Werders zwei Gesichter: Erst harmlos, dann bissig

„Es ist ein Fehler, uns am Leben zu lassen“

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Jubel an der Seitenlinie nach dem 3:3 in Leverkusen

Bremen – Von Michael Baltes. Werder Bremen hat sich beim Unentschieden gegen Bayer Leverkusen erneut mit zwei Gesichtern präsentiert. Genau wie gegen Berlin und Hoffenheim zeigte das Team von Trainer Robin Dutt in der ersten Halbzeit eine schwache Vorstellung, um nach der Pause aufzudrehen.

Drei Spiele, drei Unentschieden, drei Punkte – und in allen drei Partien Rückstände egalisiert. Werder Bremens Start in die neue Bundesligasaison ist nicht überragend, die Grün-Weißen können aber durchaus zufrieden sein. Besonders der Einsatz und die Kampfkraft der Bremer beeindruckt. Zumindest wenn der Blick allein auf die zweiten Halbzeiten der Duelle mit Berlin, Hoffenheim und Leverkusen gerichtet wird. In den ersten 45 Minuten präsentierte sich Werder dagegen in allen drei Partien stark verbesserungswürdig, um es vorsichtig zu formulieren.

So auch am Freitag: Bayer hatte die Gäste in der ersten Halbzeit phasenweise an die Wand gespielt. Im Minutentakt musste sich die Bremer Abwehr den Angriffen des Spitzenreiters erwehren, was mehr schlecht als recht gelang. “Ich glaube, in der ersten Halbzeit müssen wir das Spiel entscheiden. Es muss 5:0 stehen, ohne zu übertreiben“, sagte Bayers Trainer Roger Schmidt nach der Partie, um anzufügen: „Das 1:1 zur Halbzeit ist ein Witz. Aber Fußball ist nicht immer gerecht, wir haben zu viele Chancen ausgelassen. Wir haben uns nicht belohnt für das, was wir gezeigt haben.“ Und er hatte Recht. Nur dank zahlreicher Paraden von Werder-Keeper Raphael Wolf und viel Glück – Leverkusen traf dreimal das Aluminium – blieb es für die Dutt-Elf bei dem einen Gegentreffer durch Tin Jedvaj (17. Minute) bis zur Pause.

Was danach passierte, lässt sich nur schwer erklären. Werder kam wie verwandelt aus der Kabine. „Wir wussten, dass wir zurückkommen können. In der zweiten Halbzeit haben wir uns freigeschaufelt“, sagte Kapitän Clemens Fritz. Von der Leverkusener Dominanz war nichts mehr zu spüren. Die Bremer fanden besser in die Zweikämpfe, und auch die Aktionen in der Offensive hatten plötzlich Hand und Fuß. Natürlich war der glückliche Ausgleichstreffer von Fin Bartels Sekunden vor der Halbzeit zu einem psychologisch denkbar guten Zeitpunkt gefallen – das allein dürfte aber nicht die Erklärung für Werders wundersame Wandlung sein. Denn bereits in Berlin und gegen Hoffenheim hatte sich Ähnliches abgespielt. Auch dort hatten sich die Bremer erst im zweiten Spielabschnitt wirklich giftig präsentiert.

Prödl rettet Werder das Remis

Vielleicht sind es Dutts Halbzeitansprachen, die die Kicker von der Weser aus ihrer Lethargie reißen – oder die Werder-Profis brauchen einfach eine Halbzeit, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Eines dürfte kommenden Gegnern der Bremer nun jedenfalls klar sein: „Es ist ein Fehler, uns spielen zu lassen und am Leben zu lassen“, wie es Werder-Coach Dutt nach der Partie in Leverkusen ausdrückte. Denn was dann passiert, haben die Grün-Weißen beim Spitzenreiter eindrucksvoll gezeigt. Kurzzeitig durfte der Außenseiter durch den Treffer zum 2:1 von Franco Di Santo (60.) sogar auf drei Punkte hoffen. Ein sehenswerter Freistoß von Calhanoglu (63.) und ein Aufsetzer von Son (73.) ließen diese Hoffnung aber schnell platzen – dank Sebastian Prödls Ausgleich zum 3:3 kurz vor Schluss (85.) konnten die Bremer letztlich aber über ein Unentschieden jubeln, das zumindest gefühlt ein Sieg war.

Seinen Profis gewährt Dutt zu Beginn der neuen Woche nun erst einmal zwei freie Tage. Am Montag und Dienstag wird an der Weser nicht trainiert. Eine Pause, die sich die Grün-Weißen redlich verdient haben und sicher gut gebrauchen können. Denn am nächsten Wochenende steht bereits das nächste Auswärtsspiel beim FC Augsburg auf dem Programm. Ein Spiel, das für Werder schwerer werden könnte als die bisherigen Partien. Anders als gegen Berlin, Hoffenheim und Leverkusen wird Werder sich nicht allein aufs Kontern verlegen können, sondern vermutlich gefordert sein, das Spiel selbst zu machen – und das ist in dieser Saison bisher noch nicht ganz so gut gelungen.

Werder-Einzelkritik

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