Uli Borowka: Ein Foto und seine Geschichte

Im Zeichen der Axt

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27. Oktober 1993: Uli Borowka (li.) steht beim DFB-Pokalspiel Werder gegen HSV über dem Hamburger Karsten Bäron.

Bremen. Es ist inzwischen fast 25 Jahre her, Uli Borowka erinnert sich aber noch heute an jedes Wort.

Er weiß genau, was er damals, am 27. Oktober 1993 im Bremer Nieselregen zu Karsten Bäron gesagt hat. Ein Satz, wie eingebrannt ins Gedächtnis, sofort abrufbar – vermutlich, weil Bäron nicht der einzige Gegenspieler war, der ihn von Borowka während dessen langer Karriere zu hören bekam. Sagen möchten ihn Borowka am Telefon zunächst aber nicht. Vor dem Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV will der 55-Jährige kein Öl ins Feuer gießen. „Ich weiß ja, wie die Fan-Szenen heutzutage reagieren“, erklärt Borowka. Die richtige Einordnung seines Satzes ist ihm deshalb wichtig. Nähern wir uns zunächst also über die Optik an.

Es ist ein Bild, das nicht unbedingt zu den berühmtesten der Werder-Historie zählt, aber dennoch hat es seinen festen Platz, taucht zweimal im Jahr wieder auf. Immer in den Tagen vor dem Nordderby, verlässlich, den sozialen Medien sei Dank. Zwei Männer: Der Bremer Borowka, vorgebeugt stehend, den Blick nach unten gerichtet, eine drohende Haltung einnehmend. Und der Hamburger Bäron, zwischen Borowkas Beinen auf dem Rücken liegend, das rechte Knie zum Schutz angezogen. 

Im DFB-Pokal-Achtelfinale sind die Gegenspieler wieder einmal aneinander geraten. Werder, der amtierende Meister, gewinnt nach 1:2-Rückstand am Ende mit 4:2 – während der 90 Minuten liefern sich Verteidiger Borowka und Stürmer Bäron einen harten Zweikampf nach dem anderen. Nach einem dieser Duelle entsteht nahe der Außenlinie das beschriebene Bild. Dass Borowka seinen rechten Zeigefinger direkt auf Bärons Gesicht richtet, unterstreicht die aggressive Wirkung der Aufnahme. „Man muss im Derby gewisse Zeichen setzen“, sagt der Ex-Profi, „aber nur auf dem Platz, nicht außerhalb davon“. Spätestens jetzt ist klar, dass er damals nichts Nettes zu Bäron gesagt hat.

Sie nannten ihn die „Axt“

Borowka interpretiert das Foto lieber sinnbildlich. „Für mich steht es dafür, dass wir schon damals immer über dem HSV standen“, sagt er und lacht scheppernd. „Sie haben uns zwar auch mal geschlagen, aber wenn es drauf ankam, waren wir da.“ 27 Nordderbys hat der Mann, den sie die „Axt“ nannten, in seiner Laufbahn bestritten, alle für Werder, alle mit vollem Einsatz. Spielertypen wie er sind für solche Duelle gemacht. Mit einer einzigen Grätsche das Stadion zum Kochen bringen – Borowka konnte mitreißen. Oder wie er es nennt: „Mir ging es darum zu zeigen, wer Herr im Hause ist.“ Hart war er dabei immer, fair meistens auch – nur sechs Gelbe Karten hat er in den Spielen gegen den HSV kassiert. Für den Zweikampf mit Bäron aus dem Oktober '93 gab es keine.

Uli Borowka gewann mit Werder 1991 und 1994 den DFB-Pokal.

Wenn sich Werder und der HSV am Samstag zum 108. Mal in der Bundesliga gegenüber stehen, wird Borowka im Weserstadion sein. „Ich freue mich sehr darauf, denn für mich ist klar, dass Werder das Spiel gewinnt“, betont er. Weniger gefreut hat er sich über die Aussage von Bernd Hoffmann, der vor seiner Wahl zum HSV-Präsidenten kürzlich sagte, dass er mit den Hamburger Fans in Bremen „aufmischen“ wolle. „Er hat das Derby durch fragwürdige Aussagen angeheizt. Man kann es sogar als Anstiftung zum Landfriedensbruch interpretieren“, ärgert sich Borowka, der auch deshalb mit seinem fast 25 Jahre alten Satz an die Adresse von Karsten Bäron so vorsichtig ist. Erst nachdem er nochmals unterstrichen hat, dass alle Rivalität am Samstag doch bitte nur auf dem Platz auszuleben sei, lässt er ihn raus: „Ich habe gesagt, bleib’ lieber liegen, denn wenn du aufstehst, tut es gleich nochmal weh.“ Eine Kampfansage, ja, sicher auch eine Drohung, gültig aber nur auf dem Fußballplatz, nach 90 Minuten nicht mehr. Nach dem Spiel war zwischen den beiden Männern alles wieder in Ordnung.

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Quelle: DeichStube

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