So gut war Werder schon lange nicht mehr gegen die Bayern

Viel Lob, aber keine Punkte

+
Immer wieder ärgerte der Underdog aus Bremen die Münchner und es kam zu gefährlichen Szenen vor dem Bayern-Kasten.

München - Es soll ja Werder-Fans geben, die schauen sich Spiele gegen den FC Bayern gar nicht mehr an. Schließlich gab es seit 2008 keinen Sieg mehr und dafür meistens ordentlich was auf die Mütze.

Auch am Sonntag in München fielen sechs Tore, aber die waren nicht so einseitig verteilt wie sonst. Am Ende gewannen die Bayern zwar 4:2 (1:1), aber Lob gab es vor allem für die mutigen Bremer. So spiele kein Abstiegskandidat, hieß es. Doch die Lage für Werder ist am Wochenende trotz guter Leistung noch viel prekärer geworden.

„Wir kennen die Situation und wissen, dass es nach wie vor brenzlig ist“, betonte Werder-Sportchef Frank Baumann: „Das wird sich auch in den nächsten Wochen nicht verändern. Es ist aber noch deutlich zu früh, um jetzt jedes Spiel als Endspiel auszurufen.“ Damit nahm er schon ein wenig Druck für das Heimspiel am Samstagabend gegen Hertha BSC. Bei nunmehr vier Punkten Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz hat die Partie dennoch eine ganz besondere Bedeutung.

Das Spiel bei den Bayern gehörte dagegen zur Kategorie: Bonuspunkte. Und die wären durchaus drin gewesen. Eigentlich kaum zu glauben nach den vielen deutlichen Schlappen in der Vergangenheit. „Für mich ist es eine enttäuschende Niederlage, hier war mindestens ein Punkt drin“, urteilte Trainer Florian Kohfeldt: „Wir wollten mit dem Ball eigene Lösungen haben, die haben wir gefunden.“

Heynckes lobt Bremer

Dafür gab es selbst vom Gegner jede Menge Lob. „Wir haben gegen eine Bremer Mannschaft gespielt, die sich sehr gut präsentiert hat, überwiegend mutig nach vorne gespielt und uns in Verlegenheit gebracht hat“, befand kein Geringerer als Bayern-Coach Jupp Heynckes: „Bremen hat nicht wie eine Mannschaft gespielt hat, die im Tabellenkeller steckt und gegen den Abstieg spielt.“

Von Beginn an suchten die Bremer den Weg nach vorne. Max Kruse sorgte für ein erstes Ausrufezeichen, als er den Ball an den Pfosten köpfte (7.). Jerome Gondorf hatte mehr Glück. Nach feiner Vorarbeit von Kruse tunnelte er Bayern-Keeper Sven Ulreich – 1:0 (25.).

Jerome Gondorf trifft in der 24. Minute zum 1:0.

Gondorf gehörte zu dem Trio, das im Vergleich zum Hoffenheim-Spiel neu in die Startelf gekommen war. Auch Thomas Delaney und Robert Bauer durften von Beginn an ran, dafür saßen Theodor Gebre Selassie, Florian Kainz und Ishak Belfodil zunächst nur auf der Bank. Kohfeldts Plan ging auf. Sein Team funktionierte ziemlich gut, die Bayern konnten sich kaum Chancen erarbeiten, profitierten dann aber von einem Veljkovic-Patzer. Der Innenverteidiger hatte sich bei einem langen Boateng-Ball verschätzt und Thomas Müller zum 1:1 einschießen lassen (41.). „Dass Müller den Ball zwischen zwei Spielern annehmen kann, ist natürlich ein No-Go“, kritisierte Kohfeldt – ohne Veljkovic direkt anzugehen.

Thomas Müller trifft in der 41. Minute aus spitzem Winkel per Seitfallzieher zum 1:1.

Nach dem Wechsel änderte sich erst mal nicht viel, bis Robert Lewandowski zuschlug. Der Torjäger köpfte eine James-Ecke zum 2:1 in die Maschen (63.). Delaney hatte den Polen nicht stoppen können. „Da müssen wir ganz ehrlich auch mal sagen: Das war schon alles ziemlich perfekt“, meinte Kohfeldt.

Ein verrücktes Spiel!

Die Partie schien nun ihren erwarteten Gang zu gehen. Aber weit gefehlt. Werder war sofort wieder da. Kruse trat seine Ecke so gut, dass Bayern-Verteidiger Niklas Süle den Ball mit der Brust ins eigene Tor bugsierte – 2:2 (74.). Ein verrücktes Spiel! Das noch verrückter wurde, weil Lewandowski nur zwei Minuten später erneut Köpfchen bewies – diesmal gegen Gebre Selassie. Keeper Jiri Pavlenka sah dabei auch nicht gut aus. „Eine Fehlerkette“ hatte Kohfeldt dabei ausgemacht, er wollte keinen einzelnen Spieler besonders in die Pflicht nehmen.

Warum auch? Sein Team hatte insgesamt sehr gut harmoniert – und sich auch nach dem neuerlichen Rückschlag nicht aufgegeben. Zlatko Junuzovic verpasste den Ausgleich nur knapp (81.), ehe dann Müller mit dem 4:2 alles klar machte (84.).

„Wenn du vier Gegentore bekommst, kannst du nicht alles richtig gemacht haben“, ärgerte sich Angreifer Kruse und forderte: „Jedes Tor ist zu verteidigen. Da müssen wir schon ein anderes Zweikampf-Verhalten an den Tag legen.“ Doch der 29-Jährige blickte nach der unerwartet guten Leistung wie eigentlich alle optimistisch nach vorne: „Wir haben noch 15 Spiele und können genügend Punkte holen. Wenn wir in den nächsten Wochen diese Leistung von heute auf den Platz bringen, haben wir mit dem Abstieg bald nichts mehr zu tun.“

Schon gelesen?

Einzelkritik: Ausgerechnet Pavlenka patzt

Die Stimmen zum Spiel: „Kann mich keine Sekunde freuen“

Kohfeldts Ansage für die Mentalitäts-Monster

Schon gesehen?

Wirtshaus-Gaudi vor dem Bayern-Spiel

Quelle: DeichStube

Das könnte Sie auch interessieren

Schützenfest in Erichshagen 2018

Schützenfest in Erichshagen 2018

Diese Dinge entsorgt fast jeder falsch - gehören Sie auch dazu?

Diese Dinge entsorgt fast jeder falsch - gehören Sie auch dazu?

2.876 Ausmarschierer laufen in den Krandel

2.876 Ausmarschierer laufen in den Krandel

Pfingstsingen mit dem MGV im Vilser Holz

Pfingstsingen mit dem MGV im Vilser Holz

Meistgelesene Artikel

Werder bietet offenbar zwei Millionen Euro für Harnik

Werder bietet offenbar zwei Millionen Euro für Harnik

Gerüchte-Ticker: Drexler ein Thema bei Werder? - Thy für Venlo zu teuer

Gerüchte-Ticker: Drexler ein Thema bei Werder? - Thy für Venlo zu teuer

Kohfeldts Tops und Flops

Kohfeldts Tops und Flops

U23: Sechs U19-Talente rücken auf

U23: Sechs U19-Talente rücken auf

Kommentare