Vor Spiel gegen den Hamburger SV

Kohfeldt hofft auf Fan-Hilfe und ein friedliches Derby

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Florian Kohfeldt freut sich auf sein erstes Nordderby als Cheftrainer von Werder Bremen.

Bremen - Es ist DAS Spiel der Rückrunde! Werder gegen den HSV – mehr Prestige, mehr Kribbeln, mehr Brisanz hat der Norden in Sachen Fußball nicht zu bieten.

Florian Kohfeldt wirkt, wie er fast immer wirkt. Entspannt, kontrolliert, ruhig. Er trägt den obligatorischen Trainingsanzug, spricht in geschliffenen Sätzen und nichts an ihm lässt erkennen, dass er gerade auf das wohl wichtigste Spiel seiner noch jungen Trainer-Karriere zusteuert. Es ist das Spiel Werder Bremen gegen den Hamburger SV – besser bekannt als Nordderby. Mehr Prestige, mehr Kribbeln, mehr Brisanz hat der Norden in Sachen Fußball nicht zu bieten. Und wie bereits in den vergangenen Jahren, als die Werder-Trainer noch nicht Kohfeldt, sondern Nouri, Skripnik oder Dutt hießen, geht es für beide Teams auch diesmal wieder um den Klassenerhalt. „Wir müssen nicht drumherum reden: Dieses Spiel ist sehr speziell“, sagt Kohfeldt.

Um die besondere Besonderheit der 108. Bundesliga-Auflage des Duells herauszustreichen, genügt ein Blick auf die Tabelle. Mit einem Sieg würden sich die Bremer mit dann neun Punkten vom Hamburger SV absetzen und die direkten Abstiegsplätze schon einigermaßen weit hinter sich lassen. „Das wäre zwar nur ein Schritt, aber es wäre ein guter Schritt“, meint Kohfeldt.

Damit dieser Schritt auch tatsächlich gemacht werden kann, wünscht sich der Coach für die Tage bis zum Spiel (Samstag, 18.30 Uhr) die volle Dosis Fan-Support – gerne auch beim Abschlusstraining am Freitag. Kohfeldt: „Über zusätzliche Unterstützung würden wir uns sehr freuen. Wenn die Fans da stehen, weiß man sofort, dass etwas Besonderes im Gang ist.“

Nordderby natürlich. Fan-Gesänge am Trainingsplatz, Anfeuerung schon bei der Anfahrt des Mannschaftsbusses zum Weserstadion – das ist das, was Kohfeldt sich erhofft. Das ist auch das, was Werder-Fans besonders gut können – die vergangenen Jahre haben es gezeigt. Beim bis dato letzten HSV-Gastspiel in Bremen zerplatzten aber auch Farbbeutel am HSV-Bus. „Wir brauchen Emotionen im positiven Sinn“, erklärt Kohfeldt: „Was wir aber nicht wollen, sind fliegende Farbbeutel.“ Denn das sind genau die Anfänge, die sich zu Ausschreitungen auswachsen können. Und das, Kohfeldt macht es nochmal deutlich, wäre das Schlimmste, was passieren kann: „Wir alle wollen mit allem, was wir haben, das Spiel gewinnen. Aber bitte friedlich!“

Eigentlich sollte/müsste das gar nicht das Thema eines Trainers sein. Aber wenn es um das Nordderby geht, sind alle Botschaften, die zur Besonnenheit mahnen, wichtig. Aufforderungen zum Aufmischen, wie vom neuen HSV-Präsidenten Bernd Hoffmann hinausposaunt, sind da – sagen wir es vorsichtig – kontraproduktiv. Kohfeldt macht dieses Thema deshalb auch nicht zu seinem. „Ich konzentriere mich eher auf Bernd Hollerbach als auf Bernd Hoffmann“, sagt er mit Verweis auf den neuen, nach vier Spielen aber noch sieglosen HSV-Trainer.

Für Hollerbach und Kohfeldt wird es das erste Nordderby als Cheftrainer sein. Während der HSV-Coach einst als HSV-Profi neunmal in einem Derby (vier Siege, drei Remis, zwei Niederlagen) dabei war, kennt Kohfeldt die Partie nur als Fan auf der Tribüne oder als Bremer Co-Trainer (vier Duelle, ein Sieg, drei Niederlagen). „Jetzt kommt nochmal eine Perspektive dazu“, sagt er, und die Vorfreude auf die Partie verdrängt kurz die Entspanntheit und Kontrolliertheit. „Ich freue mich jetzt schon drauf, wenn wir am Samstag aus dem Parkhotel Richtung Stadion aufbrechen und in der Stadt die Werder-Fahnen hängen“, verrät der Werder-Trainer, der bislang noch kein Heimspiel verloren hat. Bleibt es am Samstag dabei, gilt umso mehr, was laut dem 35-Jährigen jetzt schon gesichert ist: „Für die Fans, aber auch für uns ist ein Nordderby immer ein Feiertag.“

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Das Nordderby: Kuriose Fakten und spektakuläre Ereignisse

Symbolbild
Beim Nordderby im Jahr 1967 fand die erste Auswechslung der Bundesliga-Geschichte statt. Hamburgs Torhüter Arkoc Özcan hatte sich in der 18. Minute den kleinen Finger gebrochen – für ihn kam Ersatzkeeper Erhard Schwerin in den Kasten. Die Regel, die Auswechslungen ermöglichte, war erst kurz zuvor eingeführt worden. © imago sportfotodienst (Symbolbild)
Nordderby
Ende einer Serie: 36 Bundesligaspiele in Folge war der HSV zwischen den Jahren 1982 und 1983 ungeschlagen. Ausgerechnet Werder stoppte den Lauf des Rivalen. Die Grün-Weißen siegten 3:2. © imago sportfotodienst
Nordderby
Das Nordderby im Jahr 1972 wurde vor gerade einmal 8000 Zuschauern ausgetragen – Negativrekord. Weniger kamen davor und danach nie zum Duell der Nordrivalen. Ein Grund für das geringe Interesse: Kurz zuvor war der legendäre Bundesliga-Skandal aufgeflogen. © imago sportfotodienst
Nordderby
Ehrenrunde über dem Weserstadion: Nach Hamburgs Meisterschaft in der Saison 1982/1983 hatte Horst Hrubesch eine ganz besondere Idee. Auf dem Rückflug vom letzten Spieltag überredete der HSV-Profi den Piloten der Fokker-Maschine, eine Ehrenrunde über dem Weserstadion in Bremen zu drehen. © imago sportfotodienst
Nordderby
An diesen Tag erinnern sich die Bremer nur ungern. Am 27. November 1971 lässt Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler die Werder-Profis in der zweiten Halbzeit beim Auswärtsspiel in Hamburg mit HSV-Trikots auflaufen. Der Grund: Für Eschweiler waren sich Werder- und HSV-Trikots zu ähnlich – Verwechslungsgefahr! Weil Werder aber keine Ersatztrikots dabei hatte, mussten die Grün-Weißen die ungeliebte HSV-Raute auf der Brust tragen. © imago/Future Im age
Nordderby
Ailton ist eben doch ein Bremer! 2006 nagelte der Brasilianer im Trikot der Hamburger den Ball im Derby völlig freistehend aus acht Metern über das leere Tor. Der HSV unterlag 1:2. Durch die Pleite zog nicht Hamburg, sondern Bremen in die Königsklasse ein. Wenig später war Ailtons Zeit beim HSV beendet – er wurde verkauft. © nordphoto
Nordderby
Beim Derby 2008 versuchten die Hamburger im Kampf um die Champions-League-Plätze mit einem Psychotrick zu punkten: Beim Duell in Hamburg wurde die Gästekabine mit HSV-Flaggen ausstaffiert. Der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Bremer ließen sich nicht beeindrucken, gewannen und wurden am Ende Zweiter in der Tabelle – der HSV musste sich mit Rang vier begnügen. © nordphoto
Nordderby
Werders höchster Auswärtssieg in Hamburg gelang am 22. September 2001 mit einem 4:0. Bremens gefeierter Held: Marco Bode. Der Stürmer erzielte einen Treffer selbst und bereitete zwei weitere vor. Das höchste Heimsieg war in der Meistersaison 2004 sogar ein 6:0. © nordphoto
Nordderby
Das wohl berühmteste Tor der Nordderby-Geschichte: Frank Baumanns Kopfballtreffer bedeutet für Werder den Einzug ins UEFA-Cup-Finale 2009. Es sorgte auch für einen der drei Werder-Siege gegen den HSV in drei Wettbewerben binnen 19 Tagen. Kurios war aber auch die Entstehung der Ecke vor Baumanns Tor: Der Ball hoppelte über eine Papierkugel, die ein HSV-Fan auf den Rasen geworfen hatte. HSV-Abwehrmann Michael Graavgaard traf den Ball nicht richtig - es gab Ecke für Werder. © imago
Nordderby
Ausgerechnet ein Wahl-Hamburger ersteigerte die legendäre Papierkugel. Matthias Seidel, Gründer von „transfermarkt.de“, erwarb die Kugel, um sie später im Werder-Museum ausstellen zu lassen. © nordphoto
Nordderby
Adrian Maleika. Der Name steht synonym für die größte Tragödie der Derby-Geschichte. Der Werder-Fan wurde vor dem Spiel am 16. Oktober 1982 auf dem Weg ins Volksparkstadion von Hamburger Hooligans brutal angegriffen. Bei einem Steinwurf erlitt der 16-jährige Lehrling einen Schädelbasisbruch und Gehirnblutungen. Einen Tag später starb er. Er gilt als erstes Todesopfer bei Hooligan-Übergriffen in Deutschland. © imago
Nordderby
Noch eine der ganz bitteren Geschichten des Nordderbys: Am 20. September 1989 spielte Ditmar Jakobs sein letztes Bundesliga-Spiel. Im Weserstadion rutschte der HSV-Verteidiger bei einer Rettungsaktion ins Tor. Dort bohrte sich ein defekter Karabinerhaken der Toraufhängung in seinem Rücken. Jakobs kam nicht mehr los, der Haken musste mit einem Skalpell herausgeschnitten werden. Dabei wurden seine Nerven so stark verletzt, dass an Profisport danach nicht mehr zu denken war. © imago
Nordderby
Niederlagen sind nie schön, die am 14. Mai 1988 gegen den HSV gilt aber als eine der schönsten Werder-Pleiten. Die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel ging zwar zu Hause mit 1:4 gegen die Hamburger baden. Aber das juckte keinen: Die Bremer hatten die zweite Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte schon perfekt gemacht - und durften nach dem Spiel die Schale vor den Augen des Rivalen in die Höhe recken. © imago
Nordderby
So unschön die Szene, so schnell wurde sie auch legendär: Werder-Keeper Tim Wiese verwechselte im Mai 2008 Fußball mit Kung Fu und senste beim Herauslaufen HSV-Stürmer Ivica Olic derart um, als wolle er ihm den Kopf abtreten. Ob Wiese da schon den Gedanken an eine Karriere im Wrestling entwickelt hat? Franz Beckenbauer sprach danach von Mordversuch, ein Unbekannter stellte sogar Strafanzeige wegen versuchten Totschlags. Der Schiedsrichter zeigte im Spiel jedenfalls nur Gelb. © imago
Nordderby
Klar ist: Werder Bremen gegen den Hamburger SV - es ist das ewige Duell der Bundesliga. Kein Spiel gab es häufiger. Zum 100. Nordderby präsentierten die Werder-Fans im Weserstadion eine beeindruckende Choreografie. „100 Spiele wie im Märchen“, schrieben die Fans und klappten das Geschichtsbuch auf. Am Ende stand: „Und die Moral von der Geschicht‘, Bremen ist geil, Hamburg nicht.“ © nordphoto

Video vom Fan-Support beim Abschlusstraining vor dem 107. Nordderby

Quelle: DeichStube

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