Werder Bremen und die Gedankenspiele über Fan-Anleihen

Die Champions-Anleihe - und was Ex-Boss Jürgen L. Born Werder Bremen nun rät

Der SV Werder spielt mit dem Gedanken, sich im absoluten Notfall mit Fan-Anleihen wirtschaftlich auf Kurs zu halten. Ex-Boss Jürgen l. Born würde investieren - und erzählt von einem besonderes Beispiel aus den Jahr 2004: Der Champions-Anleihe.
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Der SV Werder spielt mit dem Gedanken, sich im absoluten Notfall mit Fan-Anleihen wirtschaftlich auf Kurs zu halten. Ex-Boss Jürgen l. Born würde investieren - und erzählt von einem besonderes Beispiel aus den Jahr 2004: Der Champions-Anleihe.

Bremen – Der Name könnte klangvoller kaum sein: Werder Champions-Anleihe. Ein Finanzprodukt, das auf seiner Erinnerungsurkunde nur so vor Werder Bremen strotzt – nicht nur mit Bildern, sondern auch mit Unterschriften von Sportchef, Trainer und Kapitän. Aber diese Anleihe ist trotzdem so gar nicht vergleichbar mit den aktuellen Plänen des Bundesligisten, der für den Notfall gerade sämtliche Finanzierungsmöglichkeiten prüft – inklusive einer Fan-Anleihe, die allerdings deutlich als „allerletzte Option“ bezeichnet wird.

Ex-Werder-Boss Jürgen Born ist da weniger vorsichtig, er kann sich diesen Weg der Geldbeschaffung durchaus vorstellen und erklärt auf Nachfrage der DeichStube: „Warum denn nicht? Es wird doch kein Fan gezwungen, sondern nur gefragt. Wenn die Konditionen stimmen, kann das sehr interessant sein. Ich könnte mir schon vorstellen, da zu investieren.“ Born war selbst jahrzehntelang Banker, hat von 1999 bis 2009 als Vorsitzender der Geschäftsführung der Werder Bremen GmbH & Co Kg aA an vorderster Front des Bundesligisten gearbeitet. „Wir haben gerade in meinen ersten Jahren über viele Dinge nachgedacht, weil das Geld damals sehr knapp war“, erinnert sich Born: „Wir wollten auch mal eine Anleihe machen, aber dann brauchten wir das nicht mehr, weil plötzlich Geld da war.“ Dank des sportliches Erfolgs. Werder Bremen holte 2004 völlig überraschend das Double und zog in die Champions League ein.

Werder Bremen und Sparkasse gaben Champions-Anleihe heraus

Eine Anleihe gab es 2004 trotzdem – besagte Werder Champions-Anleihe. „Ein Marketing-Gag“, berichtet Born. Die Bremer Landesbank und die Sparkasse Bremen waren Partner des SV Werder Bremen und nutzen die Popularität des Meisters und Pokalsiegers, um ein eigentlich handelsübliches Finanzprodukt mal etwas anders anzubieten. Die Kunden wurden mit einer ganz besonderen Erinnerungsurkunde gelockt. Darauf sind Jubelszenen mit Stars wie Ailton, Johan Micoud oder Valerien Ismael zu sehen – und ganz unten gibt es einen besonderen Clou: Die Anleihe ist nicht nur von zwei Vorständen der Landesbank unterzeichnet, sondern auch vom damaligen Sportchef Klaus Allofs, Trainer Thomas Schaaf und Kapitän Frank Baumann. Sie geben damit fast schon so etwas wie ihren Segen für die Anleihe, die bei einer Laufzeit von sechs Jahren eine jährliche Verzinsung von 1,5 Prozent versprach sowie eine 50-prozentige Partizipation an der positiven Kursentwicklung des Dow Jones Euro Stoxx 50.

Geisterspiele machen Werder Bremen finanziell schwer zu schaffen

Wie die Nachfrage war, ist nicht bekannt. Fest steht nur, dass die Anleihe Werder Bremen finanziell nicht wirklich genutzt hat. Dazu war sie aber auch nicht gedacht. Werder erhielt wohl nur eine geringe Lizenzgebühr für die Nutzung der Raute. „Ich weiß gar nicht mehr, ob wir damals von der Landesbank deshalb für unsere Bankgeschäfte etwas bessere Konditionen bekommen haben oder etwas Anderes“, sagt Born und lacht: „Es waren ganz andere Zeiten, wir waren im Aufschwung – und es gab vor allem keine Corona-Pandemie.“

So sah sie aus, die „Champions-Anleihe“ die Werder Bremen und die Sparkasse gemeinsam herausgaben.

Die macht Werder Bremen mit den Geisterspielen finanziell schwer zu schaffen. Es fehlen vor allem die Zuschauereinnahmen, aber auch das TV-Geld ist gesunken – genauso wie die Erlöse beim Sponsoring, weil Werder Rücksicht auf die Partner nehmen muss. „Es ist keine leichte Zeit“, seufzt Born, doch der 80-Jährige bleibt optimistisch: „Der Fußball wird nie untergehen. Deswegen ist es auch kein verlorenes Geld, wenn man in so eine Anleihe investiert.“ Allerdings fände der Bank-Experte eine anderes Finanzinstrument noch interessanter: die Wandelschuldanleihe. Dabei könnte die Anleihe später in Werder-Aktien umgewandelt werden. Das würde für eine noch engere Bindung zum Verein sorgen und möglicherweise die Bereitschaft mitzumachen erhöhen.

(Lest dazu: So plant Werder den äußersten Notfall: Fan-Anleihen als „allerletzte Option, die wir eigentlich nicht ziehen wollen“)

Werder Bremen: Misserfolg könnte bei Fans ist Frust umschlagen

Aber eine zu große Emotionalität schreckt Werder Bremen auch etwas ab, weil so etwas im Fall des Misserfolgs zu schnell in Frust umschlagen könnte. Born sieht das jedoch nicht so dramatisch, Emotionen gehörten zum Fußball dazu. „Ich würde es einfach ausprobieren, dann sieht man doch, ob es dafür überhaupt ein Interesse gibt“, findet Born und rät zu einer raschen Entscheidung: „Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Und es geht nicht nur mit Transfers. Wir brauchen auch noch eine gute Mannschaft. Es geht doch allen Clubs in dieser Krise so – und die werden alle nach Lösungen suchen. Wenn die schon mit Anleihen am Markt sind, wird es für Werder nicht einfacher.“ Zumal der Bundesligist diesmal angesichts der sportlichen Situation auf den Zusatz „Champions“ verzichten müsste. Es sei denn, es klappt mit dem Pokalsieg. (kni) Auch interessant: Kampf um Florian Kohfeldt: Wie sehr Werder Bremen um seinen Trainer zittern muss!

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