32. Spieltag gegen Borussia Dortmund

Viel Dusel und ein glückliches Händchen: So drehte Werder die Partie - die Taktik-Analyse

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Kohfeldts glückliches Joker-Händchen wandelte die Partie gegen Dortmund.

Lange Zeit sieht Werder Bremen gegen Borussia Dortmund wie der sichere Verlierer aus. Gegen Dortmunds dominanten Fußball finden sie keine Lösungen. Doch dann zieht sich der BVB unerwartet weit zurück – und Werder nutzt die Fehler, die der Gegner anbietet. Wie Florian Kohfeldt mit seinen Wechseln zum 2:2-Ausgleich beitrug, erklärt unser Taktikanalyst Tobias Escher.

Es wäre ja nicht so, als hätte Werder Bremen Spiele in dieser Saison nicht schon häufig unnötig spannend gemacht. Es gab glorreiche Comebacks wie im Pokal-Achtelfinale gegen den BVB, aber auch Last-Minute-Enttäuschungen wie gegen den 1. FC Nürnberg. Beim 2:2 gegen Borussia Dortmund zeigte Werder eine neue Facette des Wahnsinns – eine, die neben viel Glück auch eine Portion Mut beinhaltete.

4-3-2-1 gegen den Ball

Florian Kohfeldts Aufstellung sah nominell nach der klassischen Raute aus. Max Kruse schien gesetzt als Zehner hinter Milot Rashica und Yuya Osako. Nach einigen Minuten stellte sich jedoch heraus: Bremen verteidigte in einem 4-3-2-1. Einer der beiden Stürmer ließ sich auf Höhe von Kruse fallen. Die Idee dahinter: Bremen wollte Dortmunds Doppelsechs zustellen. Diese hat innerhalb von Lucien Favres 4-2-3-1-System eine wichtige Funktion für die Ballzirkulation; der Spielaufbau läuft stark über die tief stehende Doppelsechs.

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Werders Probleme waren zweierlei Natur: Zum Einen die Tatsache, dass sie bereits nach wenigen Minuten in Rückstand gingen. Christian Pulisic nutzte eine große Lücke im Bremer Mittelfeld-Zentrum aus und war danach schlicht schneller als Milos Veljkovic (6.).

Fotostrecke: Möhwald und Pizarro kontern Pulisic und Alcacer

Werder Bremen gegen Borussia Dortmund
Werder Bremen gegen Borussia Dortmund © gumzmedia
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Werder Bremen gegen Borussia Dortmund © imago images / DeFodi
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Zum Anderen erlangte Bremen nach dem Rückstand keinen Zugriff auf Dortmunds Spielaufbau. Diese umgingen das enge Zentrum der Bremer über ihre Außenverteidiger. Bremens Achter Davy Klaassen und Maximilian Eggestein rückten zwar vereinzelt heraus und gingen zum Pressing über. Sie waren aber zu langsam im Zugriff. Zudem besetzte Dortmund die Lücken konsequent. Nuri Sahin hatte große Mühe, den Raum im Zentrum abzudecken. Der BVB nutzte diese Vorteile zwar hauptsächlich, um den Ball in den eigenen Reihen laufen zu lassen. Sobald sie in die Tiefe spielten, wurde es aber fast immer gefährlich.

Dortmund seltsam passiv nach der Pause

Bereits in den Schlussminuten der ersten Halbzeit bekam Bremen wieder mehr Zugriff, da sie nun wieder höher in einer Raute pressten. Just in dieser Phase erzielte Paco Alcacer per Freistoß das 2:0. Nach der Pause hatten sie endgültig mehr Spielanteile. Vor der Pause lag ihr Ballbesitz bei 42%, in in der halben Stunde zwischen Wiederanpfiff und dem 2:2 (75.) hatten sie 57% Ballbesitz.

Das lag weniger an Bremens besserem Spiel, sondern viel eher an Dortmunds Lethargie. Diese gaben das hohe Pressing im 4-4-2 völlig auf. Stattdessen zogen sie sich in einem passiven 4-4-1-1 in die eigene Hälfte zurück. Auffällig war die hohe Kompaktheit, die Dortmund an den Tag legte: Sie begrenzten ihre Formation auf die Hälfte des Feldes. Sie wollten im ballnahen Bereich das Spiel eng machen für Werder.

Tatsächlich funktionierte Dortmunds kompakte Verteidigung zunächst gut. Da Werders Außenverteidiger nun weiter vorschoben, fand der BVB große Räume zum Kontern vor. Doch kurz nach der Pause nutzten die Dortmunder beste Chancen nicht. Und dann bestrafte sie Werder dafür.

Glück auf der Bank, Glück auf dem Feld

In de 60. Minute versuchte Florian Kohfeldt die Karten neu zu mischen: Claudio Pizarro (für Osako) kam als echter Stürmer, Kevin Möhwald (für Sahin) übernahm als halblinker Achter die Position von Maximilian Eggestein, der wiederum Sahins Sechser-Rolle ausfüllte. Mit Kruse auf der halbrechten Seite und Pizarro als nach rechts ausweichendem Stürmer schuf Bremen hier Überzahlen.

Die Strategie war klar: Bremen wollte die kompakten Dortmunder auf die rechte Seite locken, um dann mit Verlagerungen auf die linke Seite zu gelangen. Linksverteidiger Ludwig Augustinsson agierte nun merklich offensiver als Marco Friedl; durch Friedls tiefe Rolle agierte Werder fast sogar mit Dreierkette.

Die Grafik zeigt die Entstehung des 2:1. Bremen lockt Dortmund auf eine Seite, Kruse verlagert das Spiel auf den frei stehenden Augustinsson.

Bremens Versuche waren wenig fruchtbar – bis zur 70. Minute. Augustinsson kam nach einer schönen Verlagerung frei zum Pass auf Rashica, der wiederum legte auf Möhwald ab – und dann patzte Roman Bürki. Fünf Minuten später führte eine ähnliche Verlagerung zum 2:2, auch diesmal wieder mit freundlicher Unterstützung der BVB-Abwehr.

Offener Schlagabtausch

In den Schlussminuten mutierte das Spiel zum offenen Schlagabtausch. Favre stellte sein Team auf eine Dreierkette um und wies alle Spieler an, nach vorne zu laufen. Werder agierte ebenfalls in einer enorm offensiven Formation, einer Art 4-3-3. Die taktische Disziplin, die die ersten siebzig Minuten der Partie geprägt hatte, war vollkommen dahin. Beide Teams hätten den Siegtreffer erzielen können - und doch blieb es beim 2:2-Unentschieden.

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Es fällt schwer, Bremens Punktgewinn allein an den taktischen Änderungen festzumachen. Zwar ließe sich argumentieren, dass Kohfeldt offensiv wechselte und Favre keine taktische Antwort fand. Gegen Bremens Verlagerungen hätte er durchaus auf ein 4-5-1 oder ein 5-4-1 umstellen können. Doch ebenso klar ist: Bremen machte aus der ersten Chance ein Tor, während Dortmund zuvor viele Chancen liegen ließ.

Wie sagte Jürgen Wegmann einst so schön: „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“ Das Glück war an diesem Abend auf Kohfeldts Seite.

Quelle: DeichStube

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