Baumann: „Wir werden eine Reaktion sehen“

Kohfeldt krempelt einiges um

Florian Kohfeldt hatte sichtlich Spaß bei seiner ersten öffentlichen Einheit als Werder-Coach und hörte Fin Bartels amüsiert zu, während Luca Caldirola mit seinem Leibchen kämpfte.
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Florian Kohfeldt hatte sichtlich Spaß bei seiner ersten öffentlichen Einheit als Werder-Coach und hörte Fin Bartels amüsiert zu, während Luca Caldirola mit seinem Leibchen kämpfte.

Bremen - Es war kurz nach 15.00 Uhr, als unter den Fernsehteams für einen kurzen Moment hektische Betriebsamkeit aufkam.

Rund 100 Meter entfernt hatte sich am Weserstadion gerade das schwere Rolltor in Bewegung gesetzt, dann kam er raus – der Mann für den am Donnerstag zahlreiche Journalisten und rund 150 Fans gekommen waren: Florian Kohfeldt. 50 Minuten – länger sollte Werders erstes öffentliches Training unter dem neuen Coach in der Folge nicht dauern. Die Zeit reichte jedoch aus, um zu erkennen, dass Kohfeldt vor dem heutigen Auswärtsspiel in Frankfurt (20.30 Uhr, Eurosport Player) einiges verändern wird.

Johannsson im Frankfurt-Kader

Bereits bei seiner offiziellen Vorstellung am Mittwoch hatte der 35-Jährige erklärt, dass sich auch die unter seinem Vorgänger Alexander Nouri aussortierten Profis wieder empfehlen können – Aron Johannsson hat diese Chance in den wenigen Tagen unter Kohfeldt offenbar genutzt. Jedenfalls wird der Stürmer Freitag erstmals seit dem zweiten Spieltag wieder im Bremer Kader stehen.

Während des Abschlusstrainings wirkte der 26-Jährige wie ausgewechselt, war enorm treffsicher – und steckte die Kollegen mit seiner guten Laune an. „Es war heute eine Einheit für die Stürmer“, sagte Sportchef Frank Baumann, „da hat Aron natürlich seine Qualitäten.“ Zu einem möglichen Einsatz Johannssons in Frankfurt wollte sich der 42-Jährige zwar nicht äußern, sagte aber immerhin: „Vorstellbar ist generell alles.“

Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern

Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23.
Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23. © gumzmedia
Viktor Skripnik, Florian Kohfeldt und Torsten Frings
Im Oktober 2014 wurde Skripnik nach der Entlassung Robin Dutts Cheftrainer bei den Profis. Seine Co-Trainer bei der U23, Kohfeldt und Torsten Frings, folgten ihm in die Bundesliga. © Gumz
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank.
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank. © gumzmedia
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück.
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Seit Oktober 2016 ist er dort als Trainer tätig und schaffte in der Saison 2016/17 den Klassenerhalt. © Gumz
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer.
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Kohfeldt genießt bei Werder eine sehr hohe Wertschätzung. „Er kann Spieler weiterentwickeln. Er hat eine klare Ansprache. Er ist ein intelligenter, junger, innovativer Trainer“, lobte Sportchef Frank Baumann nach Kohfeldts Beförderung. © Gumz
Florian Kohfeldt
Zwar setzte Kohfeldt in seinem ersten Erstliga-Spiel als Cheftrainer mit Werder neue Impulse, das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ging durch ein spätes Gegentor trotzdem mit 1:2 verloren. © Gumz
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause.
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hatte Erfolg, wurde fest als Cheftrainer installiert und führte Werder aus der Abstiegszone in der Bundesliga. © Gumz
Florian Kohfeldt
Anfang April 2018 unterschrieb Kohfeldt einen Vertrag bei Werder bis 2021. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt blieb in der Saison 2017/2018 in allen zwölf Heimspielen als Cheftrainer ungeschlagen. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hat Werder eine neue Handschrift und Mentalität verpasst. Mit ihm soll es nun wieder dauerhaft aufwärts gehen. © Gumz
Der DFB verleiht Florian Kohfeldt den „Trainerpreis des deutschen Fußballs 2018“. Der „Trainer des Jahres 2018“ begeistert nicht nur an der Weser.
Der DFB verleiht Florian Kohfeldt den „Trainerpreis des deutschen Fußballs 2018“. Der „Trainer des Jahres 2018“ begeistert nicht nur an der Weser. © imago images/Jan Huebner
Der Chef bleibt an Bord - Ende Juli hat Florian Kohfeldt seinen Vertrag bei Werder Bremen vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert.
Der Chef bleibt an Bord - Ende Juli 2019 hat Florian Kohfeldt seinen Vertrag bei Werder Bremen vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert. © gumzmedia

Viel Zeit hatte Kohfeldt bekanntlich nicht, um die Mannschaft auf das so wichtige Duell vorzubereiten. Den Draht zum Team scheint er aber gefunden zu haben. Während des abschließenden Trainingsspiels schritt er mit hinter dem Rücken verschränkten Armen über den Platz und nutzte jeden Gelegenheit für kurze Gespräche mit den Spielern.

Die wiederum gingen intensiv zur Sache, die Konzentration war praktisch greifbar. „Ich habe eine sehr entschlossene Mannschaft gesehen“, hielt Baumann hinterher fest, „das war genau das, was uns zuletzt gefehlt hat“. Nach dem desolaten Auftritt beim 0:3 gegen Augsburg hatte der Sportchef erstmals in dieser Saison die Mentalität der Mannschaft scharf kritisiert. „Jetzt gehe ich ganz stark davon aus, dass wir in Frankfurt eine Reaktion sehen werden“, sagte er. 

„Kohfeldt ist mit großer Begeisterung dabei“

Baumann wäre es freilich nur Recht, wenn Kohfeldt als Trainer einen Impuls setzt, womöglich sogar als Dauerlösung funktioniert. Holt der bisherige U23-Trainer gegen die Hessen den ersten Bremer Saisonsieg, gibt es keinen Grund dafür, überstürzt einen neuen Trainer zu holen. Am Mittwoch hatte Baumann im Presseraum des Weserstadions noch ein wahres Loblied auf Kohfeldt gesungen. Einen Tag später war er dann bemüht, die Erwartungshaltung an den Fußballlehrer nicht allzu groß werden zu lassen: „Es dürfen jetzt keine Wunderdinge von ihm erwartet werden.“

Vergleiche mit Hoffenheims gehyptem Trainer Julian Nagelsmann, die seit Mittwoch hier und da zu lesen waren, drängen sich ob der Gemeinsamkeiten zwischen den beiden jungen Trainern zwar auf – weder Baumann noch Kohfeldt hören sie allerdings wirklich gerne. Baumann wies lieber daraufhin, „dass uns in Frankfurt ein ganz schweres Spiel erwartet“. Dann sagte er noch: „Florian ist mit großer Begeisterung dabei.“ Das breite Grinsen, dass sich bei diesen Worten auf das Gesicht des Sportchefs legte, muss nichts bedeuten. Wie ein schlechtes Zeichen wirkte es aber auch nicht.

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