Klemm-Brett vor Werder-Spiel gegen die Fohlen

Notizen vor Gladbach: Starke Pizarro-Bilanz und der gefährliche Weltmeister-Sohn

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Wissenswertes vor dem Auswärtsspiel von Werder Bremen bei Borussia Mönchengladbach: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Expertise rund um Werder Bremen, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 11. Spieltag geht es um Borussia Mönchengladbach.

Auswärtsspiele in Mönchengladbach - das ist für Werder Bremen ohnehin schon immer eine schwere Aufgabe gewesen, eine, die dieses Mal sogar noch etwas schwerer werden dürfte: Schließlich empfängt die Mannschaft von Trainer Marco Rose die Bremer am Sonntag (13.30 Uhr, DeichStuben-Liveticker) als Tabellenführer. Werders Ziel ist trotzdem klar: Die Serie von fünf Unentschieden am Stück soll mit einem Sieg enden.

Spruch

„Im Fußball baut man Dir schnell ein Denkmal, doch genauso schnell pinkelt man es an.“

Hans Meyer, legendärer Trainer, aktuell Vizepräsident von Mönchengladbach

Bilanz

Ausgeglichen ist die Bilanz zwischen Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga. In Zahlen: Exakt 100 Spiele in der höchsten Liga, je 38 Siege auf beiden Seiten bei 24 Unentschieden. Ein kleines Plus für die Westdeutschen in der Tordifferenz: 169:153. Deutlicher wird es, was die Heimbilanz aus Gladbacher Sicht betrifft: 29 Erfolge – bei nur elf Niederlagen und zehn Remis. Auch in der Gesamtbilanz, also wettbewerbsübergreifend hat die Borussia die Nase vorn: 42 Siege gegen 40 Niederlagen und 24 Unentschieden.

Letzte Spiele

Zuletzt agierte Werder in Mönchengladbach halbwegs erfolgreich. In den letzten Partien entführte die Elf jeweils einen Punkt: 1:1 im April diesen Jahres, wobei Davy Klaassen erfolgreich war; 2:2 am 2. März 2018, als Thomas Delaney und Aron Johannsson die Treffer erzielten und Niklas Moisander ein Eigentor unterlief.

Torreich

Spektakulär ging es in einem Aufeinandertreffen in der Anfangsphase der Bundesliga zu: 6:5 gewann Bremen am 7. Juni 1969, nachdem es in der Halbzeit bereits 4:3 gestanden hatte. Für Werder war Bernd Rupp dreimal erfolgreich, Ole Björnmose zweimal, Pico Schütz einmal. Auf der Gegenseite trafen Herbert Laumen, Horst Köppel, Herbert Wimmer, Klaus Ackermann und Egon Milder. Einseitig verlief eine Partie im Jahre 1966: 7:0 für Werder am 31. Spieltag. Hugo Dausmann überragte mit vier Toren, Diethelm Ferner, Pico Schütz und Horst-Dieter Höttges trafen zudem.

Torschützen

Oft traf Claudio Pizarro gegen die Gladbacher: acht Tore bei 13 Einsätzen. Weiter auf der Liste: Rudi Völler (7) und Frank Neubarth (6). Bei der Borussia führt der legendäre Jupp Heynckes mit 15 Tore in 20 Spielen die Rangliste an.

Gegen Gladbach netzt er gerne: Claudio Pizarro trifft am 23. August 2009 zum 1:0. Der damalige Keeper Christofer Heimeroth kann dem Ball nur hinterherschauen.

Bester

Nico Elvedi steht gleich bei drei Kategorien in der vereinsinternen Bestenliste an der Spitze. In diesen Bereichen ist der Schweizer einfach spitze: 62,5 Prozent Zweikampfquote, 92,7 Prozent Passquote, 83 Ballkontakte in einem Spiel.

Darüber spricht man…

Max Eberl darf sich mal wieder auf die Schulter klopfen. „Wir verkaufen regelmäßig Qualität“, sagt der Manager der Borussia, „und wir holen dafür Potenzial.“ Ein berechtigtes Eigenlob, das auch Steffen Korell, den Chefscout am Niederrhein, mit einbezieht. Die Aktivitäten in diesem Sommer: Gladbach gab Thorgan Hazard ab, kassierte dafür von Borussia Dortmund einen Sockelbetrag von 25,5 Millionen Euro. Dafür holte sich die Borussia zweifachen Ersatz: Marcus Thuram (22), vom EA Guingamp gekommen für 9,5 Millionen Euro, sowie Breel Embolo (22), das zehn Millionen Euro teure Versprechen, das bei Schalke 04 nicht eingelöst werden konnte. Dazu kamen mit Stefan Lainer (zehn Millionen Ablöse für RB Salzburg) und Eramy Bensebaini (7,5 Mio. für Stade Rennes) zwei Verteidiger sowie mit dem ablösefrei aus Darmstadt geholten Max Grün ein Reservetorwart. Eberls Bilanz zu den Einkäufen: „Alle passen ganz gut zu uns.“

Lest hier das große Interview mit Max Eberl, über die Tabellenführung, Kohfeldt und Kohfeldt, vor dem Spiel gegen Werder Bremen.

Rekordzeit

Mit seinen Leistungen hatte er schon die Zuschauer verwöhnt, nun hat er mit einer beispiellosen Aktion erst recht die Herzen der Fans erobert. In Rekordzeit meldete sich Stefan Lainer zurück. Nur 13 Tage nach einem erlittenen Riss des Außenbands im Sprunggelenk stand der 27-Jährige wieder auf dem Platz. „Es zeigt seine vorbildliche Einstellung“, würdigte Trainer Marco Rose seinen Rechtsverteidiger, den er aus gemeinsamen Tagen bei RB Salzburg genau kennt. Nationalspieler Lainer gilt als Kämpfernatur und untermauert dies bisher bei seinem neuen Arbeitgeber. Im Winter auch beim SSC Neapel auf der Wunschliste, landete Lainer nun in Gladbach. Diesen Schritt, seinem Trainer in die Bundesliga zu folgen, hat er nicht bereut: „Es ist gibt keinen Grund zu klagen.“

Sprössling

Sein Vater trägt einen großen Namen. Lilian Thuram, der einst bei Juventus Turin und Parma brillierte, der sich zum Weltmeister und Europameister mit Frankreich krönte. Sein Sprössling eifert diesem Idol des Fußballs im Nachbarland nach: Marcus Thuram, der aus Guingamp geholte Neue in Gladbachs Offensive, hat sich bei der Borussia bewährt. Auf Anhieb hat es der Junioren-Nationalspieler geschafft, Stammspieler zu werden. Sein Motto: „Ich mag es zu kombinieren und anzugreifen.“ Daher steht für fest: „Gladbach ist genau der richtige Klub für mich.“ Und Marco Rose der richtige Coach, „weil er ein Trainer ist, der auf junge Spieler setzt.“

Verletzungssorgen

Namhafte Profis standen zuletzt auf der Verletztenliste: Matthias Ginter, der sich beim Spiel in Augsburg eine schwere Schulterverletzung zugezogen hatte. Das Gelenk ausgekugelt, Bänder und Kapsel gerissen. Zum Glück kam der Nationalspieler, der in Leverkusen sein Comeback feierte, um eine Operation herum.

Zurück aus dem Lazarett meldeten sich indes zwei Profis: Ibrahima Traore nach einer Blessur am Sprunggelenk und Tobias Strobl, der sich auf dem Weg der Genesung nach einer Operation am Knie befindet. Auch Tony Jantschke (Oberschenkelprobleme) und Christoph Kramer (grippaler Infekt) standen wieder zur Verfügung. Vermisst wurden indes zuletzt Alassane Plea, der Torjäger, und Edeljoker Raffael, die beide an muskulären Problemen laborierten.

Der Neue

Er war begehrt, möglicherweise der begehrteste Trainer der neuen Generation auf dem deutschen Markt: Marco Rose, 43 Jahre jung, ein gebürtiger Leipziger, der einst für den VfB aus seiner Heimatstadt, danach für Hannover 96 und Mainz 05 kickte. Als Trainer machte er sich in Österreich einen Namen. Mit RB Salzburg gewann er zweimal die Meisterschaft, landete zudem Achtungserfolge auf internationalem Sektor, erreichte beispielsweise das Erreichen des Halbfinals in der Europa League, nachdem RB unter anderem Dortmund ausgeschaltet hatte. Ein ganz spezieller Rekord: Er verlor kein kein Pflichtspiel in Salzburg.

Mehr noch als die Resultate ließ der Stil aufhorchen, mit dem der Deutsche aufwartete: mutiger Fußball, viel Ballbesitz, dabei extremes Gegenpressing, viele Torabschlüsse. Seine bevorzugte Grundordnung: ein 4-4-2 mit Raute. Dieser attraktive Fußball machte Rose, der einst kurzzeitig als Assistent von Thomas Tuchel in Mainz in die Lehre ging, für viele Vereine interessant. Gladbach erhielt schließlich den Zuschlag des eigentlich noch bis 2020 an Salzburg gebundenen Übungsleiters, der dank einer Klausel freikam. Manager Max Eberl machte sich für diese Personalie stark und freute sich auf den Nachfolger von Dieter Hecking: „Marco Rose hat in Salzburg hervorragende Arbeit geleistet.“ Rose selbst nennt Gladbach eine Herausforderung: „Ein toller Verein mit Ambitionen.“

Spitze

Gladbach ist Spitze, seit dem siebten Spieltag schon. Zum dritten Mal verteidigte die Rose-Elf den ersten Tabellenplatz in der Bundesliga, nachdem sie am letzten Samstag auch die Hürde bei Bayer Leverkusen genommen hat: 2:1-Erfolg nach Toren von Wendt und Thuram bei einem Gegentreffer von Volland. Drei Punkte vor Dortmund, gar vier Punkte vor Bayern München – Mönchengladbach ist die positive Überraschung dieser Spielzeit.

Der Club vom Niederrhein bestimmt derzeit wieder das Geschehen im Vorderfeld der Bundesliga und legt eine eindrucksvolle Serie hin, wie es zuletzt am Ausgang der glorreichen 70er-Jahre der Fall gewesen ist, eine Epoche, in der fünf Meistertitel gewonnen wurden. Gladbach ein Titelkandidat? „Ich glaube nicht, dass in der Kabine jetzt jemand anfängt, eine Meisterfeier zu planen“, sagt Matthias Ginter zu dem Höhenflug. „Die Saison ist noch lang.“

Europacup

Mönchengladbach gegen Wolfsberg. Endresultat: 0:4. International begann es mit einer Pleite, ja einer Blamage gegen den österreichischen Club. Hohn und Spott für die Schützlinge von Marco Rose, Zweifel auch am Coach, der aus Österreich an den Niederrhein gekommen ist. Es folgte eine doppelte Wiedergutmachung, jedenfalls teilweise. Zwei Remis in zwei Auswärtsspielen, wobei das 1:1 bei der Roma höher einzuschätzen ist als dasselbe Resultat beim türkischen Vertreter Basaksehir. Dafür gab es vor dem anstehenden Heimspiel gegen Werder für die Fohlen den ersten Sieg in der Europa League zu feiern. Gegen die AS Rom gewannen die Gladbacher durch ein Last-minute-Tor von Marcus Thuram mit 2:1.

Europa war in dieser Saison nicht drin für die Bremer, aber am 04. Februar trifft Werder im DFB-Pokal auf Borussia Dortmund - ausgerechnet am 121. Geburtstag der Grün-Weißen.

Quelle: DeichStube

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