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Weltreise wegen Werder Bremen: Tim Meyer fliegt von den Cookinseln zum Aufstiegsfinale ein

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Von: Malte Bürger

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Tim Meyer (l. mit Sohn Yann, r. mit Tochter Charlie) ist Fan des SV Werder Bremen, lebt auf den Cookinseln und sieht dank Werder-Legende Wynton Rufer (2.v.l.) das Aufstiegs-Finale von Werder Bremen im Weserstadion.
Tim Meyer (l. mit Sohn Yann, r. mit Tochter Charlie) ist Fan des SV Werder Bremen, lebt auf den Cookinseln und sieht dank Werder-Legende Wynton Rufer (2.v.l.) das Aufstiegs-Finale von Werder Bremen im Weserstadion. © privat

Bremen – Man muss den Globus schon ziemlich weit drehen, um mit dem Finger ans Ziel zu kommen. Und wer die Distanz dann betrachtet, kann sich nur schwer vorstellen, warum man sich stundenlang in ein Flugzeug setzen sollte, um ein Fußballspiel zu sehen. Tim Meyer hat es trotzdem getan. Kräftezehrende zweieinhalb Tage war er mit seiner Ehefrau Lucille und den beiden Kindern unterwegs, satte 16.343 Kilometer wurden dabei bewältigt. Einmal von den Cookinseln bis nach Bremen. Um den SV Werder Bremen live gewinnen und aufsteigen zu sehen. So jedenfalls hofft es Tim Meyer. Den Preis für die längste Anreise zum Heimspiel gegen Jahn Regensburg (Sonntag, 15.30 Uhr) dürfte er somit locker in der Tasche haben. Und es ist eine Tour mit einer kuriosen Entstehungsgeschichte.

„Für mich ist es ein Lebenszyklus als Werder-Fan, der sich gerade schließt“, erzählt Tim Meyer im Gespräch mit der DeichStube. Ein bisschen überwältigt ist er noch immer von all seinen Emotionen nach der Rückkehr nach Deutschland, der Jetlag schleicht erst ganz langsam aus seinen Gliedern. Zwölf Stunden Zeitunterschied sind schließlich kein Pappenstiel. „Vor allem die Kinder melden sich plötzlich mitten in der Nacht und sagen, dass sie Hunger haben“, erzählt Meyer schmunzelnd. Für die fünfjährige Charlie und den siebenjährigen Yann ist es verständlicherweise auch ein ganz besonderer Trip – und Letzterer tritt am Sonntag ein wenig in die Fußstapfen seines Vaters.

„Als ich sechs Jahre alt wurde, habe ich von meiner Tante aus Bremen zum Geburtstag erstmals eine Karte fürs Weserstadion bekommen“, sagt Meyer, der eigentlich aus Nordenham stammt. Und ab seiner Werder-Premiere war es um ihn geschehen. „Da habe ich das erste Mal Wynton Rufer gesehen, danach hing ein Poster von ihm bei mir an der Wand.“ Fortan gab es jährlich ein Ticket der Tante zum Geburtstag und zahlreiche weitere Besuche am Osterdeich. „Das sind meine ersten Kindheits- und Freiheitserinnerungen, als man plötzlich ohne die Eltern im Zug von Nordenham zu Werder Bremen gefahren ist“, erinnert sich Tim Meyer strahlend.

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Werder Bremen-Fan Tim Meyer aus Nordenham trifft Kindheitsidol Wynton Rufer auf den Cookinseln

Nun, 35 Jahre später, gibt der Vater das Zepter quasi an seinen Junior weiter. „Es wird sein erster Stadionbesuch überhaupt. Ich will einfach, dass er dabei eine geile Zeit hat“, betont der stolze Papa. „Wir wohnen auf einer Insel mit 8000 Menschen – allein die Atmosphäre im Weserstadion wird für ihn schon ein Erlebnis.“ In der Tat geht in der Heimat alles viel beschaulicher zu. Sonne, Palmen, kristallklares Wasser, schneeweiße Strände – all das hat die Familie Meyer gerade eingetauscht. Normalerweise ist sie mitten im Südpazifik zu Hause, etwa dreieinhalb Flugstunden von Neuseeland entfernt. Die Cookinseln, ein Kleinstaat in Ozeanien, sind ein Paradies für Taucher und setzen sich aus insgesamt 15 Inseln zusammen. Auf der größten von ihnen, Rarotonga, lebt und arbeitet Tim Meyer mit seiner Frau seit elf Jahren. Das Ehepaar leitet gemeinsam ein Hotel, in dem die Familie während der Corona-Pandemie sogar gewohnt hat. Das Virus kam in dem Urlaubsparadies nie an, was den Alltag aber nur bedingt vereinfachte. Schließlich leben die Cookinseln zu fast 80 Prozent vom Tourismus, doch durch viele fehlenden Gäste brachen überall wichtige Einnahmen weg.

Ein paar Urlauber aus der näheren Umgebung kamen aber doch. Und einer von ihnen stellte das Leben von Tim Meyer endgültig auf den Kopf. Als er nämlich eines Morgens die lokale Zeitung aufschlug, konnte er kaum glauben, wer sich da gerade eine schöne Zeit auf den Cookinseln machen sollte: Wynton Rufer. Das Idol aus Kindertagen. Also versuchte Meyer die Legende des SV Werder Bremen über die sozialen Medien zu kontaktieren, nach einigen Anläufen meldete sich der Neuseeländer tatsächlich – auch dank der gemeinsamen grün-weißen Verbundenheit. Seither tauschen sie sich regelmäßig aus. Und als jetzt die insgesamt zweimonatige Reise nach Deutschland und in die französische Heimat von Meyers Ehefrau geplant wurde, standen Rufer und er abermals in engem Kontakt.

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Tim Meyer ist Werder Bremen-Fan auf den Cookinseln - und dank Wynton Rufer beim Aufstiegs-Finale im Weserstadion

„Ich habe ihm gesagt, dass ich quasi pünktlich zum letzten Spieltag in Bremen bin, es aber ein Problem gibt: Ich habe noch gar keine Karten“, erzählt er lachend. „Wynton hat dann nur gesagt: Gib mir einen Tag.“ Und tatsächlich, kurze Zeit später waren die Tickets organisiert. Rufer hatte bei einem seiner guten Freunde, dem Bremer Immobilienmakler Florian Wellmann, angeklopft, der nicht zwei Mal überlegen musste und zwei Plätze zur Verfügung stellte. Während der Anreise, bei einer Zwischenlandung in Auckland, gab es sogar noch ein kurzes Treffen der Familie mit Wynton Rufer. „Er sieht immer noch richtig gut aus, da musste ich meinen Bauch schon ordentlich einziehen“, scherzt Tim Meyer.

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Sein Glück kann er derweil noch immer nicht so richtig fassen. „Hoffentlich, wenn alles gut läuft, gibt es da jetzt am Sonntag die ganz große Party“, meint der 41-Jährige. „Für Yann würde es mich einfach riesig freuen. Er wird so schnell nicht wieder ins Weserstadion kommen.“ Zumal es gar nicht so einfach sei, ein Kind von Werder, einem derzeitigen Zweitligisten, zu überzeugen, wenn doch überall die Topteams mit ihren großen Stars zu sehen sind. Schon gar nicht in so weiter Ferne. Auch wenn Papa Tim bei jeder Gelegenheit sein Trikot herauskramt und auch auf den Cookinseln fleißig Werbung für Werder Bremen macht. „Wenn wir aber immer die Zusammenfassungen der Spiele geguckt haben, lief das für Werder ja meist grottig in den letzten Jahren“, schildert Meyer. Nun soll Sohn Yann den SV Werder siegen sehen. So nah wie noch nie. Nach einer Reise um die halbe Welt. (mbü)

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