Werder funkt SOS: Kollaps in der Innenverteidigung

Bei Werder Bremen drohen zu Saisonbeginn gleich vier Abwehrspieler auszufallen: Per Mertesacker, Naldo, Sebastian Prödl und Sebastian Boenisch

Alarmstufe Rot bei Werder Bremen! Beim Bundesligisten drohen zu Saisonbeginn Anfang August gleich vier namhafte Abwehrspieler auszufallen. Per Mertesacker, Naldo, Sebastian Prödl und Sebastian Boenisch sind so schwer verletzt, dass sie vermutlich noch Monate fehlen.

Werder Bremen - Von Arne Flügge, Malte Rehnert und Björn Knips

„Wir waren schon dezimiert, jetzt hat sich die Situation noch einmal verschlechtert“, stöhnt Sportchef Klaus Allofs. Besonders in der Innenverteidigung sieht’s düster aus. Mertesacker, Naldo, Prödl – das wäre schon ein Defensivkollaps, den Werder erleiden würde, sollten sich die düsteren Prognosen bewahrheiten.

Hinzu kommt noch Boenisch, der etatmäßig zwar Linksverteidiger ist, aber auch in der Mitte spielen könnte. „Es gibt bei keinem die 100-prozentige Gewissheit, dass sie uns zu Saisonbeginn zur Verfügng stehen. Das stellt uns vor sehr große Probleme“, meinte Allofs.

Die Innenverteidigung mit zwei neuen Spielern zu bestücken, wäre erstens – auch angesichts der beschränkten finanziellen Mittel – eine Herkulesaufgabe, zweitens auch ein enormes Risiko. Schließlich weiß man nie, wie schnell sich Neuzugänge anpassen und integrieren. Da ist es fast schon logisch, dass Allofs noch einmal an Abwehrspieler Petri Pasanen herangetreten ist. „Unsere Situation hat dazu geführt, dass wir bei Petri die Kehrtwende gemacht haben“, sagt der 54-Jährige.

Kollaps in der Innenverteidigung

Kollaps in der Innenverteidigung

Gestern nahmen Sportchef und Spieler die Vertragsverhandlungen auf. Allofs: „Petri hat sich einerseits gefreut, dass wir an ihn gedacht haben, andererseits müssen wir sehen, wie seine Lebensplanung aussieht. Es wäre eine vernünftige Lösung – die Entscheidung wird keine Ewigkeit dauern.“ Sollte Pasanen zusagen, wären die Bremer eine Sorge los – aber nur eine kleine. Denn unabhängig von der Weiterbeschäftigung des Finnen und der angestrebten Verpflichtung des griechischen Innenverteidigers Sokratis Papasthatopoulos vom AC Mailand (Allofs: „Wir haben weiter großes Interesse“) ist der Qualitätsverlust in der Bremer Abwehr immens.

Das haben die Bremer bereits in der abgelaufenen Saison bei Naldo gemerkt. Und alle positiven Tendenzen, die der 28-Jährige selbst abgegeben hat („Ende Mai steige ich wieder ins Training ein“) haben sich komplett zerschlagen. Wann und ob Naldo überhaupt nach seinem Knochenödem im Knie noch einmal für Werder auflaufen kann, steht in den Sternen. Derzeit hält sich der Abwehrspieler zu einer Nachuntersuchung bei seinem Operateur in der brasilianischen Heimat auf. Dort setzt er seine Reha im Urlaub fort. An eine Rückkehr auf den Platz zu Saisonbeginn glauben nicht einmal die kühnsten Optimisten. Es kursieren sogar bereits Gerüchte über ein möglichen Karriereende Naldos.

Ganz so schlimm hat es Per Mertesacker zwar nicht erwischt, aber immer noch schlimm genug, dass er selbst keine Prognose abgeben kann und will, wann er wieder zur Verfügung steht. „Ich weiß nicht, wann ich wieder fit bin“, hat der 26-Jährige bereits gegenüber dieser Zeitung erklärt. Wegen einer immer wiederkehrenden Entzündung in der Ferse kann der Nationalverteidiger derzeit „nur Schlappen tragen“. Mertesacker braucht viel Zeit und Ruhe, um wieder gesund zu werden, was im Umkehrschluss für Werder bedeutet: Saisonstart fraglich.

Für Sebastian Prödl kommt der schon mal gar nicht infrage. „Eine seriöse Prognose ist bei mir schwierig, weil es bei meiner Verletzung kaum Erfahrungswerte gibt“, sagt der 23-Jährige, er sich vor Monaten einen Muskelriss im Gesäß zugezogen hatte und anschließend operiert werden musste: „Ich habe mir ein Zeitfenster gesetzt: Zwischen Ende Juli und Anfang September möchte ich wieder auf dem Platz stehen.“ Bis Prödl, der seine Reha noch für die nächsten „drei, vier Wochen“ in Donaustauf absolviert, für die Liga einsatzfähig ist, dürfte es dann noch eine Weile dauern. „Und wenn’s nicht klappt, muss ich mich eben weiter gedulden. Aber ich gehe fest davon aus, dass ich dieses Jahr noch spielen kann.“

Für Sebastian Boenisch (Knorpelschaden im Knie) ist das nur ein Traum. „Bei ,Basti‘ wissen wir gar nicht, wie wir mit ihm planen können“, sagt Allofs.

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