Vor Abstiegskampf-Finale

Christian Hochstätter vor Werder gegen Augsburg im Interview: „Spieler wie Toprak benötigt man im Abstiegskampf“

Ex-FCA-Profi Christian Hochstätter spricht im Interview mit der DeichStube über das Duell des FC Augsburg mit Werder Bremen.
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Ex-FCA-Profi Christian Hochstätter spricht im Interview mit der DeichStube über das Duell des FC Augsburg mit Werder Bremen.

Dort aufgewachsen und zum Profi ausgebildet, familiär immer noch mit der Stadt verbunden: Christian Hochstätter, ein Augsburger Kindl, fiebert in diesen Tagen mit dem FC Augsburg, einem der Rivalen von Werder Bremen im dramatischen Abstiegskampf. „Ich wünsche beiden Clubs den Klassenerhalt“, sagt der 57-Jährige vor dem „Finale“ am heutigen Samstag.

Im Interview mit der Deichstube spricht der Ex-Nationalspieler über den Trainerwechsel des FC Augsburg von Heiko Herrlich zu Markus Weinzierl und die unterschiedliche Personalpolitik beim SV Werder Bremen, wo Florian Kohfeldt das Vertrauen ausgesprochen worden ist. Ein Gespräch über die Ängste im Existenzkampf der Bundesliga.  

Augsburg gegen Werder Bremen - ist diese Paarung am vorletzten Spieltag das dramatische Abstiegsfinale in der Bundesliga, Christian Hochstätter?

Es kann durchaus zu dem entscheidenden Endspiel werden. Doch die Lage in der Liga ist kompliziert. Es hängt auch davon ab, wie die Konkurrenten spielen und punkten.

Hatten Sie als gebürtiger Augsburger damit gerechnet, dass der FCA nochmals so in Bedrängnis gerät?

Nein - und ich glaube, auch die Spieler und Verantwortlichen in Augsburg haben damit nicht gerechnet. Vor einigen Wochen sah die Welt dort noch ganz anders aus. Der Klassenerhalt schien gesichert, dann kam diese verhängnisvolle Serie von nicht gewonnenen Spielen. Nun stellt sich die Lage dar, wie sie momentan ist. Augsburg muss da durch.

Was Sie über Ihren Stammverein sagen, trifft auch auf Werder zu. Eine deutliche Parallele?

Sicherlich ist es eine ähnliche Situation. Es schien, als sei Werder gerettet, bevor sieben Niederlagen am Stück folgten. Nun beginnt in Bremen ebenso das Zittern wie in Augsburg.

Hatten Sie mit einer solchen Zuspitzung im Überlebenskampf gerechnet?

In der Liga kann sich alles sehr schnell drehen. Erschwerend kam für Augsburg und Bremen noch hinzu, dass die Rivalen plötzlich enorm erfolgreich waren. Mainz hat die Wende geschafft, Köln und Bielefeld haben gepunktet, Hertha hatte nach der Corona-Pause noch die Möglichkeit in den Nachholspielen.

Ex-Augsburger Christian Hochstätter wünscht Werder Bremen den Klassenerhalt

Wem trauen Sie am ehesten den Klassenerhalt zu? Augsburg oder Werder?

Die Lage bei den Augsburgern bedrückt mich schon, weil es halt meine Heimatstadt ist. Ich wünsche dem Club, dass er in der Liga bleibt. Das Gleiche wünsche ich auch den Bremern. Und ich denke, dass beide Mannschaft auch die Qualität besitzen, den Verbleib perfekt zu machen. Werder mit den wirtschaftlich etwas besseren Möglichkeiten sollte den zweiten Abstieg in der Vereinshistorie vermeiden. In der Ära meines Kumpels Stefan Reuter haben die bayrischen Schwaben im letzten Jahrzehnt auch bewiesen, dass sie ein fester Bestandteil der höchsten Spielklasse sind.

Augsburg liegt noch zwei Punkte in Front gegenüber Bremen. Die Ausgangslage aus Ihrer Sicht? Müssen beide auf Sieg spielen, müssen beide gewinnen?

Es hängt davon ab, wie die Rivalen spielen. Ein Punkt könnte für beide Seiten reichen. Doch beim Anpfiff weiß dies niemand. In der Bundesliga sind schon am Ende, gerade im Abstiegskampf, verrückte Dinge passiert.

Vielleicht kann Werder am Wochenende wieder auf Ömer Toprak zurückgreifen. Würden bei einem Einsatz des angeschlagenen Abwehrchefs die Bremer Chancen steigen?

Gerade in einer solchen Saisonphase ist das Mitwirken von so erfahrenen Kräften wie Toprak enorm wichtig. Der Junge ist erfahren, im Kopf klar, nervlich sehr stabil. Solche Akteure wie Toprak benötigt man im Abstiegskampf.

Christian Hochstätter: „Direkte Duelle könnten für Werder Bremen zum Nachteil werden“

Auf welchen Club tippen Sie als zweiten Direktabsteiger neben Schalke?

Eine Frage, die kaum zu beantworten ist. Die Mannschaften unten spielen teilweise noch gegeneinander, was sowohl für Augsburg als auch für Bremen zum Nachteil werden könnte. Jeder Verein hat noch die Möglichkeit, es schaffen zu können. Ich traue es allen Sorgenkindern zu. Vielleicht sind es die Kölner, die es am ehesten erwischen könnte, was ich sehr bedauern würde. Tatsache ist, dass es ein sehr enges Rennen wird. Möglicherweise entscheidet zum Schluss sogar die Tordifferenz, es wäre besonders tragisch.

Wir haben über die Gemeinsamkeiten von Augsburg und Bremen geredet. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Personalpolitik: Augsburg hat Heiko Herrlich beurlaubt und setzt auf das Comeback von Markus Weinzierl. Bremen hat lange über eine Freistellung von Florian Kohfeldt nachgedacht und dann diesem das Vertrauen ausgesprochen. Welcher Verein hat richtig gehandelt?

Schwer zu beurteilen aus der Distanz. Dafür fehlen mir die notwendigen Informationen. Doch allgemein kann ich sagen, dass Sportdirektoren nicht aus Jux und Dollerei zu diesen Maßnahmen greifen. Sie sind jeden Tag in der Nähe der Mannschaft, verfolgen genau das Geschehen, bewerten das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern. So hat sich Stefan Reuter entschieden, einen neuen Impuls zu setzen mit dem Trainerwechsel. In Bremen war Frank Baumann im Gegensatz davon überzeugt, dass das Klima noch stimmt, hat somit an Kohfeldt festgehalten.

Weinzierl kam drei Spieltage vor Schluss. Kann er noch etwas bewirken? Der richtige Zeitpunkt für den Wechsel?

So ungewöhnlich ist dieses Datum eines Trainerwechsels nicht, wie die Historie zeigt. Es gibt positive Beispiele, die dafür sprechen, es gibt Fälle, wo es nicht funktioniert hat. Ich kann aus meiner Zeit als Spieler einen Fall beisteuern: 1998 schwebten wir mit Mönchengladbach in akuter Abstiegsgefahr. Höchster Alarm, als fünf Spieltage vor Schluss Friedel Rausch kam. Er hat uns dann gerettet.

Haben Sie in Ihrer Tätigkeit als Manager in Gladbach, Hannover und Bochum viele Trainer entlassen müssen?

Ich musste einige beurlauben, habe nach reiflichen Überlegungen beispielsweise Ewald Lienen in Gladbach, Peter Neururer und Gertjan Verbeek in Bochum entlassen. Kollegen, die ich mit Überzeugung engagiert habe, deren Entlassung somit auch das Signal gegeben hat, dass ich mich geirrt und einen Fehler gemacht habe. So ist das nun mal auch im Fußball: Irren ist menschlich. (hgk) Auch interessant: Die Werder-Aufstellung gegen den FC Augsburg - Ömer Toprak als große Unbekannte, Christian Groß in der Startelf gesetzt.

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