Volle Unterstützung für Skripnik – aber nicht im virtuellen Fan-Parlament

„Fünf vor zwölf“ – Zeit zum Siegen, nicht zum Feuern

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„Wenn ich irgendwann das Gefühl haben sollte, es geht nicht mehr, würde ich handeln“, sagt Geschäftsführer Thomas Eichin über die Zusammenarbeit mit Trainer Viktor Skripnik (li.). Doch noch hat er dieses Gefühl nicht.

Bremen - Von Carsten Sander. Es ist ein Glück für Viktor Skripnik, dass Profi-Fußball keine basisdemokratische Veranstaltung im virtuellen Fan-Parlament ist. Wäre es anders, wäre der Cheftrainer des SV Werder Bremen seinen Job wohl schon los. Denn die große Mehrheit derer, die sich in den Foren anonym zu Wort melden, steht nicht mehr auf Skripniks Seite. Thomas Eichin schon. Der Trainer, sagt der Geschäftsführer trotz der bedrohlichen Lage, „kriegt von mir die volle Unterstützung“.

Wieso er fest zu Skripnik hält, führt Eichin jedoch nicht aus. Er habe schlicht „keine Lust auf die Diskussion“, teilt er mit. Aber klar: „Wenn ich irgendwann das Gefühl haben sollte, es geht nicht mehr, würde ich handeln.“ Noch hat er es nicht – trotz nur eines Sieges aus zehn Spielen, trotz Platz 16 mit Tendenz nach unten, trotz der 44 Gegentore in 22 Begegnungen, trotz der 25 Partien in Folge mit mindestens einem Gegentreffer, trotz nur eines Heimsieges. Diesen Fakten lassen sich nur Vermutungen entgegenstellen, wieso die Geschäftsführung an Viktor Skripnik festhält.

Als der Trainer im Oktober 2014 als Nachfolger von Robin Dutt installiert wurde, war das auch der Startschuss für eine Imagekampagne. Mit einem jungen Coach aus dem Verein sollte der „Werder-Weg“ beschritten werden. Viel wurde darüber geredet, aus dem eigenen Nachwuchs Kraft für die Gegenwart und die Zukunft zu schöpfen. Es funktioniert nicht. Eine Entlassung Skripniks wäre ein Eingeständnis dessen und hätte eine große symbolische Kraft. Werder-Weg? Von wegen!

Über Viktor Skripnik lässt sich viel sagen. Aber nicht, dass er nicht loyal und treu zum SV Werder stünde. Seit beinahe 20 Jahren ist er im Verein, sein Herz – das ist jetzt zwar eine Platitüde, aber dennoch wahr – schlägt für diesen Club. Solch einen Menschen zu entlassen, täte doppelt weh. Zumal es mit Skripnik auch Co-Trainer Torsten Frings erwischen würde, eine weitere, noch strahlendere grün-weiße Ikone.

Keine Frage, es gab zuletzt auch gute Ergebnisse. 3:1 auf Schalke, 3:1 im Pokal in Leverkusen – natürlich darf gehofft werden, dass diese Partien die Wahrheit und die (in der Überzahl befindlichen) Niederlagen und verpassten Siege nur Ausrutscher waren. Niemandem ist zudem zu verbieten, am Samstag gegen Darmstadt 98 auf einen Befreiungsschlag und die Wende zu hoffen. Es muss sogar klappen, meint Eichin und räumt ein: „Für uns ist es fünf vor zwölf.“ Aber sich von den wenigen guten Ergebnissen blenden zu lassen, hält selbst er für „gefährlich: Nur zu sagen, wie stark wir sind, bringt uns nicht weiter.“ Punkte müssen her.

Ohne Skripnik – und dann? Werder hätte nicht, wie damals im Oktober 2014, eine interne Lösung parat. Mit U23-Trainer Alexander Nouri (36) oder U19-Dauerbrenner Mirko Votava (59) ginge es aus diversen Gründen nicht. Außerhalb der Club-Mauern warten mögliche Retter zwar auf ihre Chance, und jeder kennt die derzeit ungebundenen Trainer wie Jos Luhukay, Mirko Slomka, Michael Frontzeck, Markus Gisdol oder (den für Werder wohl viel zu teuren) Lucien Favre. Es sind Namen, aber versteckt sich dahinter auch eine Antwort auf die Was-dann-Frage?

Im Internet zu meckern, ist das eine. Im Stadion zu protestieren das andere. Über die echte Welt lässt sich sagen: Bisher sind die Fans relativ ruhig geblieben. Zwar hat es in Ingolstadt erregte Zaun-Diskussionen mit einigen Spielern gegeben, aber Skripnik-raus-Rufe waren im Audi-Sportpark nicht zu hören. Das zeigt: Ein letzter Rest an Vertrauen für Skripnik ist noch da. Vielleicht ist er am Samstag um 17.20 Uhr aufgebraucht, vielleicht wächst er aber auch wieder.

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