nun direkt mit Bruns’ Entlassung vor der laufenden Serie zusammenhängt, ist schwer zu sagen – jedenfalls war die Bremer Gefahr nach Ecken und Freistößen, bis Kohfeldt kam, weitestgehend verschwunden. Aktuell gibt es an der Weser übrigens keinen speziellen „Standard-Beauftragten“ mehr.

„Das machen wir grundsätzlich im Team“, sagt Kohfeldt, der seine Co-Trainer Tim Borowski und Thomas Horsch ebenso wie die Analysten Baric und Schichtel in die Arbeit mit einbezieht. „In der Matchplan-Besprechung gibt es eine Diskussion darüber und wir entscheiden das.“ Bisher lagen Kohfeldt und Co. damit oft richtig.

Quelle: DeichStube

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