Nach Werders 1:1 gegen RB Leipzig

Ein gefühltes Spitzenteam - aber Kohfeldt will davon nichts hören

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Es war ein schnelles, ein packendes, ein intensives Spiel: Am Ende trennten sich Werder um Ishak Belfodil (r.) und RB Leipzig um Willi Orban mit 1:1.

Bremen - 87. Minute, Ishak Belfodil stürmt aufs Leipziger Tor zu – und Werder-Coach Florian Kohfeldt sprintet am Spielfeldrand mit. „Nein, ich hätte ihn nicht reingeschossen“, sagt der Trainer nach dem 1:1 (1:0) gegen RB Leipzig über die vergebene Riesenchance seines Angreifers und den dadurch verpassten Sieg.

Kohfeldt grinst – und verdeutlicht wenig später noch einmal, was sich bei Werder seit seinem Amtsantritt Ende Oktober verändert hat: „Wir reden nicht nur davon, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen, wir versuchen das auch bis zur letzten Sekunde.“ Inklusive des Trainers.

Die Fans spüren das. Wahrscheinlich wäre das Weserstadion vor Freude explodiert, wenn Belfodil getroffen oder Niklas Moisander den Abpraller versenkt hätte. Passend dazu bescheinigte Werder-Sportchef Frank Baumann Mannschaft und Publikum „eine Riesenleistung“. Und weil das gegen einen Champions-League-Teilnehmer, der auch künftig dort spielen will, gelang, durfte ein Wort in keinem Statement der Bremer fehlen: Stolz.

Warum hatte nur Moisander getroffen?

Werder hatte eine überragende erste Halbzeit abgeliefert. „Wir haben alles umgesetzt“, schwärmte Maximilian Eggestein. Genauso wie sein Coach: „Positionsspiel, Ballbesitzphasen, Tempo, Zug zum Tor, Konterabsicherung – das hat alles geklappt.“ Auch dank einer neuen Taktik: Philipp Bargfrede rückte von der Sechser-Position komplett als fünfter Mann in die Abwehrkette. „Ich habe ja gesagt, dass wir uns weiterentwickeln müssen“, erklärte Kohfeldt seinen jüngsten taktischen Kniff.

Leipzig war dadurch überhaupt nicht zur Entfaltung gekommen. RB-Trainer Ralph Hasenhüttl hatte dafür aber eine andere Erklärung: „Nach neun Gegentoren in den letzten zwei Spielen ging es darum, die Blutung zu stillen, deswegen haben wir so passiv agiert.“ Der Plan ging nicht auf, Werder riss die Wunde noch weiter auf – und musste sich nur einen Vorwurf gefallen lassen: Warum hatte nur Moisander getroffen?

Der Innenverteidiger war in der 28. Minute nach einem Lattenkracher von Max Kruse in die Rolle des Abstaubers geschlüpft. Die Kollegen ließen dagegen beste Gelegenheiten liegen. Leipzig hatte nur einen Freistoß von Dominik Kaiser, der Maximilian Eggestein in der Mauer an die Hand sprang. „Ja, ich berühre ihn“, gestand der Werder-Profi. Elfmeter gab es nicht, weder Schiedsrichter Christian Dingert noch die Video-Überwachung in Köln hatten das Vergehen als strafwürdig angesehen.

Hasenhüttl stellte nach der Pause um, ließ offensiver agieren. Mit Erfolg. Dem eingewechselten Ademola Lookman gelang schnell der Ausgleich (50.). Eine schwierige Phase für Werder, die Kohfeldt nach einer Stunde beendete. Er brachte Belfodil für Milot Rashica und stellte auf eine Viererkette um: „Ich wollte der Mannschaft das Gefühl geben, dass wir handeln können.“ Und zwar erst von außen und dann auch auf dem Platz. Die Partie war wieder offen. Beide Teams hatten Riesenchancen zum Sieg. Die beste sicherlich Leipzigs Timo Werner, der in Jiri Pavlenka seinen Meister fand (85.). Für Werder hätten Kruse (57.) und am Ende eben auch Belfodil und Moisander treffen können.

Kohfeldt-Tabelle listet Werder auf Platz vier

Es war ein Spektakel mit einem aus Werder-Sicht sogar etwas ärgerlichen Ergebnis, das dem Club trotzdem hilft. Kohfeldt freute sich schon auf das nächste Spiel am Samstag in Stuttgart: „Da wollen wir unbedingt das letzte Fragezeichen in Sachen Relegationsplatz wegwischen.“ Es war auch eine Antwort auf die Frage, ob Werder nicht schon längst auf Augenhöhe mit den Spitzenteams wie Leipzig sei.

„Für ein Spiel vielleicht, aber du brauchst über Monate und Jahre Konstanz, um ein Spitzenteam zu sein“, mahnte Kohfeldt. Den Hinweis, dass seine persönliche Tabelle seit Amtsantritt am elften Spieltag Werder als Tabellenvierten zeigt, konterte der Coach sofort: „Die Kohfeldt-Tabelle ist nicht die wahre Tabelle. Ich orientiere mich an der Realität – und da sind wir Zwölfter.“

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Werder Bremen gegen RB Leipzig
Werder Bremen gegen RB Leipzig © nordphoto
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Quelle: DeichStube

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