Das taugt die Werder-Anleihe

Finanz-Experte im DeichStube-Interview über die Anleihe des SV Werder Bremen: „Das ist schon ein Pfund“

In der Coronakrise braucht Werder Bremen Geld und besorgt es sich nun auch über eine Mittelstandsanleihe - ein Experten-Interview.
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In der Coronakrise braucht Werder Bremen Geld und besorgt es sich nun auch über eine Mittelstandsanleihe - ein Experten-Interview.

Bremen – In der Coronakrise braucht der SV Werder Geld – und besorgt es sich nun auch über eine Mittelstandsanleihe. Falko Bozicevic ist Experte auf diesem Gebiet. Im Interview mit der DeichStube sagt der Chefredakteur des „GoingPublic Magazins“ und des KMU-Anleihen-Portals BondGuide (www.bondguide.de), was er von der Werder-Anleihe hält.

Herr Bozicevic, Sie sind Experte für Mittelstandsanleihen, würden Sie die Werder-Anleihe zum Kauf empfehlen?

Grundsätzlich muss man noch den Wertpapierprospekt abwarten, der für alle Interessierten wie auch uns Medien die maßgebliche Angebotsgrundlage darstellt. Ohne finale Kenntnis der genauen Eckdaten würde ich per heutigem Stand sagen, dass Werder Bremen um einiges mehr als viele andere Fußballclubs eine erfolgreiche Debütanleihe erwarten darf.

Warum?

Werder Bremen transportiert seine hanseatischen Tugenden relativ zielsicher in der Außenwahrnehmung auch an den Kapitalmarkt: Solidität, Bodenständigkeit, Nachhaltigkeit – kein großes Tamtam, keine Querelen, gefühlt ewig im Amt befindliche Verantwortliche. Was Investoren gar nicht mögen, sind Unplanbarkeit und Wankelmütigkeit – alles, was schwer kalkulierbar ist, ist nicht förderlich. Gerade bei einer Anleihe mit ihrer festen Laufzeit erwartet ein Anleger, dass man die heutigen Verantwortlichen auch in fünf Jahren noch antrifft, wenn es gilt, die Rückzahlung zu bewerkstelligen. Genau davon kann man bei Werder wie bei kaum einem anderen Verein ausgehen.

Die Werder Bremen-Anleihe: Ein Finanz-Experte klärt auf

Wie unterscheidet sich das Werder-Angebot von anderen Mittelstandsanleihen?

Unsere hiesigen Fußballvereine stellten bisher noch keine wirkliche Verbindung zum Kapitalmarkt her. Das ist schade und hat für die Clubs wahrscheinlich schon einige Chancen liegen gelassen in der Vergangenheit. Ausnahmen sind Borussia Dortmund, die aktiennotiert sind, sowie die Schalker, die ebenfalls KMU-Anleihen emittiert hatten. In beiden Fällen, aber das ist voll anerkannt eine Rückspiegelbetrachtung, ist mein Fazit, dass die Erlöse zu einer Inflation innerhalb der Vereine führten – beim Personal wie auch bei Gehältern. Erfolg ließ sich mit den Erlösen weder erkaufen noch nachhaltig verstetigen. Für hanseatische Kaufleute sehe ich da eine weniger immanente Gefahr.

Wie sicher ist so eine Anleihe?

Um ganz ehrlich zu sein: nicht übermäßig sicher. Die meisten Mittelstands- oder KMU-Anleihen, also Bonds von kleinen und mittelgroßen Unternehmen, sind unbesicherte Kredite. Für Besicherungen, wie sie bei Bankkrediten obligatorisch wären, eignen sich nur konkrete Dinge wie Immobilien, Grundstücke, Fabriken oder dergleichen. Im Fußball-Bereich wären das gegebenenfalls Stadion- oder Transferrechte. Generell muss man dem Business-Plan des Emittenten vertrauen, für wie plausibel man ihn hält und welche Unwägbarkeiten im Spiel sind. Bei Mittelständlern emittiert man mehr als anderes in die Köpfe dahinter – das sogenannte Schlüsselpersonenrisiko.

Wer sollte sich eine Werder-Anleihe kaufen?

Bei Markenunternehmen, und Fußball-Clubs würde ich definitiv dazuzählen, spielen oft Herzblut und Lokalkolorit eine bedeutendere Rolle als Ratio. Da ist auch absolut nichts gegen einzuwenden. Das macht die Werder-Anleihe keineswegs zu einer Fan-Anleihe, die ja keinen besonders überzeugenden Ruf genießt. Ich bin aber relativ sicher, dass das Gros der Investoren irgendeinen Bezug, ob geschäftlich oder privat, zu Fußball allgemein oder zu Werder speziell haben dürfte.

Werder bietet eine Verzinsung zwischen 6,0 und 7,5 Prozent an, die erst nach Zeichnungsende genau festgelegt wird. Wie bewerten Sie das?

Die Spanne aus dem sogenannten Pre-Placement ist ungewöhnlich weit, normal sind 0,5 Prozentpunkte in einer Preisfindungsphase. Das signalisiert, dass alle Beteiligten selbst nicht die leiseste Ahnung hatten, ob und wie ihre Anleiheambition bei Investoren aufgenommen würde. Für das Privatanleger-Angebot würde ich auf eine Einengung auf 6,25 bis 7,0 Prozent pro Jahr tippen, also die Hälfte.

Und wie bewerten Sie, dass Werder Bremen das Maximalvolumen von 30 Millionen Euro dem Vernehmen nach gar nicht auszuschöpfen beabsichtigt?

Eher kritisch. Wenn Investoren gerade offene Taschen haben, sollte man sie nicht davon abbringen – sofern natürlich die Zinszahlungen mit dem Business Plan kompatibel bleiben. Sportlicher Erfolg ist nicht planbar und genauso wenig, dass die Kapitalmärkte offenstehen, wenn man sie gerade braucht. Läuft es besser, als im Business Plan veranschlagt, lässt sich jederzeit Anleihevolumen zurückkaufen. An diesem Punkt würde ich Werder zu vorausschauendem Handeln raten.

Bislang haben Fußball-Clubs eher Fan-Anleihen auf den Markt gebracht, um Finanzprobleme zu bewältigen. Werder hat nun einen anderen Weg gewählt – den richtigen?

Meines Erachtens einen durchaus logischen. Fan-Anleihen haben keinen guten Ruf und gelten als Notnagel, wenn nichts anderes mehr geht, als den Club mit einer Art Notopfer oder Spende meist nur vorübergehend über Wasser zu halten. Davon kann bei Werder ja keinerlei Rede sein. Werder tut richtig daran, sich davon möglichst weit zu distanzieren.

Anleihe - was bedeutet sie für Werder Bremen und die Fans?

Die Anleihe wird an der Börse gehandelt, Werder muss künftig halbjährlich sein Konzernergebnis veröffentlichen. Wird Werder nun auch frühzeitig über Transfers per Ad-Hoc-Meldung berichten und auch dabei die Zahlen offenlegen?

Börsenfolgepflichten werden für Werder genauso gelten wie für Dortmund und Schalke. Das ist aber keine Raketenwissenschaft. Transfers, da finanziell relevant, werden gemeldet werden müssen, sobald sie überwiegend wahrscheinlich sind – aber bis dahin hat man das ohnehin längst bei Sky gesehen oder im Fall von Werder bei der Deichstube gelesen.

Der BVB ist als Aktiengesellschaft schon lange an der Börse, welche Chancen hätte der SV Werder?

Hier müssen Sie unterscheiden: Dortmund ist aktiennotiert, Investoren haben also das volle Upside-Potenzial, wenn der Club sich wirtschaftlich gut entwickelt. Anleihe-Investoren können nicht mehr als die zum Beispiel 6,5 Prozent Kupon pro Jahr erwarten, und das jetzt fünf Jahre lang bis zur hoffentlichen Rückzahlung ihres Kredits. In unserer Nullzinsphase für Sparguthaben ist das natürlich schon ein Pfund. Dortmund-Investoren sind ja auch mit dem Downside-Potenzial von Aktien in Berührung gekommen. (kni)

Falko Bozicevic ist Finanz-Experte. Im Interview mit der DeichStube spricht er über die Anleihe des SV Werder Bremen.

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