Kainz kommt für 3,5 Millionen nach Bremen

Werders neue Flügelrakete

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Florian Kainz (Archivbild)

Bremen – Von Michael Baltes. Er ist pfeilschnell, technisch stark und dazu noch torgefährlich: Mit Florian Kainz hat Frank Baumann nach dem Abgang von Levin Öztunali eine gute Lösung für Werders Außenbahn gefunden.

„Ich will einmal ins Ausland“, hatte Florian Kainz vor Jahren einmal gesagt. Damals hatte er gerade bei den Profis seines Jugendvereins Sturm Graz Fuß gefasst. Was seinerzeit noch etwas vollmundig klang und auch entsprechend von der Öffentlichkeit nach ein paar schwächeren Vorstellungen des Mittelfeldspielers mit Häme bedacht worden war, ist nun kein Wunschdenken mehr. Kainz hat den Sprung aus der österreichischen in die deutsche Bundesliga geschafft. In der kommenden Woche wird der 23-Jährige den Medizincheck in Bremen absolvieren und anschließend einen langfristigen Vertrag – wohl über vier Jahre – unterzeichnen. Ein Schritt, der mittlerweile alles andere als überraschend kommt.

Diejenigen, die ihn einst mit Häme bedachten, dürften längst gemerkt haben, dass ihre Einschätzung über sein fußballerisches Können falsch war. Denn schon in Graz, wo Kainz im August 2010 als 17-Jähriger sein Profidebüt gab, machte der Flügelspieler schnell mit starken Leistungen auf sich aufmerksam. 2014 folgte der Wechsel zu Rapid Wien. Bei Österreichs Rekordmeister ließ Kainz nach einer etwas durchwachsenen ersten Saison eine überragende zweite folgen, in der er vor allem als Vorbereiter glänzte (19 Assists). Unbemerkt blieben seine Auftritte nicht. Im Winter bemühte sich unter anderem Borussia Mönchengladbach um seine Verpflichtung, blitzte aber ab. Im Sommer hat es Bremen versucht, mit Erfolg. Zur Freude von Werders Sportchef Frank Baumann, der den Mittelfeldspieler schon vor drei, vier Jahren im Auftrag von Werder beobachtet hatte: „Ich habe mich gewundert, dass er jetzt immer noch bei Rapid war und nicht schon längst gewechselt ist“, so der 40-Jährige.

Eine kurze Suche bei YouTube lässt schnell erahnen, was Baumann damit meinen könnte. Kainz ist technisch versiert, pfeilschnell und hat dazu einen starken Abschluss. Er kann auf beiden Flügeln und auch im zentralen Mittelfeld eingesetzt werden. „Wenn es Probleme mit der Kreativität im Spielaufbau gibt, dann zieht er die Bälle an. Er ist überall auf dem Spielfeld zu finden", lobt Jakob Rosenberg, Rapid-Experte vom österreichischen Fußballmagazin "ballesterer" gegenüber "Spox.com". Eine Eigenschaft, die in Bremen dringend gesucht wird. An Kreativität mangelt es dem Bremer Spiel nicht erst seit der vergangenen Saison.

Kainz Hauptaufgabe bei Werder dürfte es aber sein, Flügelspieler Levin Öztunali zu ersetzen, der nach Leverkusen zurückgekehrt ist. Überhaupt muss der 23-Jährige erst einmal zeigen, dass er mit seinen Fähigkeiten in der deutschen Bundesliga bestehen kann. All zu große Bedenken dürfte es da aber nicht geben – schließlich hat Kainz mit Rapid schon in der Europa League und in der Champions-League-Qualifikation gespielt - und da ebenfalls überzeugt.

Kainz: „Star bin ich keiner“

Neben dem Platz lässt der 23-Jährige schon lange lieber andere die Sprüche klopfen. Aus seiner Erfahrung einst in Graz hat er gelernt: Reißt man den Mund zu weit auf, „kommt das irgendwann zurück“, sagte er im vergangenen September dem "Kurier". Großspuriges Gehabe passt sowieso nicht zum Auftreten des Blondschopfs. Das Gegenteil ist der Fall. Kainz präsentiert sich auf und neben dem Platz ohne Starallüren: „Star bin ich keiner, aber natürlich läuft es zur Zeit ganz gut bei mir", wurde er im vergangenen November im "Kurier" zitiert. In dem Artikel ging es auch um eine mögliche EM-Nominierung des 23-Jährigen, der im selben Monat sein Debüt im ÖVB-Team gefeiert hatte.

„Natürlich wäre es ein Traum, aber das habe ich nicht zu entscheiden“, so Kainz, der damals trotz seiner überragenden Saison keinerlei Ansprüche stellte: „Ich weiß, dass ich im erweiterten Kader bin, aber auch, dass der Stamm eine super Quali gespielt hat und die Spieler es sich verdient haben, bei der EM zu spielen." Es sind Sätze, die so in der Art schon viele andere Fußballer formuliert haben – oftmals sind es nicht mehr als Floskeln. Kainz nimmt man dieses Understatement aber ohne jeden Zweifel ab. Bei ihm passt es zum Gesamtbild, des "stillen Linksaußen", wie der "Standard" ein Portrait über den Österreicher betitelte. Auch nachdem klar war, dass Kainz nicht für die EM berücksichtigt wurde, kam kein böses Wort über die Lippen des 23-Jährigen.

Zu seinem gesamten Auftreten passt auch sein Abschied aus Wien. Auf seiner Fanpage bei Facebook veröffentlichte Kainz wenige Minuten nach Bekanntwerden seines Wechsel ein Video, in dem er sich bei den Rapid-Fans für die letzten zwei Jahre herzlich bedankt und sich von seinem Club verabschiedet. Es ist eine kurze Botschaft, nichts Besonderes - aber sie wirkt authentisch. Das ist im Profifußball nicht selbstverständlich.

Kainz und Werder, das kann passen.

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