Drei Fanclub-Vorsitzende nehmen Stellung

Werder-Fans in der Coronavirus-Krise: „Es ist dann doch nur Fußball“

Auf ein gemeinsames Anfeuern in der Ostkurve müssen die Fans des SV Werder Bremen wegen des Coronavirus wohl noch lange verzichten.
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Auf ein gemeinsames Anfeuern in der Ostkurve müssen die Fans des SV Werder Bremen wegen des Coronavirus wohl noch lange verzichten.

Bremen/Dötlingen/München – Und plötzlich ist das Hobby weg, die große Leidenschaft – auch die Fans von Werder Bremen müssen wegen der Coronavirus-Krise bis auf Weiteres ohne ihren geliebten Verein auskommen, machen sich darüber hinaus Sorgen um dessen ungewisse Zukunft.

In Telefongesprächen mit der DeichStube schildern die drei Fan-Club-Vorsitzenden Ingo Kläner („27801“), Johanna Göddecke („Twerder“) und Hans von Schultzendorff („Grün-Weißes München“), wie sie jeweils mit der speziellen Situation bei Werder Bremen umgehen.

Wie lebt es sich als Fan gerade mit der Saison-Unterbrechung?

Ingo Kläner: Ganz gut. Im Moment steht die Gesundheit klar im Vordergrund. Im Augenblick ist an Fußballspiele überhaupt nicht zu denken. Bevor die Infizierten-Zahlen nicht deutlich runtergehen, sollte niemand glauben, dass es mit der Bundesliga wieder losgehen kann.

Johanna Göddecke: Ich vermisse Fußball im Moment komischerweise gar nicht so sehr. Es ist ganz entspannt, nicht jedes Wochenende zu verlieren. Nein, im Ernst: Die jetzige Situation zeigt uns doch allen, dass es viel Wichtigeres auf der Welt gibt. Es ist dann doch nur Fußball.

Hans von Schultzendorff: Natürlich hat man im Moment ganz andere Sorgen als den Fußball, denn die Gesundheit geht einfach vor. Aber etwas schmerzhaft ist es schon, diese Stunden am Wochenende jetzt anders verplanen zu müssen. Dass sich die Prioritäten in der Krise ändern, ist aber absolut erforderlich und richtig. Und die Gedanken an einen sportlichen Abstieg von Werder haben jetzt auch einfach mal Pause.

Werder Bremen in der Coronavirus-Krise: „Wie soll im April bitte wieder Fußball gespielt werden?“

Was denken Sie: Kann die Saison fortgesetzt werden?

Kläner: Das ist schwer zu sagen. Es ist in jedem Fall nicht sinnvoll, sie mit aller Gewalt zu Ende zu spielen. Da hat mir das Auftreten einiger Offizieller aus der Branche überhaupt nicht gefallen.

Göddecke: Ich kann nicht verstehen, dass die DFL die Saison nicht schon für viel länger unterbrochen hat. Wie soll denn im April bitteschön wieder Fußball gespielt werden? Auch Geisterspiele kann ich mir nicht vorstellen, denn auch da kommen zu viele Menschen zusammen. Außerdem gibt es ja immer mehr Vereine, in denen Spieler infiziert sind.

von Schultzendorff: Auf Teufel komm‘ raus geht es jedenfalls nicht. Andere Sportarten sind schon einen Schritt weiter und haben ihre Saisons komplett abgesagt. Wenn es gesundheitlich vertretbar ist, hätte ich nichts gegen Geisterspiele, weil sie verhindern könnten, dass Vereine wie Werder Bremen im schlimmsten Fall Insolvenz anmelden müssen.

Würde der Abbruch der Saison Werder in den Ruin treiben?

Kläner: Vielleicht würde die Stadt Bremen dem Verein ja entgegenkommen, auch wenn sie wahrlich genug andere Probleme hat. Oder es finden sich ein paar Sponsoren.

Göddecke: Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, dass ein Verein durch so etwas komplett pleite geht. Natürlich plant Werder fest mit dem Geld, das nun vielleicht nicht mehr kommt, aber ich hoffe, dass es da Lösungen geben wird.

Schultzendorff: Es wird am Ende vermutlich notwendig sein, dass die Profis auf Teile ihres Gehalts verzichten.

Werder Bremen-Fans haben in der Coronavirus-Krise „erstmal alles auf Eis gelegt“

Was bedeutet die Krise eigentlich für Ihren Fanclub?

Kläner: Wir haben erstmal alles auf Eis gelegt. Eigentlich wollten wir mit 110 Leuten zum Spiel nach Mainz fahren, aber das wird nichts mehr werden. Im Oktober 2021 wollen wir mit „27801“ unser 20-jähriges Bestehen feiern. Die Planungen dafür laufen schon.

Göddecke: Bei uns ruht gerade alles. Im Heimspiel gegen Gladbach wollten wir eine Choreografie in der Ostkurve zeigen, um damit den fünften Geburtstag von „Twerder“ zu feiern. Das werden wir nachholen müssen. Jetzt überlegen wir, wie wir helfen können, beispielsweise unserer Stamm- und Gründungskneipe, dem „Eisen“.

von Schultzendorff: Wir wollten zum Auswärtsspiel nach Freiburg fahren und überlegen jetzt, was wir mit den Karten machen. Ansonsten sind wir von Themen wie der Dauerkarten-Problematik nicht so sehr betroffen, weil von unseren Mitgliedern wegen der großen Distanz nach Bremen kaum jemand eine Dauerkarte hat. (len)

Zur Person

Ingo Kläner ist Präsident des Dötlinger Werder-Fanclubs „27801“, der mit 1960 Mitgliedern der größte Fanclub des Bundesligisten ist. Der 60-Jährige lebt in Dötlingen-Neerstedt und arbeitet in einem Autohaus.

Johanna Göddecke ist Vorsitzende des Fanclubs „Twerder“, der aus dem sozialen Netzwerk Twitter hervorgegangen ist und inzwischen 298 Mitglieder zählt. Die 27-Jährige lebt in Bremen und arbeitet als Zahntechnikerin.

Hans von Schultzendorff ist Vorsitzender des Fanclubs „Grün-Weißes München“, der in der bayerischen Landeshauptstadt die Werder-Fahne hochhält und 190 Mitglieder hat. Der 32-Jährige lebt in München und arbeitet bei BMW.

Quelle: DeichStube

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