Gebre Selassie trifft, Pavlenka rettet

1:1 gegen Hoffenheim – Kohfeldt ist es zu wenig

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Werder-Trainer Florian Kohfeldt reichte ein Punkt gegen 1899 Hoffenheim nicht, um zufrieden zu sein.

Bremen - Die Sache ist die: Bei Werder Bremen fußt die Rechnung zur Rettung vor allem auf dem Faktor Heimsiege.

Weil ein solcher am Samstag gegen 1899 Hoffenheim jedoch ausgeblieben ist und es im ersten Spiel des Jahres nur zu einem 1:1 (0:1) gereicht hat, gab es für Florian Kohfeldt keinen Grund, mit Zufriedenheit in den Feierabend zu gehen. „Nein“, sagte der Trainer des abstiegsgefährdeten Bundesligisten mit Nachdruck, „mit dem Ergebnis bin ich überhaupt nicht zufrieden.“ Weil ein Punkt daheim – auch wenn der Gegner der spielstarke Tabellensiebte war – eben zu wenig ist in der speziellen Bremer Situation.

„Wir hatten uns mehr vorgenommen“, meinte Kohfeldt, der aber auch einsah, dass es irgendwie in Ordnung ging, dass am Samstag beide Teams nach Toren des Hoffenheimers Benjamin Hübner (39.) und des Bremers Theodor Gebre Selassie (63.) einen Zähler auf ihr Konto bekamen: „Das 1:1 ist okay. Aber ich kann damit nicht so gut leben, weil wir 16. sind.“ Was Werder auch blieb.

Hoffenheim gab in Hälfte eins den Ton an

Weil sich die Bremer in der Tabelle nicht nach vorne bewegten, lässt sich die Partie auch schwerlich als die im Vorfeld erhoffte Initialzündung für die Rückrunde verkaufen. In Halbzeit eins sah es sogar lange so aus, als sollten die 37.500 Zuschauer im Weserstadion Zeugen eines Werder-Fehlstarts werden. Kohfeldts Team hatte große Probleme, das Spiel zu kontrollieren. Hoffenheim gab den Ton an, Hoffenheim diktierte das Geschehen.

„Wir haben einfach die entscheidenden Zweikämpfe nicht gewonnen“, monierte Kapitän Zlatko Junuzovic. „Das Spiel mit Ball war unser Problem“, analysierte wiederum Kohfeldt. Wie auch immer – die Konsequenz war, dass Werder zur Pause 0:1 zurücklag. Hübner hatte per Kopf getroffen, nachdem die Bremer zunächst einen Eckball abgewehrt hatten, dann aber bei der Flanke des Ex-Bremers Serge Gnabry (der übrigens nur mit wenigen Pfiffen bedacht worden war) nicht auf dem Posten waren. Kohfeldt: „Da haben wir die Gegenspieler zu früh verlassen.“

Theodor Gebre Selassie lässt sich für sein Tor zum 1:1 gegen 1899 Hoffenheim feiern.

Die Führung der Gäste zur Pause ging völlig in Ordnung, und es stellte sich die Frage, wie die Bremer darauf reagieren würden. Gemessen daran, dass im Trainingslager in Spanien vor allem das Angriffsspiel geübt worden war, musste die erste Hälfte als Enttäuschung verbucht werden. Die Organisation mit Ishak Belfodil als Spitze, mit den Außen Floran Kainz (links) und Zlatko Junuzovic (rechts) sowie Max Kruse als „Freigeist“ (Zitat Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann) im offensiven Mittelfeld hatte nicht funktioniert. Einzige Ausnahmen: eine Kainz-Chance nach Belfodil-Querpass (19.) und ein Kopfball von Niklas Moisander (43.). Weil Hoffenheim aber auch kaum zu Abschlüssen kam, durfte Kohfeldt wenigstens die Abwehrarbeit loben: „Damit war ich einverstanden.“

Nach der Pause wurde vieles besser – und aus einem Spiel, das bis dahin wenig Begeisterung hervorgerufen hatte, wurde eine hochinteressante Partie. Nagelsmann sprach vom „offenen Visier beider Teams“, Kohfeldt fand es „rassig“. Weil Werder einfach mehr investierte. Die Maßnahme, Jerome Gondorf für Belfodil zu bringen und ins Mittelfeld zu stellen sowie Kruse weiter nach vorne zu beordern, erwies sich als goldrichtig. Werder hatte fortan den Fuß auf dem Gaspedal, der Ausgleich fiel dennoch nach einer Standardsituation. Ecke Kruse, Kopfballverlängerung Gondorf – und in der Mitte sprang der Ball vom Knie des überraschten Maximilian Eggestein zu Gebre Selassie, der aus kurzer Distanz vollendete (63.).

Kohfeldt zufrieden mit Leistung in zweiter Hälfte

Großer Jubel – dem aber sofort der große Schreck folgte. Plötzlich stand Andrej Kramaric frei vor dem Werder-Kasten, scheiterte aber an Jiri Pavlenka, dessen Parade in die Kategorie „Eigentlich-nicht-möglich“ gehörte. Wegen dieser Szene konnten die Bremer froh sein, dass sie überhaupt einen Punkt behielten. Anders herum: Bei einer Doppelchance in der 72. Minute hatten Gondorf und Moisander jeweils den Siegtreffer auf dem Fuß, jeweils rettete ein Hoffenheimer auf der Linie. „Aufgrund der Chancen“, fasste Gondorf hinterher zusammen, „hätten wir mehr verdient gehabt.“ Auch Junuzovic war ein Punkt „ein bisschen zu wenig. Unsere Leistung war insgesamt okay.“

Das sah – bei aller Unzufriedenhet über das Ergebnis – auch Kohfeldt so. Er lobte die „Art und Weise“, wie die Mannschaft in der zweiten Halbzeit aufgetreten war: „Mutig und risikobereit.“ So will er sein Team auch am Sonntag sehen. Dann muss Werder bei Spitzenreiter Bayern München antreten – kein Gegner, gegen den man den großen Sprung in der Tabelle erwarten sollte. Aber Coach Kohfeldt sieht es so: „Wir müssen auch nicht den Kopf in den Sand stecken und sagen: Da geht überhaupt nichts.“

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Der Spielbericht: Gekämpft, gezittert, gepunktet

Die Einzelkritik: Pavlenka rettet, Gondorf findet das Gaspedal

Die Stimmen: „Das Glas ist halb leer“

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Quelle: DeichStube

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