Werder mit 1:4-Niederlage beim BVB

Slapstick-Gegentore: Werder-Trainer Florian Kohfeldt ist nach Pleite in Dortmund restlos bedient

Florian Kohfeldt ist konsterniert: Der SV Werder Bremen brachte sich mit „Slapstick-Gegentoren“ gegen den BVB selbst auf die Verliererstraße.
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Florian Kohfeldt ist konsterniert: Der SV Werder Bremen brachte sich mit „Slapstick-Gegentoren“ gegen den BVB selbst auf die Verliererstraße.

Dortmund – „Pleiten, Pech und Pannen“ war mal eine äußerst beliebte Fernseh-Sendung in der ARD und hat Moderator Max Schautzer berühmt gemacht. Nun ist der SV Werder Bremen auf dem besten Weg, für eine Neuauflage zu sorgen. Nach zwei Eigentoren in den vergangenen Wochen wurde es nun beim Auswärtsspiel in Dortmund noch verrückter. Und Trainer Florian Kohfeldt war nach der 1:4 (1:3)-Pleite gegen den BVB wenig begeistert, diesen Slapstick-Anfall seiner Mannschaft moderieren zu müssen: „So geht das nicht!“

Denn mit der fünften Niederlage in Folge hat Werder Bremen gegen den BVB nicht nur einen Negativ-Vereinsrekord eingestellt, sondern sich im Abstiegskampf gehörig unter Zugzwang gebracht. Das Werder-Heimspiel gegen Mainz 05 am Mittwoch (20.30 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) wird da fast schon zu einem Schicksalsspiel.  „Ich erwarte jetzt, dass wir alle keine Ausreden suchen. Wir sind noch immer in einer guten Situation, was den Klassenerhalt angeht, aber am Mittwoch zählt‘s! Mittwoch können wir nicht erzählen, dass wir gegen eine Topmannschaft spielen. Mittwoch müssen wir alles tun, damit wir Mainz 05 hinter uns lassen“, forderte Kohfeldt. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt zwar weiterhin vier Punkte, aber Hertha BSC hat wegen der Corona-Quarantäne ein Spiel weniger absolviert.

Die letzten Wochen der Saison können also noch richtig ungemütlich werden für die Bremer. Vor allem, wenn das Team so auftritt wie in Dortmund. „Wir haben den Kopf verloren“, schimpfte Kohfeldt und stellte frustriert fest: „Wir haben 75 Minuten lang ordentlich Fußball gespielt, sind aber trotzdem sehr sauer und unzufrieden, weil wir in 16 Minuten alles weggeschenkt haben.“ Das darf sich eine Bundesligamannschaft nicht erlauben.

Werder Bremen geht beim BVB früh in Führung - und fängt sich dann ein Traumtor

Dabei hatte es so gut begonnen. Kohfeldts Rotation mit gleich sechs Wechseln in der Startelf im Vergleich zum Leipzig-Spiel zahlte sich aus. Der Coach hatte die jungen Wilden bei Werder Bremen wie Manuel Mbom, Eren Dinkci, Felix Agu und auch Josh Sargent auf die Bank gesetzt und dafür auf erfahrene Kräfte wie zum Beispiel Yuya Osako und Leonardo Bittencourt gesetzt. Letzterer war zuletzt gar nicht mehr berücksichtigt worden. Seine Reaktion auf dem Platz war giftig und unangenehm für den Gegner. So hatte sich das Kohfeldt gewünscht. Er ließ zwar mit einer Fünferkette, in der Christian Groß den verletzten Ömer Toprak als Chef ersetzte, und einem Dreier-Mittelfeld davor sehr tief verteidigen, aber bei Ballgewinn hatte der Coach Attacke befohlen. Schon in der 14. Minute ging dieser Plan auf. Maximilian Eggestein schickte Milot Rashica auf die Reise, der wie in seinen besten Zeiten erst Mats Hummels stehen ließ und dann mit einem Rechtsschuss in die lange Ecke zum 1:0 vollstreckte.

Es hätte noch besser kommen können, als Eggestein, Osako und Rashica in einem Drei-zu-eins auf BVB-Abwehrmann Manuel Akanji zuliefen, sich aber nicht auf die geeignete Strategie einigen konnten. Das sollte sich bitterböse rächen.
Giovanni Reyna gelang mit einem unhaltbaren Gewaltschuss der Ausgleich (29.). „Ein Traumtor“, befand Florian Kohfeldt, monierte aber zugleich: „Da öffnen wir einen Raum, den wir nicht öffnen dürfen. Das war vorher klar besprochen.“

Werder Bremen kassiert „Slapstick-Tore“ beim BVB in Dortmund - Florian Kohfeldt: „Darf so niemals passieren“

Wen genau der Coach des SV Werder Bremen meinte, ließ er offen – anders als beim zweiten Gegentor. Kevin Möhwald hatte Marco Reus im Strafraum ziemlich ungeschickt zu Fall gebracht, Erling Haaland den fälligen Strafstoß zum 2:1 verwandelt (34.). „Den Elfmeter darfst du niemals so kassieren“, ereiferte sich Kohfeldt und bezeichnete diesen wie auch den nächsten Treffer als „Slapstick-Tore“. Wobei Nummer zwei bei „Pleiten, Pech und Pannen“ gewiss für mehr Lacher gesorgt hätte. Denn es war kaum zu glauben, dass Reynas Hereingabe von Groß so unglücklich abgefälscht wurde, dass Möhwald den Ball sogar noch unglücklicher an den Fuß bekam, sodass Haaland zum 3:1 ins leere Tor schießen konnte (38.).

„Wir haben uns in kürzester Zeit die Tore so ein bisschen selber reingehauen“, seufzte Friedl, der allerdings den dritten Gegentreffer mit einem bösen Fehlpass eingeleitet hatte. Teamkollege Niklas Moisander konnte anschließend Vorlagengeber Reyna nicht stoppen. Und so war es eben nicht nur Pech, dass Werder Bremen gegen den BVB zurücklag, sondern auch eine Frage der Qualität.

Werder Bremen gegen den BVB: Nächstes Bremer Eigentor wird als Mats Hummels-Tor gewertet

Immerhin brach Werder Bremen nicht komplett ein. Im Gegenteil: Nach einer Stunde gab Florian Kohfeldt mit der Hereinnahme von Josh Sargent und Davie Selke das Signal, mehr Risiko zu gehen. Und siehe da, es gab auch Chancen. Eggesteins Schuss klatschte an den Pfosten (63.), und Sargent hatte in der 73. Minute gleich zwei Mal den Anschlusstreffer auf dem Fuß. Ihm fehlte im Abschluss einfach die Klasse, ähnlich erging es wenig später Selke (79.).

Traurig, aber wahr: Hinten klappte es mit dem Toreschießen besser. Theodor Gebre Selassie beförderte einen Hummels-Kopfball unglücklich über die Linie (87.). Anders als seinen Kollegen Sargent (gegen Wolfsburg) und Ludwig Augustinsson (gegen Stuttgart) blieb dem Tschechen die Schmach als Eigentorschütze aber offiziell erspart. Warum auch immer. Die Bezeichnung „Slapstick-Tor“ von Kohfeldt dagegen nicht. „Das müssen wir dringend abstellen“, forderte der Trainer ein schnelles Ende dieser „Pleiten, Pech und Pannen“. Ansonsten könnte es mit der Erstklassigkeit bald vorbei sein. (kni/dco) Auch interessant: In unserem TV-Guide erfahrt ihr, wie ihr das Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und Mainz 05 live im TV und im Livestream sehen könnt.

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