TV-Dokumentation "Außer Kontrolle"

Fast totgeprügelter Werder-Fan spricht erstmals über Hooligan-Angriff

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Hooligan-Opfer Malte Kock

Bremen - Dass Malte Kock noch lebt, grenzt an ein Wunder. Der Werder-Fan wurde 2012 bei einer brutalen Hooligan-Attacke in Bielefeld lebensgefährlich verletzt. In der ZDFinfo-Dokumentation "Außer Kontrolle" sprechen er und sein Freund, der damals ebenfalls dabei war, erstmals über die Geschehnisse.

„Ich habe ihn angebrüllt, Malte wach einfach auf! Mach deine Augen auf! In dem Moment habe ich gedacht, das war es für Malte", erinnert sich Werder-Fan Sebastian Weiß aus Hamburg in der TV-Dokumentation an die schrecklichen Szenen vom 5. Mai 2012. Damals war er gemeinsam mit seinem Freund Malte Kock aus Lüneburg zum Auswärtsspiel von Werders Amateuren nach Bielefeld gereist. Auf dem Rückweg vom Stadion zum Bahnhof wurden sie Opfer einer brutalen Hooligan-Attacke, die Malte nur mit Glück überlebte.

"Es war alles ruhig - bis dieser Überfall kam", erzählt Sebastian: "Dann kamen die alle aus einer Seitenstraße gestürmt." Eine Gruppe von Bielefelder Hooligans. Malte wird von hinten niedergeschlagen. Anschließend treten die Angreifer dem am Bodenliegenden mehrfach gegen den Kopf. Sebastian kommt etwas glimpflicher davon, bleibt bei Bewusstsein. Für Malte sieht es dagegen schlecht aus. Im Krankenwagen kommt es zum Herzstillstand - er wird reanimiert, fällt anschließend mit Hirnblutungen ins Koma. Dass er überlebt, hat er den Ärzten zu verdanken.

Die Gefahr bei der Auswärtsfahrt nach Bielefeld war ihm vorher bewusst. "Wenn man zum Spiel der Zweiten fährt, ist man natürlich leichter angreifbar", erzählt Malte. Der Schutz der Masse, der bei einem Spiel der Profis gegeben ist, fehle hier, wie es in der Doku heißt.

Malte Kock niedergeschlagen auf dem Boden

Der Fall kommt vor Gericht. Allerdings wird nur der vermeintliche Haupttäter, Philipp G. aus Espelkamp, verurteilt. Er bekommt viereinhalb Jahre Haft wegen versuchten Mordes, die 35.000 Euro Schmerzensgeld für Malte und Sebastian kann er nicht zahlen. Auch die eigenen Prozesskosten müssten die beiden Opfer selber tragen, weil der Täter zahlungsunfähig ist. Dass es am Ende dazu nicht kommt, liegt an Armina- und Werder-Fans, die gemeinsam mit den Vereinen für Malte und Sebastian sammeln.

Für Malte aber besonders bitter: Der seiner Meinung nach eigentliche Haupttäter kommt ungestraft davon. „Mir wurde das so erzählt, dass er mich von hinten feige niedergeschlagen hat, so dass ich auf dem Boden liege und die Tritte gegen den Kopf von dem anderen erst kommen konnten. Er hat das Ganze gelenkt, er war ein bisschen intelligenter und wusste, wie er seine Jungs einsetzen musste."

Nachdem sich Malte etwas von seinen Verletzungen erholt hat, wiegt er zeitweise nur noch 30 Kilo. Trotzdem bricht er seine Reha frühzeitig ab. Er will zurück in sein altes Leben - zurück zum Fußball. Er wird aber lebenslänglich mit der Gewalt gegen sich zu tun haben. Ganz ausheilen werden seine Kopfverletzungen nie. „Wenn ich noch einmal ordentlich einen auf die Fresse kriege, stehe ich wahrscheinlich nicht wieder auf“, sagt er.

Die Geschichte von Malte und Sebastian ist nur ein kleiner Teil der ZDF-Dokumentation, in der Autorin Britta Rating bei sogenannten Hochrisikospielen, bei Hooligan-Demos und in Fanprojekten versucht, die Welt von radikalen Fußballfans begreifbar zu machen. Es ist ein eindrucksvoller Bericht, der offen und schonungslos zeigt, zu welcher Brutalität es immer wieder am Rande von Fußballspielen kommt.

"Außer Kontrolle" wurde am Mittwoch um 9 Uhr auf ZDFinfo ausgestrahlt. Die Doku ist auch in der ZDF Mediathek zu finden.
mib

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