Salif Sane adelt den Bruder

Lamine war immer mein Vorbild

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Salif (li.) und Lamine Sane.

Bremen/Hannover - Sane gegen Sane, Lamine gegen Salif – wenn am Sonntag Werder Bremen und Hannover 96 im Weserstadion aufeinandertreffen, könnte die Partie auch zu einem Brüderduell werden.

Garantiert ist es allerdings nicht. Zwar hat Salif (27) in der Innenverteidigung von Hannover 96 seinen Platz sicher, Lamine (30) ist bei Werder dagegen zum Wackelkandidaten geworden. Coach Florian Kohfeldt hat ihn bereits einmal auf der Bank gelassen, wäre das am Sonntag wieder so, wäre es eine Riesenenttäuschung für die beiden Senegalesen. Denn sie wollen sich unbedingt auf dem Platz treffen – Bruder gegen Bruder, Auge in Auge. Die DeichStube hat beiden die gleichen Fragen gestellt – die Antworten gibt es im Doppelinterview.

Zwei Brüder, zwei Innenverteidiger – wie ist es dazu gekommen? Wollte von Ihnen keiner Stürmer werden?

Lamine Sane: Ich war eigentlich schon immer Verteidiger. In der Jugend, als ich noch nicht so groß gewachsen war, habe ich erst rechts außen gespielt, später bin ich dann von rechts in die Mitte gewechselt. Mein Bruder hat früher im Mittelfeld auf der Zehn gespielt, und mit den Jahren ist er über verschiedene Positionen immer weiter nach hinten gerückt.

Salif Sane: Stimmt! Am Ende war und ist es aber doch immer so: Wenn der Trainer mir sagt, ich spiele Rechtsaußen, dann spiele ich Rechtsaußen, und wenn ich Innenverteidiger spielen soll, dann spiele ich Innenverteidiger.

Wer hat wem das Fußballspielen beigebracht?

Lamine: Die Frage ist leicht zu beantworten. Ich habe ihm natürlich das Fußballspielen beigebracht. Ich bin schließlich der Ältere (lacht). Hinter unserem Haus hatten wir ein kleines Fußballfeld, auf dem ich immer mit meinen Freunden gespielt habe.

Salif: Genau. Irgendwann habe ich gesagt, dass ich mitspielen möchte.

Lamine: Und da habe ich ihn dann mitgenommen. Er war natürlich immer der Kleinste und Jüngste, konnte sich Tipps holen und von den Älteren lernen. Heute ist er der bessere Techniker, ich bin dafür schneller. Wir haben beide unterschiedliche Qualitäten.

Salif: Lamine hat auch mehr Erfahrung und mehr Spiele gemacht. Und er ist eindeutig der härtere Verteidiger. Man kann vielleicht sagen, dass ich die bessere Konzentration habe.

Wie ist das Gefühl, sich eventuell auf der großen Bundesliga-Bühne gegenüberzustehen?

Lamine: Es wäre natürlich ein besonderes Gefühl, gegen den eigenen Bruder in der Bundesliga zu spielen. Ich freue mich auf das Spiel. Wir haben in Frankreich schon zwei Mal gegeneinander gespielt. Ich war bei Bordeaux, er bei Nancy. In Nancy haben wir unentschieden gespielt, in Bordeaux haben wir gewonnen. Für mich war es bisher also das erfolgreichere Brüderduell.

Salif: Das waren besondere Aufeinandertreffen. Für mich ist das jetzt ein ganz großes Spiel. Mein Bruder war mein Idol, als ich noch klein war. Das wird wirklich etwas sehr, sehr Besonderes am Sonntag!

Salif vor Lamine, 96 vor Werder – wie fühlt sich das an?

Salif: Lamine und ich vergessen nicht, dass es ein Pflichtspiel ist. Wir brauchen jeden Punkt und werden natürlich alles dafür geben, um möglichst zu gewinnen. Und Werder darf dann gern im Spiel darauf drei Punkte holen. (lacht)

Lamine: Ich freue mich für meinen Bruder, dass es für ihn und seine Mannschaft so gut läuft. Sie haben sich das verdient. Dasselbe würde ich mir für uns auch wünschen. Wir wollen uns endlich auch belohnen und unseren ersten Sieg holen – für uns, den Verein und unsere großartigen Fans.

Wie oft sprechen Sie über die Situationen in den Clubs, wie oft tauschen Sie sich aus?

Salif: Lamine ist für mich wie mein bester Freund. Wir reden und kommunizieren täglich miteinander, aber dabei geht es nur ganz selten um den Fußball – eher um unsere Familie und Freunde. Klar, als wir den Wiederaufstieg perfekt gemacht haben, stand fest, dass es zu den Spielen gegeneinander kommen würde, und unsere Familie in Frankreich hat direkt gesagt, dass sie dann kommen will. Alle fragen sich, wer gewinnt.

Lamine: Wir sind eigentlich immer im Kontakt und tauschen uns auch nach jedem Spiel aus. Wir beide haben den Drang, immer gewinnen zu wollen. Deswegen ist die aktuelle Situation für mich auch etwas schwieriger als für ihn.

Sie sind beide in Bordeaux aufgewachsen, spielen in Bremen und Hannover? Wo soll nach der Karriere Ihr Lebensmittelpunkt sein?

Lamine: In Bordeaux! Ich habe dort ein Haus, das wartet schon auf mich. Mein Lebensmittelpunkt wird dann irgendwo zwischen Bordeaux und Marrakesch liegen. Salif ist da etwas mehr in Deutschland verankert. Ich kann mir vorstellen, dass er später einmal in Deutschland oder sogar in Hannover bleiben wird. Abhängig werden wir es aber nicht von dem anderen machen. Wir haben auch so viel Kontakt und können uns immer irgendwo treffen und besuchen.

Salif: Bordeaux ist natürlich Heimat – ich bin dort aufgewachsen, habe 22 Jahre dort gelebt und viele sehr gute Freunde sind noch immer dort. Aber ich liebe auch Hannover. Es ist natürlich nicht das Gleiche, aber man kann sagen, dass mein Herz für beide Städte schlägt.

Sind Sane und Sane auch nochmal in einem Team vorstellbar?

Lamine: Wenn es einen Verein gibt, der uns beide gerne zusammen spielen sehen möchte, ist das gut vorstellbar. Wir haben zuletzt in Bordeaux für sechs Monate zusammengespielt, bevor Salif zu Nancy gewechselt ist.

Salif: Aber das waren leider nur ein paar Spiele. Und wer weiß – vielleicht spielen wir ja wirklich irgendwann noch einmal zusammen. Man weiß nie, wie es sich ergibt.

Salif ist aktueller Nationalspieler des Senegal, Lamine ehemaliger – was bedeutet Ihnen das Land?

Lamine: Das Land ist ein Teil von uns, wir beide haben eine enge Verbindung zum Senegal. Im Verein gebe ich jeden Tag hundert Prozent doch für das Land zu spielen, ist dann doch noch einmal ein anderes Gefühl. Das hat einen ganz besonderes Flair.

Salif: Das Gefühl jetzt bei der WM-Quali war natürlich unglaublich! Diese Atmosphäre beim Spiel im Senegal – da fehlen mir die Worte! Und generell: Wenn wir Urlaub haben, sind wir ganz oft im Senegal, weil wir da noch immer viel Familie haben. Dakar ist dort unsere Lieblingsstadt. Die Familie zu treffen und vom Fußball abzuschalten, das ist immer super.

Hoffen Sie noch, gemeinsam im WM-Kader stehen zu können?

Salif: Das hoffe ich natürlich sehr.

Lamine: Das ist grundsätzlich möglich. Die Tür bei der Nationalmannschaft ist für mich nicht zu. Wenn der Trainer mich anruft, bin ich da.

Brüder prügeln sich im Kindesalter – Sie sich auch?

Lamine: Nein, nie. Streit haben wir immer verbal gelöst.

Salif: Aber wenn andere kamen, haben wir uns natürlich immer füreinander eingesetzt.

Lamine Sane: Seine Karriere in Bildern

Quelle: DeichStube

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