Vor dem 1. Zweitliga-Nordderby

Kung-Fu-Wiese, Maleika-Tod und Werder Bremens Zweitliga-Youngster: Das Nordderby von A bis Z - Teil 1

Egal, ob Tim Wieses Kung-Fu-Tritt gegen Ivica Olic, der tragische Tod von Adrian Maleika oder die neuen jungen Teams von Werder Bremen und dem HSV - das Nordderby liefert seit jeher jede Menge Gesprächsstoff.
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Egal, ob Tim Wieses Kung-Fu-Tritt gegen Ivica Olic, der tragische Tod von Adrian Maleika oder die neuen jungen Teams von Werder Bremen und dem HSV - das Nordderby liefert seit jeher jede Menge Gesprächsstoff.

Das 137. Nordderby der Geschichte zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV ist das erste Duell überhaupt in der 2. Liga. Und auch wenn das Spiel am kommenden Samstag (20.30 Uhr) im Wohninvest Weserstadion nicht mehr erstklassig sein wird, so zieht es doch ganz Fußball-Deutschland in seinen Bann. Denn: Das Aufeinandertreffen der Erzrivalen verspricht auch dieses Mal Brisanz, aufschäumende Emotionen und kuriose Geschichten. Im „Nordderby-A-bis-Z“ hat die DeichStube sowohl die Historie des prestigeträchtigen Duells als auch die Gegenwart in Augenschein genommen. 

A wie Adrian Maleika: Am 16. Oktober 1982 spielt der SV Werder im DFB-Pokal beim Hamburger SV. Bremer Anhänger geraten in unmittelbarer Nähe des Volksparkstadions in einen Hinterhalt. HSV-Hooligans überfallen die Fangruppe, es fliegen Steine. Der erst 16 Jahre alte Werder-Fan Adrian Maleika wird getroffen und erleidet einen Schädelbasisbruch. Einen Tag später stirbt er an seinen Verletzungen. Zur Beerdigung in Bremen kommen 600 Menschen, unter ihnen die Werder-Mannschaft, Manager Willi Lemke und Günter Netzer vom HSV.

B wie Bilanz: Insgesamt 108 Mal standen sich Werder Bremen und der HSV bislang in der 1. Fußball-Bundesliga gegenüber. Nur die Partie Werder gegen den FC Bayern gab es häufiger (110 Mal). Im Nordderby behielten die Grün-Weißen 39 Mal die Überhand, 34 Mal gewann der HSV - bei einem Torverhältnis von 157:158 aus Bremer Sicht. Auch im DFB-Pokal ist die Bremer Bilanz positiv: fünf Siegen stehen nur zwei Niederlagen gegenüber. Das vorerst letzte Nordderby am 24. Februar 2018 gewann Werder nach einem Eigentor von HSV-Verteidiger Rick van Drongelen mit 1:0. Die Hamburger blieben in den letzten vier Derbys in Serie sieglos.

C wie Clemens Fritz: 331 Bundesliga-Spiele hat Clemens Fritz in seiner Laufbahn absolviert, nur zweimal flog er mit Gelb-Rot vom Platz. Und, sie ahnen es, das war beide Male im Derby gegen den HSV. Fritz ist zudem der Bremer „Gelbkönig“ in der Derby-Statistik. Sechsmal wird Fritz in Duellen mit dem HSV verwarnt – kein Bremer liegt so oft im Clinch mit Hamburgern und dem Schiedsrichter wie er.

Werder Bremen gegen den Hamburger SV - das Nordderby von A bis Z

D wie Ditmar Jakobs: Am 20. September 1989 wird der Fußball beim Nordderby zur Nebensache. Nach einer Klärungsaktion rutscht Ditmar Jakobs in das Tornetz. Dort bohrt sich ein Karabinerhaken in den Rücken des HSV-Verteidigers. Quälende 20 Minuten dauert es, bis der 36-jährige Routinier endlich befreit werden kann. Tragisch: Sein 493. Bundesligaspiel ist gleichzeitig sein letztes. Aufgrund der erlittenen Rückenverletzung muss Jakobs seine Karriere beenden. Über den 4:0-Erfolg des HSV an diesem Abend spricht kaum jemand.

E wie Ende einer Serie: Nach 36 Bundesliga-Spielen und mehr als einem Kalenderjahr ohne Niederlage erwischt es den HSV am 23. Januar 1983 ausgerechnet im Bremer Weserstadion. Die Torschützen Rudi Völler, Benno Möhlmann und Frank Neubarth versetzen die Werder-Fans beim 3:2-Sieg in Ekstase.

F wie Friedensgipfel: Bis heute ist unklar, wer am 16. Oktober 1982 den Stein auf den verstorbenen Werder-Fan Adrian Maleika geworfen hat. Doch zwei Angeklagten wurde die Teilnahme an dem Überfall nachgewiesen. Einer musste für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis, der andere kam mit einer Bewährungsstrafe von zwölf Monaten davon. Damit die Fan-Rivalität nicht weiter eskalierte, trafen sich Werder- und HSV-Fans im Januar 1983 zum „Friedensgipfel von Scheeßel“, bei dem auch Vertreter beider Vereine anwesend waren. Beide Parteien verkündeten im Anschluss ein „Stillhalteabkommen“ und erklärten einen Verzicht auf Rache.

G wie Gala: Im Jahr 1993 liefert sich Werder mit Bayern München ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Deutsche Meisterschaft. Am vorletzten Spieltag gastiert der HSV im Weserstadion und wird von den Bremern überrannt. Dank der 5:0-Gala zieht Werder an den Bayern vorbei. Eine Woche später sichert sich die Rehhagel-Elf mit einem 3:0-Erfolg in Stuttgart den dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Werder Bremen gegen den Hamburger SV: Eisenfuß Horst-Dieter Höttges Bremer Nordderby-Rekordspieler

H wie Horst-Dieter Höttges: 420 Mal lief er zwischen 1964 und 1978 für Werder auf – dabei hieß der Gegner 28 Mal Hamburger SV. Kein anderer Bremer bestritt mehr Nordderbys als „Eisenfuß“ Höttges. Knapp dahinter: Der scheidende Bremer Aufsichtsratschef Marco Bode mit 27 Derby-Einsätzen. Beim HSV kommt keiner an Manfred Kaltz heran. Der Erfinder der Bananenflanke kommt auf 31 Nordderby-Einsätze – allein in der Bundesliga.

I wie Ivan Klasnic: Der „Killer“ hat insgesamt 14 Nordderbys auf dem Buckel und eine richtig starke Statistik vorzuweisen: Acht Siege, vier Remis und nur zwei Niederlagen. Dazu kommen drei Treffer, einer beim höchsten Werder-Sieg jemals gegen den HSV – dem legendären 6:0 in der Meistersaison 2004. 2020 schockt der gebürtige Hamburger dann viele Bremer mit einer Ankündigung auf Instagram. Dort postet er ein Foto mit der Schlagzeile: „Ex-Bremer Klasnic Sportchef beim HSV!“ - darunter ein Foto von sich im Anzug. Klasnic dazu: „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe beim HSV!“ Wenige Stunden später folgt die Aufklärung – es handelt sich lediglich um einen April-Scherz.

I wie Investitionen: Erstmal hat Werder nach dem Abstieg verkauft. Ganz viel verkauft. Mehr als 35 Millionen Euro nahmen die Bremer auf dem Transfermarkt ein. Investiert wurde dann aber auch. Marvin Ducksch ist mit einer Ablöse von 3,2 Millionen Euro der Top-Einkauf des Sommers. Nicolai Rapp kam als 200 000-Euro-Schnäppchen von Union Berlin, Mitchell Weiser, Roger Assale und Lars Lukas Mai wurden ausgeliehen. Der HSV nahm 8,2 Millionen Euro ein – den Löwenanteil lieferte der Verkauf von Amadou Onana (für sieben Millionen zu OSC Lille). Mittelstürmer Robert Glatzel (kam für eine Million von Cardiff City) und Verteidiger Mario Vuskovic (für 1,2 Millionen Euro für zwei Jahre von Hajduk Split ausgeliehen) sind die teuersten Neuzugänge.

J wie Jugend: Die Jugend ist im Norden aktuell sehr gefragt: Der SV Werder Bremen stellt in der laufenden Zweitliga-Saison das jüngste Team, die von Coach Markus Anfang eingesetzten Spieler waren im Schnitt 24,94 Jahre alt. Der HSV liegt knapp dahinter auf Rang drei (25,1 Jahre).

Nordderby-Theater: Werder Bremen-Keeper Tim Wiese lässt den HSV vor Wut kochen

J wie Jubel: 1988 schüttelt Werder nach drei zweiten Plätzen in fünf Jahren den Makel des “ewigen Zweiten“ ab und holt sich souverän den Meistertitel. Im letzten Heimspiel am vorletzten Spieltag geht es im Derby gegen Hamburg. Die 1:4-Heimniederlage interessiert an der Weser hinterher niemanden. Schließlich gibt es an diesem Tag es die Schale und eine krachende Feier mit den eigenen Fans.

K wie Kung-Fu-Tritt: Ohne Frage: Dieser „Klärungsversuch” hätte böse enden können. Am Abend des 7. Mai 2008 in Hamburg kann HSV-Stürmer Ivica Olic froh sein, dass er seinen Kopf auf den Schultern behält. Nach einem Zweikampf mit dem Bremer Naldo läuft der Kroate auf das Bremer Tor zu, aus dem Torhüter Tim Wiese kurz vor der Pause herausgesprintet kommt und seinem Gegenspieler dann mit gestrecktem Bein gegen die Schulter springt. Wiese sieht für das grobe Foul nur die Gelbe Karte, Olic kann die Partie glücklicherweise ohne größeren Schaden zu Ende spielen. Werder gewinnt schlussendlich mit 1:0 durch das Tor von Hugo Almeida (50.) und zieht am Saisonende in die Champions League ein. Die Hamburger schäumen vor Wut.

L wie Last: Bei Werder-Profi Aaron Hunt gingen die Fan-Meinungen oft auseinander. Die einen fanden ihn genial, die anderen hielten ihm vor, zu weich für die Bundesliga zu sein. Hunt war oft verletzt, tauche in wichtigen Spielen zu häufig ab und übernehme zu selten Verantwortung - so der Vorwurf. Aber dann kommt das Nordderby am 1. September 2012 im Weserstadion. In der 42. Minute gibt es einen Elfmeter für Werder. Hunt schnappt sich den Ball, ein gewaltiger Druck lastet auf seinen Schultern – und Hunt hält ihm nicht stand, scheitert an Rene Adler im HSV-Kasten. Zu Beginn der zweiten Halbzeit bekommt Werder plötzlich noch einen Elfmeter zugesprochen. Und Hunt traut sich tatsächlich ein zweites Mal ran! Der 25-Jährige tritt an und trifft zum wichtigen 1:0 für Werder. Am Ende gewinnen die Bremer 2:0. Den zweiten Treffer durch Nils Petersen legt Hunt auf. 

M wie Marktwerte:

In diesem Punkt schlägt Werder den HSV ganz klar. Das Portal „transfermarkt.de“ beziffert den Marktwert des aktuellen Bremer Kaders auf 53,85 Millionen Euro – das ist mit Abstand Platz eins in der 2. Liga. Der HSV folgt auf Rang zwei mit 39,08 Millionen Euro, Dritter ist Schalke 04 mit 31,68 Millionen Euro. Werder stellt in Marco Friedl auch den derzeit wertvollsten Zweitliga-Profi. Sein Marktwert: 7,5 Millionen Euro.

Teil 2 mit den Buchstaben N bis Z folgt in Kürze. Lest auch: Heyer on fire - auf diesen HSV-Profi sollte Werder Bremen besonders achten!

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