Werder-Sportchef im Interview

Baumann über das Werder-Training: „Die Auflagen stellen uns vor keine große Herausforderung“

Sportchef Frank Baumann ist froh, dass Werder Bremen in der Trainingsarbeit „den nächsten Schritt“ gehen kann.
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Sportchef Frank Baumann ist froh, dass Werder Bremen in der Trainingsarbeit „den nächsten Schritt“ gehen kann. 

Bremen – Dass der Wiedereinstieg des SV Werder Bremen in ein Gruppentraining nicht ohne Kritik bleiben würde, war abzusehen. In Zeiten der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen wirkt es für viele irgendwie deplatziert, wenn sich Profi-Fußballer wieder zum Training auf dem Platz treffen – und sei es nur in Gruppen von maximal vier Spielern wie in Bremen.

Es bleiben Verdacht und Vorwurf, dass der Fußball sein eigenes Süppchen kocht. Und einer, der so denkt, hat seine Kritik sogar an eine Mauer am Weserstadion gesprüht. „Fußball = Geldmache“ steht dort. Frank Baumann, Sportchef des SV Werder Bremen, hat gegenüber einiger Medien auf einige der wichtigsten Fragen zur Wiederaufnahme des Trainings am Dienstag geantwortet. Die DeichStube fragte mit.

Wie zufriedenstellend ist die Lösung, mit maximal vier Spielern pro Gruppe trainieren zu können, hinsichtlich einer Vorbereitung auf die mögliche Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs im Mai?

Wir sind glücklich, dass wir – ähnlich wie die Clubs in anderen Bundesländern – eine Lösung mit dem Bremer Senat gefunden haben und nun in unserer Trainingsarbeit den nächsten Schritt gehen, uns wieder an den Ball gewöhnen können.

Sie hatten nach dem Nein des Senats am Freitag noch harsche Kritik am Verhalten der Bremer Regierung geübt. sind Sie nun besänftigt?

Wir fanden es unnötig, dass das Thema so in der Öffentlichkeit breitgetreten wurde. Wir waren davor sehr gut im Austausch mit den Senatoren und den Ämtern. Ich denke, das hätte man auch weiter auf der Ebene besprechen können und eine Lösung finden können. Über das Wochenende und noch am Montag haben wir gemeinsam sehr ausführlich und im Detail besprochen, was möglich sein wird. Ich glaube, mit den gefundenen Lösungen können beide Seiten sehr gut leben.

Sie wollten mit zehn Spielern trainieren, erlaubt sind nun aber nur vier. Ein Ärgernis?

Wir hatten die Gruppengröße in unserem Antrag an den Senat mit bis zu zehn definiert, weil wir glauben, dass wir auf gut 7000 Quadratmetern mit zehn Leuten die Mindestabstände gut einhalten können. Wir haben uns zudem an Größen orientiert, wie sie in anderen Bundesländern schon seit einigen Tagen praktiziert werden. Wir akzeptieren jetzt aber auch die Entscheidungen der Behörden, dass wir erstmal mit vier Spielern trainieren können, was für uns ein erster wichtiger Schritt ist. Die Spieler sind glücklich, dass sie nicht mehr alleine durch den Wald laufen müssen, sondern dass der Ball wieder dabei ist, sie mit Mitspielern etwas fußballspezifischer trainieren dürfen.

Werder Bremen checkt während Coronavirus-Pandemie Spieler vor jedem Training

An anderen Bundesliga-Standorten wird mit Gruppengrößen von bis zu acht Spielern trainiert. Wo ist da eigentlich in der Krise die Solidarität unter den Vereinen?

Das ist insgesamt sehr schwer zu handhaben. Wichtig ist, dass sich alle Clubs an die Auflagen der Behörden halten. Für die Zukunft ist es sehr wichtig, dass der Fußball eine Verlässlichkeit bietet, Natürlich hätten wir uns als Liga gewünscht, dass es für die Trainingsgestaltung eine bundeseinheitliche Lösung gibt. Wir leben aber in einem föderalen Staat, in dem es unterschiedliche Zuständigkeiten gibt. Es ist auch für die Politik nicht ganz so leicht, dies zu koordinieren. In dem einen Bundesland ist vielleicht die Gesundheitsbehörde zuständig, woanders ist es der Sport, in Bremen ist es das Ordnungsamt, das Ressort Inneres – das macht es nicht leichter. Aber es ist weiterhin unser Bestreben, auf Bundesebene eine einheitliche Lösung für den Sport zu bekommen, um auch für alle Clubs für eine Rechtssicherheit zu sorgen.

Der Bremer Senat hat Werder für die Alltagsarbeit 15 Verhaltensregeln auferlegt - wie kommen Sie mit der Umsetzung zurecht?

Das stellt uns vor keine große Herausforderung, weil wir nahezu alle Punkte bislang schon beachtet haben. Was jetzt noch dazukommt, ist, dass der Arzt jeden Spieler jeden Tag im Rahmen des Eingangsscreenings nach Symptomen befragt und untersucht. Wenn dort etwas auffällig ist, wird der Spieler sofort nach Hause geschickt. Ansonsten haben wir in den letzten Wochen schon sehr darauf geachtet, dass der Mindestabstand eingehalten wird, dass die Spieler nach einem Individualtraining im Stadion zu Hause geduscht haben. Wir haben das Infektionsrisiko so klein wie möglich gehalten.

Wie funktioniert das medizinische Screening?

Das ist keine ganz große Untersuchung, und wir sind auch weit davon entfernt, irgendwelche Tests bei den Spielern zu machen. Es geht in erster Linie darum, gezielt abzufragen: Wir fühlt sich der Spieler? Gibt es irgendwelche Probleme? Sind Geruchs- und Geschmackssinn okay? Gibt es eine erhöhte Temperatur? Wenn eine dieser Fragen mit Ja beantwortet wird, werden wir natürlich Maßnahmen ergreifen und kein Risiko eingehen.

Frank Baumann von Werder Bremen: Fußball geht es in Coronavirus-Krise wie anderen Branchen

Wie organisieren Sie die Trainingsarbeit?

Wir werden die Trainingseinheiten auf zwei Plätze verteilen. Eine Gruppe wird im Stadion „Platz 11“ trainieren, die andere Gruppe im Weserstadion, so dass die Gruppen unter sich so wenig Berührungspunkte wie möglich haben. Wir haben im Stadioninneren die Möglichkeit die Gruppen auf verschiedene Kabinen zu verteilen – beispielsweise auf die Gäste- oder Schiedsrichterkabine. So ist gewährleistet, dass Spieler und Betreuerstab, der auch so klein wie möglich gehalten wird, indem nur noch ein Trainer pro Einheit dabei sein wird, genug Platz hat, um die Abstände einzuhalten.

Die Kritik, dass der Fußball nun doch eine Extrawurst für sich beansprucht, ist auch unter Fans, also Menschen, die dem Fußball an sich positiv gegenüberstehen, gegeben. Was können Sie entgegnen?

Wir gehen einem Beruf nach, für den ein Training notwendig ist. Wichtig ist, dass man die Vorgaben der Behörden beachtet – ob in Meetings auf der Geschäftsstelle oder auf dem Platz. Da unterscheidet sich der Fußball nicht von anderen Branchen.

Die Bundesliga-Clubs bereiten sich nun auf einen Tag X vor, von dem niemand weiß, ob und wann er kommen wird. Hochproblematisch, oder?

Auch da geht es uns nicht anders als anderen Branchen – oder auch als der Politik. Alle fahren gewissermaßen auf Sicht. Das heißt, dass man alle ein, zwei Wochen die Lage neu bewerten muss und sich dementsprechend anpassen muss. Da werden dann auch Planungen geändert. Das ist eine Herausforderung insbesondere für das Trainerteam. Das Ziel ist es, die Belastungssteuerung so zu lenken, dass, sollten wir weiterspielen und die Liga beenden, die Mannschaft dann auch in einem absolut guten Fitnesszustand ist. Darüber hinaus müssen die Spieler auch taktisch wieder zusammengeführt werden, sie müssen in einen gemeinsamen Rhythmus kommen. Das ist nicht leicht, wenn man zu viert trainiert. Da kann man maximal die Viererkette einstudieren. Aber auch das ist ohne Gegner nur suboptimal. Da müssen wir abwarten, wie sich die weitere Entwicklung gestalten wird.

Quelle: DeichStube

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