Rettung am letzten Spieltag

Werder bleibt Erstligist – auch dank seiner Fans

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Werder-Fans feiern den Klassenerhalt

Bremen - Von Michael Baltes. Kann man ein Fußballteam mit Liebe retten? Das hatte jüngst Spiegel Online gefragt. Man kann. Werder Bremens Klassenerhalt hat das eindrucksvoll bewiesen. Natürlich ist nicht allein die Fan-Liebe dafür verantwortlich. Sie ist Teil eines Ganzen. Aber ein entscheidender. Ohne sie wäre der Kraftakt, drei Siege in den letzten drei Heimspielen, kaum vorstellbar gewesen – sie darf allerdings auch nicht überstrapaziert werden.

Viktor Skripnik ist nach Abpfiff sichtlich angefasst, Torsten Frings hat Tränen des Glücks in den Augen. Die Spieler rennen über den Rasen, schreien ihre Freude heraus und herzen sich gegenseitig. Die ganze Last einer Saison fällt in diesem einen Moment ab. „Einen Glücksmoment wie diesen, erlebt man als Fußballer nur ein- oder zweimal im Leben. Das ist unglaublich. Mir fehlen die Worte“, sagt Zlatko Junuzovic. Auf den Rängen das gleiche Bild. Menschen liegen sich in den Armen, weinen vor Freude. Emotionen pur. Wenig später werden die Tore geöffnet, die Fans strömen in den Stadioninnenraum. Was bei anderen Teams zu einem fluchtartigen Verlassen des Rasens führen würde, läuft in Bremen anders ab. Die Spieler bleiben, sie ziehen sich auch hinter keine Wand aus Ordnern oder sonstige Absperrungen zurück, sie tanzen, lachen und jubeln gemeinsam mit ihren Anhängern.

Es ist ein Bild das passt: Denn nur gemeinsam war die Rettung in dieser Art und Weise möglich. Ohne den Kraftakt, ohne die phänomenale Unterstützung der Werder-Fans in den letzten drei Heimspielen hätte das Ganze wohl einen anderen Ausgang genommen. Die Fans haben trotz schwacher Leistungen und dem drohenden Abstieg nicht mit ihrer Mannschaft gebrochen. Im Gegenteil. Sie haben sich nach dem Tiefpunkt, dem bitteren 1:2 gegen Augsburg, kurz geschüttelt und dann ihre Unterstützung mit Aktionen wie #greenwhitewonderwall oder „Mors hoch!“ nur noch verstärkt. Nach dem Wolfsburg-Spiel, dem Fan-Spalier bei Ankunft des Mannschaftsbusses, war es schwer vorstellbar, dass die Fans das beim nächsten Heimspiel gegen Stuttgart toppen könnten – haben sie aber. In der alles entscheidenden Partie gegen Frankfurt wurde sogar noch einmal eine Schippe obendrauf gelegt. Die ganze Stadt, die ganze Region wurde mobilisiert, um Werder die nötige Kraft für das Saisonfinale zu geben.

Fritz: Mehr Kapitän geht nicht

Allein zum Empfang des Mannschaftsbusses versammelten sich Tausende Grün-Weiße vor dem Stadion. Szenen, die sich bei anderen Teams nicht einmal abspielen, wenn Titel gewonnen werden. Im Stadion feuerten die Zuschauer Werder über 90 Minuten frenetisch an – größtenteils im Stehen. „Es war eine tolle Atmosphäre, die uns sicher noch mal 20 Prozent mehr Energie gegeben hat“, sagte Werder-Coach Skripnik nach der Partie. Auch Sportchef Thomas Eichin war voll des Lobs für die Zuschauer: „Die Fans waren auch heute wieder fantastisch, wie sie uns nach vorne gepeitscht haben.“ Die Anhänger, die keine Karten bekommen hatten, fieberten in Bars, Kneipen, vor dem heimischen Fernseher oder dem Radio mit. Letztlich vereinte sie alle der gemeinsame Jubel über den geschafften Klassenerhalt.

Was die Fans, die Stadt, die Region Werder an Unterstützung in den vergangenen Wochen entgegengebracht haben ist phänomenal. Bei aller Freude über die Rettung darf das Ganze aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bremer eine der schlechtesten Bundesligaspielzeiten der Vereinsgeschichte hingelegt haben. Die zurückliegende Saison muss schonungslos analysiert und aufgearbeitet werden. Am Ende dieses Prozesses müssen Lösungen gefunden werden, die Werder wieder auf den richtigen Weg bringen. Falls nicht, droht in der nächsten Saison das gleiche Spiel, vielleicht dann mit einem anderen Ende.

Denn: Dass die Liebe der Fans wieder zur Rettung verhilft, ist zwar möglich – aber eben nicht garantiert. Zumal das, was in den vergangenen Wochen passiert ist, etwas Außergewöhnliches bleiben sollte. Etwas, für besondere Situationen, wie eben dieses Saisonfinale. Dieser Kraftakt aus Liebe darf nicht zur Normalität werden – sonst geht die Magie, die darin steckt, verloren.

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