Trainer-Duell am Samstag

Schon früh am Scheideweg: Werder-Trainer Kohfeldt und Schalke-Coach Wagner stehen unter Druck – nun spielen sie gegeneinander

Florian Kohfeldt, Coach des SV Werder Bremen und David Wagner, Coach von Schalke 04.
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Florian Kohfeldt, Coach des SV Werder Bremen, oder David Wagner, Coach von Schalke 04: Wer gewinnt das Trainer-Duell am Samstagabend und verschafft sich ein wenig Ruhe?

Bremen – Natürlich ist es kein Endspiel! Zumindest nicht im engeren Wortsinne. Denn wenn Werder Bremen am Samstagabend, ab 18.30 Uhr, beim FC Schalke 04 zum zweiten Bundesliga-Spieltag antritt, geht es um – richtig! – Punkte. Nicht mehr, nicht weniger. 

Auch dass beide Mannschaften ihren Auftakt böse (Werder Bremen, 1:4 gegen Hertha BSC) und richtig, richtig böse (Schalke 04, 0:8 beim FC Bayern) vor die Wand gefahren haben, wäre für sich genommen kein allzu großes Problem. Es hat sie in der Liga schließlich schon häufiger gegeben, jene Vereine, die schlecht starten, um später noch äußerst erfolgreich abzuschneiden. Und doch ist die Sache vor dem Bremer Gastspiel in Gelsenkirchen nicht ganz so einfach. Denn natürlich ist es ein Endspiel! Zumindest im übertragenen Wortsinne. Weil es für beide Trainer um sehr viel geht – für den einen vermutlich sogar schon um: alles.

David Wagner, 48 Jahre alt, seit 450 Tagen Trainer von Schalke 04 – und seit 250 Tagen ohne Bundesliga-Sieg, womit wir beim Problem der Sache wären. Wagner wackelt. Aber gewaltig. Aus Gelsenkirchen ist zu hören, dass das Spiel gegen Werder Bremen sein letztes als Coach der Königsblauen sein dürfte, wenn er es denn verliert. Der Sportinformationsdienst hat sich die Mühe gemacht, und nachgeschlagen, dass Wagners 17 Sieglos-Spiele am Stück schon jetzt Platz drei der Bundesliga-Historie bedeuten. Nur Bernd Hoss, der mit Blau-Weiß 90 Berlin in der Serie 1986/87 nach 21 Spielen ohne Erfolg Letzter wurde, und Heinz-Ludwig Schmidt, der mit Tasmania Berlin 1965/66 20 Mal nicht gewann, waren noch länger sieglos und im Amt geblieben. Für Wagner wird Werder also zur Waagschale, was sie in Bremen aber nicht als eigenen Vorteil werten wollen.

Werder Bremen und Schalke 04 konnten nicht einmal andeuten, dass auf die Krise ein Aufschwung folgen soll

„Es ist wichtig, dass wir uns auf uns konzentrieren und nicht gucken, was bei Schalke los ist“, betont Clemens Fritz – und der Leiter Profi-Fußball hat allen Grund, das so zu sagen. Schließlich gibt die Lage an der Weser im September 2020 auch keinen Anlass für grenzenlose Euphorie. Was die Wagner’schen Schreckenszahlen angeht, kann Werder-Trainer Florian Kohfeldt zwar nicht mithalten (sein letzter Sieg in der Bundesliga datiert vom letzten Spieltag der Vorsaison, ist also erst zarte 88 Tage alt), aber dennoch teilen beide Übungsleiter vor dem direkten Duell ihrer Teams ein Problem: Noch haben sie nicht mal andeuten können, dass auf die Krise der Vorsaison in der neuen Spielzeit der Aufschwung folgt.

Während David Wagner seinen Job nach einer trostlosen Rückrunde mit nur neun Pünktchen nur deshalb nicht verlor, weil sich Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider gegen die Widerstände im Aufsichtsrat durchsetzte und an seinem Wunschtrainer festhielt, war auch Kohfeldts Zukunft bei Werder mitten im Abstiegskampf kritisch hinterfragt worden – von der Öffentlichkeit wohlgemerkt, nicht im Verein, wo sich sowohl Sportchef Frank Baumann als auch Aufsichtsratsboss Marco Bode frühzeitig pro Kohfeldt positioniert hatten. Und das mit derselben Überzeugung, wie es auch Schneider auf Schalke getan hatte: Wird im neuen Jahr auf jeden Fall deutlich besser werden.

Werder Bremen gegen Schalke 04: Ein Endspiel für die Trainer?

Bei Werder Bremen wurde diese Haltung durch 13 Punkte nach der Corona-Pause gespeist – im gleichen Zeitraum holte Wagner mit S04 nur zwei Zähler. Diese Zahlen machen es nachvollziehbar, dass das Trainer-Thema auf Schalke längst dabei ist, wieder Züge eines Dramas anzunehmen, während es in Bremen so richtig noch keines ist. Es liegt natürlich auch an Schalkes noch deutlich desaströserem Saisonstart sowie in der Natur der Sache, sprich in der DNA beider Vereine. Die Aufregung in Gelsenkirchen sehen Bremer Fans zwar auch auf Werder zurollen, sollte ihr Team am Samstag verlieren, Fritz dagegen formuliert für jeden erdenklichen Fall einen Ruheschwur. „Das wird hier nicht passieren“, sagt er über eine etwaige Trainerdiskussion, „wir sind total überzeugt von Florian und seiner Arbeit. Da brauchen wir gar nicht ausführlicher ins Thema zu gehen.“ Der Ex-Profi dürfte aber auch wissen, dass Florian Kohfeldt durch das Vorjahr an Kredit eingebüßt hat und sich keinen kompletten Fehlstart in die neue Saison leisten sollte, wenn es nicht ungemütlich werden soll für ihn.

Das direkte Duell der beiden Trainer, das noch schnell zum Abschluss, ist übrigens ausgeglichen. Spiel Nummer eins gewannen Wagners Schalker im November 2019 mit 2:1. Spiel Nummer zwei ging im Mai 2020 an Kohfeldts Bremer – 1:0. Damals, am 29. Spieltag der Vorsaison, hat noch keiner der beiden Männer geahnt, dass ihr drittes Aufeinandertreffen zu einer Art Endspiel wird. Also nicht sinngemäß. Gefühlt aber mindestens.   (dco)

Zur letzten Meldung vom 15. September 2020:

Wer fliegt als Erstes? Nur Schalke-Coach David Wagner bei den Buchmachern vor Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Bremen – Welcher Trainer fliegt als erster? Diese Frage beschäftigt die Buchmacher in jedem Jahr aufs Neue, und es werden vor dem Start einer Bundesliga Quoten für jeden Coach festgelegt. Und dieses Mal ist Werder Bremens Übungsleiter Florian Kohfeldt ganz weit vorne mit dabei.

Der Sportwettenanbieter „bwin“ zahlt für einen Euro Einsatz nur 3,50 Euro zurück, falls der Coach des SV Werder Bremen als erster der 18 Bundesliga-Trainer seinen Posten räumen muss. Damit liegt Florian Kohfeldt, der nach dem Fast-Abstieg in der vergangenen Saison natürlich angezählt ist, auf Platz zwei. Noch niedriger ist die Quote nur bei Schalkes David Wagner, der mit 2,25 der heißeste Anwärter auf den ersten Trainer-Rauswurf der Saison ist.

Werder Bremen: Trainer von Auftakt-Gegner Hertha BSC ebenfalls wahrscheinlicher Kandidat

Bruno Labbadia, Coach des ersten Bremer Bundesliga-Gegners Hertha BSC, wird ebenfalls als ein wahrscheinlicher Kandidat gehandelt. Seine Quote liegt aber immerhin bei 10,00. Am unwahrscheinlichsten erscheint für die Buchmacher, dass Hansi Flick vom FC Bayern oder Christian Streich vom SC Freiburg als erste Trainer der Liga ihren Hut nehmen müssen. Beide kommen auf eine Quote von 67,00. (csa)

Bundesliga-Start: Hier gibt es Werder Bremen gegen Hertha BSC im Live-Ticker.

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