Fan-Rückkehr in das Bremer Weserstadion

Nach Einigung der Länder ist klar: Zwei weitere Spiele des SV Werder finden mit Zuschauern statt

Das Weserstadion des SV Werder Bremen mit Flutlicht.
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8.500 Fans sind im Weserstadion beim Heimspiel des SV Werder Bremen gegen Hertha BSC zugelassen.

Frankfurt/Bremen - Bremen hatte die Zeit der Geisterspiele des SV Werder Bremen im Weserstadion schon am Sonntag für beendet erklärt, nun folgt die bundeseinheitliche Lösung für alle großen Profiligen. Die Länder einigten sich am Dienstag in einer Videoschalte auf ein flächendeckendes Fan-Comeback in die Fußballstadien und Sporthallen.

In einer sechswöchigen Testphase ist zunächst eine Auslastung von maximal 20 Prozent der jeweiligen Kapazität erlaubt. Ende Oktober soll die Lage neu bewertet werden. In diese Zeit fallen für den SV Werder Bremen die Heimspiele gegen Hertha BSC am Samstag sowie gegen Arminia Bielefeld und 1899 Hoffenheim. Der Bremer Senat hatte zunächst nur für den Bundesliga-Start gegen die Berliner eine Zuschauerkapazität von 20 Prozent erlaubt - also 8.500 Fans.

„Es soll eine Art Experiment werden, ein Probestart“, kündigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an. Vor der Sitzung hatte er seine Forderung nach einer gemeinsamen Linie erneut bekräftigt. „Es kommt darauf an, dass wir eine einheitliche Regelung bekommen“, sagte Söder am Dienstag am Rande einer Klausurtagung der CSU-Fraktion im Landtag in München. Alles andere wäre „für die Liga und die Akzeptanz sehr schwierig“. Zudem gehe es nicht nur um Fußball, sondern auch um Volleyball, Handball, Basketball oder Eishockey.

Werder Bremen: Saisonauftakt steht nichts mehr im Wege

Die von den Chefs der Staatskanzleien beschlossene Teilzulassung von Zuschauern unter Corona-Bedingungen verschafft dem gesamten Profisport bessere wirtschaftliche Perspektiven bei der Bewältigung der Corona-Krise. Zudem steht nun einem stimmungsvollen Saisonauftakt in der Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende nichts mehr im Wege. Allerdings ist offen, ob alle Vereine die Freigabe wegen der Kurzfristigkeit noch umsetzen können. Bereits am Freitagabend eröffnet Rekord-Champion Bayern München gegen den FC Schalke 04 die Spielzeit 2020/21.

Immerhin vier Clubs hatten bereits zuvor von den zuständigen Gesundheitsämtern grünes Licht für einen Saisonstart vor Zuschauern erhalten. Für die Partien Werder Bremen gegen Hertha BSC und RB Leipzig gegen FSV Mainz 05 wurden jeweils 8.500 Besucher zugelassen - in beiden Fällen entspricht das rund 20 Prozent des Stadion-Fassungsvermögens. Eintracht Frankfurt darf gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld von 6.500 Fans unterstützt werden, der 1. FC Union Berlin erhielt für die Partie gegen den FC Augsburg die Freigabe für 5.000 Personen im Stadion an der Alten Försterei.

Werder Bremen: Behörden haben letztes Wort bei Zulassung der Zuschauer

Bislang war eine bundeseinheitliche Regelung bei der Fan-Rückkehr in die Stadien erst im Laufe des Oktobers erwartet worden. Die Ministerpräsidenten der Länder hatten nach ihrer Schalte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die eine Einigung erzielen sollte. Doch der Druck, gemeinsam vorzugehen, war in den vergangenen Wochen auch aufgrund der unterschiedlichen Beschlüsse der lokalen Gesundheitsbehörden weiter gestiegen.

Diese hätten auch weiterhin das letzte Wort bei der Teilzulassung von Zuschauern. Dabei müsse das aktuelle regionale Pandemiegeschehen berücksichtigt werden. Maßgeblich seien dafür die Zahlen des Robert-Koch-Instituts. Liegt die Sieben-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner am Austragungsort größer gleich 35 und ist das Infektionsgeschehen nicht klar eingrenzbar, erfolgt in der Regel keine Freigabe für die Fans. In Bremen liegt der Inzidenzwert aktuell knapp unter 10.

Werder Bremen: Maskenpflicht im Weserstadion

Laut Söder müsse man nun einige Wochen lang beobachten, ob die einheitliche Regelung in der Praxis funktioniere. „Und dann werden wir sehen, ob man sich daran hält oder nicht.“ Klar sei: Es brauche eine Maskenpflicht zumindest bis zum Platz (was im Bremer Weserstadion Praxis sein wird), es brauche Abstand und Hygienemaßnahmen. Und auch der Zugang in die Stadien müsse sauber geregelt werden.

„Ich sage Ihnen ganz offen, ich hätte noch ein halbes Jahr ohne Zuschauer locker aushalten können“, sagte Söder. Er spüre aber „den tiefen Wunsch vieler Menschen danach“. Deswegen müsse man die Wünsche und die Sicherheitsinteressen in eine vernünftige Balance bringen. (dpa)

Zur letzten Meldung vom 14. September 2020:

Fans des SV Werder Bremen wieder im Weserstadion: „Es soll ein Vergnügen bleiben“

Bremen – So groß die Vorfreude auch ist: Ganz ohne Bedenken schaut der SV Werder Bremen nicht auf die Rückkehr der Fans ins Weserstadion. Wenn am Samstag zum Start der neuen Bundesliga-Saison gegen Hertha BSC 8.500 Zuschauer ins Wohninvest-Weserstadion strömen dürfen, müssen die Bremer nicht nur ein Spiel gewinnen, sondern auch das selbst ausgearbeitete und vom Bremer Senat abgenickte Hygienekonzept perfekt umsetzen. Welche der beiden Aufgaben letztlich die schwierigere gewesen ist, wird der Verein erst nach dem Abpfiff wissen.

Hubertus Hess-Grunewald wird jedenfalls angespannt in den Tag gehen. Aber nicht, weil er dem eigenen Hygienekonzept misstraut, sondern weil er Fragen an den Charakter eines Fußballspiels mit Zuschauern unter strengen Corona-Auflagen hat. „Ein Stadionbesuch hat einen besonderen Unterhaltungswert, und den möchten wir uns erhalten. Darum geht es eigentlich. Der Fan soll es weiter als Vergnügen empfinden – auch wenn er sich disziplinieren muss, auch wenn er auf dem Weg zu seinem Platz eine Maske tragen muss“, sagt der Geschäftsführer des SV Werder Bremen.

Erst am Sonntag hatte der SV Werder von der Bremer Politik die Freigabe für ein Spiel vor Publikum bekommen – vorangegangen waren viele Gespräche, in denen der Club seine Pläne vorgestellt und zur Überprüfung vorgelegt hatte. Dass der Entscheid dann positiv ausfiel, wertet Hess-Grunewald als „Vertrauensvorschuss, den wir jetzt unbedingt rechtfertigen müssen“.

Werder Bremen gegen Hertha BSC: Keine Gästefans, kein Alkohol

Die Eckpunkte des Plans sind der Verzicht auf Gästefans und auf Alkoholausschank, personalisierte Tickets, strikte Regeln für den Einlass sowie den Auslass und dafür, wo man in den 90 Minuten zwischendrin sitzen darf. „Es ist ein sehr detaillierter Plan, ein sehr professionelles Konzept, 71 Seiten lang. Das ist nicht mal eben so hingemalt“, meint der Geschäftsführer des SV Werder Bremen, dem aber völlig klar ist, dass auch das Großaufgebot von 600 Ordnern nichts nutzt, wenn zu viele der 8.500 Besucher die Regeln missachten sollten. „Es ist sehr entscheidend, dass unsere Fans sich diszipliniert verhalten und den Anweisungen des Ordnungspersonals Folge leisten“, erklärt der 59-Jährige.

Das Eis, auf das sich nicht nur Werder Bremen, sondern der gesamte Profi-Fußball mit dem Wiedereinlass der Fans begibt, ist noch dünn. Man wisse, „dass wir von der Gesellschaft kritisch beäugt werden“, räumt Hess-Grunewald ein. Aber er sieht seine Branche nicht in einer privilegierten Rolle, sondern in der eines Pioniers: „Es ist ein Testlauf für viele Branchen und die gesamte Gesellschaft. Wir sind wieder in der Lage, mit einem sehr durchdachten Konzept Großveranstaltungen zu organisieren. Das kann die Blaupause sein für vieles. Der Fußball geht ein weiteres Mal voran.“

Werder Bremen: Infektionsrisiko kann nicht völlig ausgeschlossen werden

Dass er auch in die richtige Richtung geht, zweifeln Kritiker an. Das Infektionsrisiko völlig auszuschließen, dürfte selbst mit dem besten Hygienekonzept nicht gelingen. Hess-Grunewald ist sich aber sicher, dass mit der AHA-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) auch in Fußball-Stadien eine Sicherheit hergestellt wird, die das erreichen dieses einen großen Ziels gewährleistet: „Wir wollen keine Spreader-Veranstaltung installieren. Alle sollen gesund kommen und auch nicht-infiziert wieder nach Hause gehen.“ Auszuschließen ist freilich nicht, dass auch etwas schiefläuft, ein Plan nicht funktioniert. „Das System müssen wir als lernendes System begreifen“, sagt Hess-Grunewald deshalb: „Wenn es zu Problemen kommt, werden wir nachschärfen.“

Werder Bremen: Gegen Arminia Bielefeld vielleicht schon eine höhere Stadionauslastung

Die 8.500 Besucher am Samstag sollen auch nur ein Anfang sein. Vielleicht einigen sich die Bundesländer schon am Dienstag auf eine einheitliche und bundesweite Lösung für Sportveranstaltungen. Dann könnten es statt einer Stadionauslastung von aktuell 20 Prozent beim nächsten Bremer Heimspiel gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld vielleicht schon 25 oder 30 Prozent sein. „Wir müssen uns schrittweise auf die neuen Anforderungen einstellen“, meint der Werder-Präsident und wirbt für gleiche Vorgaben für alle Bundesligisten. „Eine bundeseinheitliche Lösung würde ich grundsätzlich begrüßen, damit wir hinterher nicht die leidige Diskussion darüber führen müssen, ob es nun eine Wettbewerbsverzerrung ist, dass die einen mit und die anderen ohne Zuschauer spielen“, sagt der Jurist: „Ich finde es auch richtig, dass man sich dabei an prozentualen Kapazitätsgrenzen orientiert.“ Hauptsache, den Stadien wird nach den Monaten der Geisterspiele endlich wieder Leben eingehaucht – denn, so Hubertus Hess-Grunewald: „Fußball ist Publikumssport. Ohne Fans ist alles nichts.“ (csa)

Hier findet ihr einen ausführlichen Überblick mit allen wichtigen Fragen und Antworten zur Fan-Rückker ins Weserstadion.

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