Kommentar: Gebühren für Polizeieinsätze.

Das schwierige Spiel der Bremer

Kommentar von Thomas Kuzaj. Es erinnert ein wenig an die Rituale vor einem entscheidenden Spiel. Alles wird noch einmal hochgegeigt, die Kontrahenten bekämpfen sich schon mal mit Worten. Sticheleien und markige Erklärungen sollen den Gegner beeindrucken.

Thomas Kuzaj

„Falls Bremen diesen Weg beschreitet, wird der Ligaverband in Abstimmung mit dem SV Werder Bremen alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen“, sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball zu den Bremer Plänen, den Fußball bei Risikopartien per Gebührenbescheid an den höheren Kosten für Polizeieinsätze zu beteiligen. Es sollte wie eine Drohung klingen. Bremen ist das erste Bundesland, das so eine Kostenbeteiligung durchsetzen will. Schließlich seien in Bremen in der vergangenen Saison bei Bundesligaspielen Personalkosten für polizeiliche Einsätze in Höhe von 1,4 Millionen Euro angefallen.

Innen- und Sportsenator Ulrich Mäurer (SPD) wählte gestern die alte Willi-Lemke-Taktik. Mit Blick auf das große Duell redete er Bremen klein. Soll die Deutsche Fußball-Liga ruhig die Favoritenrolle haben in diesem Streit – ihm doch egal. „Da ist ein wirtschaftlich mächtiges Unternehmen, das den Fußball organisiert. Und auf der anderen Seite haben wir ein armes Bundesland.“

Und dieses arme Bundesland mit seiner Schuldenlast und seiner Hauhaltsnotlage, das kann hier vor großem Publikum mal so richtig schön deutlich machen: Bremen will kein Geld verschwenden. Durchaus ein wichtiges Signal, das bei Verhandlungen um Finanzfragen einmal hilfreich sein könnte.

Doch es geht ja auch um die Sache, und in der Sache wird es ein schwieriges Spiel für die Bremer. Mäurer weiß das auch ohne Rauballs drohende Worte. „Ich kann mir vorstellen, dass die DFL mit den teuersten Anwälten antritt und uns mit Gutachten totwirft.“ Man vertraue aber den eigenen Argumenten. Gleichwohl macht Mäurer sich keine Illusionen. Es ist ein Bremer Alleingang. Kein anderes Bundesland wagt den Doppelpass. „Es steht 15:1“, so Mäurer. „Wir haben einen exklusiven Status. Man könnte auch sagen, wir sind in der absoluten Minderheit.“

Realitätssinn schadet nicht, das weiß man im Fußball. Der Staat ist für die öffentliche Sicherheit zuständig. Die Bremer Gebühren sollen einen „geldwerten Vorteil“ abschöpfen, den der Organisator einer „gewinnorientierten“ Veranstaltung durch die Hilfe der Polizei habe. So jedenfalls die Argumentation der Hanseaten.

Wo aber liegt der „geldwerte Vorteil“ für die DFL, wenn Hooligans ein Fußballspiel zum Anlass für Ausschreitungen nehmen? An diesem Punkt kommt die forsche Bremer Gebührenoffensive ins Stocken. Hoffentlich endet sie nicht mit einem Eigentor.

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung

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