Leidenschaftlich erkämpfter Sieg

Analyse: Kohfeldts Defensive entscheidet das Duell der Taktikfüchse

+
Gewann das Duell der Taktikfüchse gegen seinen Kontrahenten Julian Nagelsmann: Werder-Trainer Florian Kohfeldt (rechts).

Sinsheim - Die Rollen waren klar verteilt im Duell der Taktikfüchse: Florian Kohfeldts Bremer konzentrierten sich auf die Defensive, Julian Nagelsmanns Hoffenheimer gestalteten die Partie. Warum die Bremer das wichtige Spiel um Europa am Ende gewannen, erläutert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Julian Nagelsmann und Florian Kohfeldt verbinden viele Parallelen. Sie sind beide im vergleichsweise jungen Alter Cheftrainer in der Bundesliga geworden, sie stehen für offensiven Fußball – und sie sind ausgewiesene Taktikfüchse. Das direkte Aufeinandertreffen zwischen ihren Clubs unterstrich, wie ähnlich sie denken.

Fünferkette auf beiden Seiten

Zwei Dumme, ein Gedanke: So könnte man die Startaufstellungen beider Trainer zusammenfassen. Sowohl Kohfeldt als auch Nagelsmann stellten einen gelernten defensiven Mittelfeldspieler in der Innenverteidigung auf. Bei Werder Bremen begann Nuri Sahin als zentraler Akteur einer Fünferkette. Bei Hoffenheim übernahm Florian Grillitsch diesen Part, seines Zeichens Ex-Bremer und ebenfalls gelernter Sechser.

Schon gelesen? Einzelkritik und Noten: Die Bremer Super-Abwehr

Der Grundgedanke mag derselbe gewesen sein, die Idee dahinter unterschied sich bei beiden Trainern. Kohfeldt wollte mit dem zusätzlichen Verteidiger seine Mannschaft defensiv stabilisieren. So ließ sich Sahin nur bei gegnerischem Ballbesitz fallen. Gegen Hoffenheims Drei-Mann-Sturm sollte er eine zusätzliche Absicherung bieten im Zentrum.

Bei Hoffenheim wiederum nahm Grillitsch die Rolle im Abwehrzentrum vor allem bei eigenem Ballbesitz ein. Jeder Angriff lief über den Österreicher. Auch diese Idee hatte taktische Hintergründe: Gegen Bremens Zwei-Mann-Sturm war Grillitsch der freie Mann, der aus dem Hintergrund schalten und walten konnte.

Die Grafik zeigt Werders Plan im Pressing. Die Doppelsechs nahm Hoffenheims Doppelsechs aus dem Spiel, auf den Außen pressten die Stürmer und die Außenverteidiger.

Schon gelesen? Jojo Eggestein: Guter Riecher, böser Arm

Teams neutralisieren sich

Die unterschiedlichen Herangehensweisen stehen sinnbildlich für die Dynamik der Partie: Werder konzentrierte sich zunächst hauptsächlich auf die Defensive, während Hoffenheim das Spiel machte. Bis zur Pause hatten die Kraichgauer 68 Prozent Ballbesitz.

Chancen konnten sie sich dennoch kaum erspielen. Sie kamen nicht vorbei am engen Mittelfeld der Bremer. Diese spielten im Zentrum untypisch eng. Maximilian Eggestein und Kevin Möhwald ließen sich fast nie aus dem Zentrum locken. Stattdessen liefen die Bremer Stürmer die gegnerischen Verteidiger nach außen an; das ist eher untypisch für Bremen, wo sonst die Mittelfeldspieler diese Aufgabe übernahmen. Die Logik hinter der Änderung: Hoffenheims Spielgestalter Kerem Demirbay und Nadien Amiri sollten im Zentrum keine freien Räume vorfinden. Dieser Plan ging auf.

Erst nach einer halben Stunde ging Werder zu einem aggressiven Pressing über. Auch jetzt hielten die Mittelfeldspieler ihre Position im Zentrum. Es waren die Bremer Außenverteidiger, die nun offensiver agierten. Sie setzten Hoffenheims Außenspieler unter Druck. In der Tat: Bremen gewann nun mehr Bälle und konnte schneller kontern.Der Führungstreffer zum 1:0 (39.) war der verdiente Lohn, ein weiterer Treffer wurde (zurecht) nach Prüfung durch den Videoassistenten aberkannt.

Hoffenheim wird offensiver

In der zweiten Halbzeit waren die Rollen noch klarer verteilt: Hoffenheim musste ein Tor schießen, Bremen konnte sich auf das eigene Konterspiel fokussieren. Etwas überraschend nahm Nagelsmann keine taktischen Umstellungen vor, sondern behielt sein 3-4-3-System weitestgehend bei.

Nach und nach jedoch wechselte Nagelsmann offensivere Spielertypen ein, die gesamte Hoffenheimer Mannschaft rückte weiter vor. So mutierten die Außenverteidiger in den Schlussminuten zu Außenstürmern, Hoffenheim griff in einer 3-2-5-Formation an.

Kohfeldt reagierte auf den gegnerischen Sturmlauf erst spät. Waren seine Spielerwechsel zunächst positionsbezogen, rückte später Johannes Eggestein zurück ins Mittelfeld. Aus dem zuvor praktizierten 5-2-1-2 wurde ein klares 5-3-2. Bremen stand im Zentrum noch kompakter. Hatte Hoffenheim zuvor noch gute Chancen, waren es nun die Bremer, die selbst vermehrt zu Kontern kamen. Zum Schluss wechselte Kohfeldt mit Sebastian Langkamp einen weiteren Verteidiger ein. Bremen hielt dem Sturmlauf der Hoffenheimer stand – und muss sich selber vorwerfen lassen, die eigenen Konter nicht gut genug ausgespielt zu haben.

Fotostrecke: Eggestein köpft Werder zum Sieg

Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © dpa
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © dpa
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © imago images / Jan Huebner
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © imago images / Werner Schmitt
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © imago images / Avanti
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © imago images / Jan Huebner
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © dpa
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © dpa
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen auswärts gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia

Schon gelesen? Pfiffe für Füllkrug und ein böser Verdacht

Fazit

Es war ein eher untypischer Auftritt der Bremer Elf. Hatten sie in dieser Saison zumeist mehr Ballbesitz als der Gegner, fokussierten sie sich gegen Hoffenheim gänzlich auf das Konterspiel. Nur 35 Prozent Ballbesitz markieren den drittniedrigsten Bremer Wert der Saison, nur im Hinspiel gegen den BVB (29 Prozent) und im Rückspiel gegen die Bayern (31 Prozent) hatten sie weniger Spielanteile.

Doch die ungewohnte Strategie bescherte Bremen drei wichtige Punkte im Kampf um Europa. Im Duell der Taktiker behielt Kohfeldt die Nase vorne – mit einer guten Strategie in der ersten Halbzeit und der nötigen Portion Glück in der zweiten.

Quelle: DeichStube

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Demos sollen UN-Klimaschützer beflügeln

Demos sollen UN-Klimaschützer beflügeln

„La Strada“ in Bremen - Straßenkunst am Sonntag

„La Strada“ in Bremen - Straßenkunst am Sonntag

Kinder- und Jugendturnfest in Syke

Kinder- und Jugendturnfest in Syke

Empörung über AKK nach Tweet zu CDU-Sieg in Görlitz

Empörung über AKK nach Tweet zu CDU-Sieg in Görlitz

Meistgelesene Artikel

Delmenhorst will ins Weserstadion, darf aber wohl nicht

Delmenhorst will ins Weserstadion, darf aber wohl nicht

HSV-Ärger: Werders Arnd Zeigler unterstützt Lotto King Karl

HSV-Ärger: Werders Arnd Zeigler unterstützt Lotto King Karl

Zwei Bremer in den „kicker“-Ranglisten

Zwei Bremer in den „kicker“-Ranglisten

Werder-Kandidat Alvaro Tejero verpasst Aufstieg - Kommt jetzt Bewegung in den Transfer?

Werder-Kandidat Alvaro Tejero verpasst Aufstieg - Kommt jetzt Bewegung in den Transfer?

Kommentare