Nürnberg trifft in der Nachspielzeit

1:1 - Werder wirft den Sieg weg

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Maximilian Eggestein bot gegen den 1. FC Nürnberg eine gute Leistung, trotzdem reichte es nur zu einem 1:1.

Bremen - Werder Bremen hat mit einem 1:1 (1:0) gegen Aufsteiger 1. FC Nürnberg die Chance verpasst, sich im oberen Drittel der Bundesliga-Tabelle festzusetzen.

In einem Spiel, das die Bremer hätten gewinnen müssen, erzielte Nürnbergs Neueinkauf Virgil Misidjan in der Nachspielzeit den späten Ausgleich für die Gäste. Maximilian Eggestein hatte Werder nach 26 Minuten in Führung geschossen. Danach warf Werder den möglichen Sieg mit schlampigen Kontern und null Entschlossenheit bei den Abschlüssen einfach weg.

Trainer Florian Kohfeldt hatte gegen den Aufsteiger exakt jene Elf auf den Platz geschickt, die auch vor zwei Wochen gegen Eintracht Frankfurt (2:1) begonnen hatte. Folglich fehlte Neuzugang Nuri Sahin in der Startaufstellung. Kohfeldt erklärte, dass er sich „sehr schwer getan“ habe mit dieser Entscheidung. Aber die drei Stammkräfte Philipp Bargfrede, Davy Klaassen und Maximilian Eggestein würden „eine gute Mischung“ darstellen und im Moment die Grundordnung bieten, „die am meisten den Erfolg verspricht“.

Wie richtig der Coach damit lag, zeigte sich in Minute 26, als Klaassen und Eggestein, die bis dahin besten Bremer, die Führung produzierten. Klaassen kurvte durch das Mittelfeld, passte auf Eggestein – und der 21-Jährige packte richtig einen aus: Abschluss von der Strafraumlinie, halbrechte Position, Treffer hoch ins kurze Eck. Da saß enorme Wucht dahinter, das war ein Tor, das die 42.100 Zuschauer im Weserstadion von den Sitzen riss.

Eggestein mit dem Hammer - 1:0

Ganz ohne Frage war die Führung auch verdient, denn Werder war die klar spielbestimmende Mannschaft. Nürnberg stand meistens tief hinten drin und setzte auf Konter über seinen starken Neuzugang Matheus Pereira. Das Rezept war nicht schlecht, wirkte aber in letzter Konsequenz nicht gegen die dominierenden Bremer. Die zündeten zwar kein Chancenfeuerwerk, waren aber immer am Drücker. Kapitän Max Kruse (15.) und Martin Harnik (21.) vergaben die beiden besten Möglichkeiten vor dem 1:0. Zwischendurch hätte es Elfmeter für Werder geben können, weil Nürnbergs Enrico Valentini einen Vorstoß von Ludwig Augustinsson mit dem rechten Ellenbogen stoppte. Handspiel ja, Pfiff nein – die Diskussionen, die darum gewiss entstanden wären, erstickte Eggestein sechs Minuten später mit seinem Hammer zum 1:0 jedoch im Keim.

Gemessen an den Spielanteilen war die Pausenführung fast schon zu wenig für die Bremer, die alles im Griff hatten, im Strafraum aber nicht die Durchschlagskraft entwickelten, die es braucht, um gegen einen tendenziell eher destruktiven Gegner früh für klare Verhältnisse zu sorgen. Oft wirkte Werder zu verspielt, zu wenig geradlinig, um Nürnberg wirklich in Not zu bringen. Auf der anderen Seite musste der nach überstandener Gehirnerschütterung wieder im Tor stehende Jiri Pavlenka in den ersten 45 Minuten nicht einen Ball parieren.

Zurückgepfiffen! Das 1:1 für den 1. FC Nürnberg zählt nicht. Der Videoschiedsrichter hatte zurecht eingegriffen.

Nach der Pause wagte sich der „Club“ weiter nach vorne, verließ die eigene Hälfte, die sie zuvor am liebsten zur Hochsicherheitszone gemacht hätten. Werder hatte deshalb mehr Platz, stellte sich aber weiterhin zu umständlich an. Maxi Eggestein hatte die Chance zum 2:0, verzog aber (55.). Wenig später wurde das Weserstadion schockgefroren. Denn Ondrej Petrak stocherte den Ball ins Bremer Tor.

Lange Gesichter hier, Jubel dort – bis der Videoschiedsrichter eingriff und zur Überraschung aller auf eine Abseitsstellung hinwies. Passiert war dies: Nach langer Flanke hatte FCN-Stürmer Mikael Ishak den Ball auf der Torauslinie stehend zurückgeköpft, dabei einen eigenen Mitspieler getroffen – und weil der Ball zu ihm zurückkam, stand Ishak im Abseits. Das Ganze spielte sich auf einem Quadratmeter ab, wurde schlussendlich aber völlig richtig bewertet. Weshalb Werder und der Videobeweis auf dem besten Weg sind, dicke Kumpel zu werden. Im dritten Spiel fiel zum dritten mal ein Videobeweis zu Gunsten der Bremer aus.

Misidjan verpasst Werder den späten Tiefschlag

Das große Problem der Gastgeber blieb jedoch bestehen: Werder machte nicht den Deckel drauf auf die Partie. Die Konter verpufften, Nürnberg durfte weiter hoffen. In der 71. Minute feierte dann Nuri Sahin doch noch sein Werder-Debüt. Der 30-Jährige kam für den mit Gelb vorbelasteten Bargfrede, rückte aber zunächst auf die Halbposition. Die „6“ übernahm Maximilian Eggestein. Doch nach nur wenigen Minuten änderte Kohfeldt dies wieder. Sahin zentral defensiv, Eggestein wieder auf der Halbposition. Doch auch das war kein Mittel, um den zunehmenden Verlust von Sicherheit und Präzision im eigenen Team entgegenzuwirken.

Werder stolperte ein bisschen durch das Spiel, ließ eine gute Schusschance für Nürnbergs Eduard Löwen zu (78.) und stümperte weiter bei eigenen Angriffen. Allen voran der eingewechselte Milot Rashica, dem jede Aktion misslang. Gefährlichster Bremer blieb Eggestein, der binnen weniger Sekunden jedoch zwei Chancen ungenutzt ließ (81./82.).

Dann kam es, wie es kommen musste. Misidjan kam im Strafraum frei zum Abschluss und verpasste Werder den späten Tiefschlag. Die Bremer, die am zweiten Spieltag noch dank eines Last-Minute-Tors in Frankfurt gejubelt hatten, blieben diesmal konsterniert zurück. Und Florian Kohfeldt wird gewiss keine Freude empfinden, dass er einen schon sehr alten Rekord eingestellt hat. Der Werder-Coach ist nun seit seinem Amtsantritt in 14 Liga-Heimspielen ungeschlagen – damit ist die Bestmarke von Otto Rehhagel aus dem Jahr 1981 eingestellt.

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Quelle: DeichStube

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