Ex-Bremer weiß, wie schwer es ist, Werder-Kapitän zu sein

Junuzovic: „Lasst den Max einfach mal ein bisschen in Ruhe“

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Ex-Werderaner Zlatko Junuzovic spricht über seinen Kapitän-Nachfolger Max Kruse.

Salzburg - Zlatko Junuzovic könnte es kaum besser gehen. Mit seinem neuen Club RB Salzburg hat er keines der bislang 25 Pflichtspiele verloren. „Wir haben auch sämtliche Freundschaftsspiele, alle gegen renommierte Gegner, gewonnen“, merkt der Ex-Werder-Profi noch stolz im Gespräch mit der DeichStube an.

Das schon traditionelle Salzburger Aus in der Champions-League-Qualifikation – mit zwei Unentschieden gegen Roter Stern Belgrad – ist längst abgehakt. Werder ist für ihn dagegen stets präsent. Dabei springt der ehemalige Kapitän seinem Nachfolger Max Kruse eindrucksvoll zur Seite.

„Lasst den Max einfach mal ein bisschen in Ruhe, dann wird er sein Ding schon machen“, fordert Junuzovic und erklärt: „Es ist gar nicht so einfach, plötzlich Kapitän zu sein.“ Der 31-Jährige kann sich noch gut erinnern, wie es ihm in der vergangenen Saison ergangen ist. Der damalige Coach Alexander Nouri hatte Junuzovic zum Nachfolger von Clemens Fritz gemacht. „Das war eine große Ehre für mich. Du spürst sofort die Verantwortung, die du plötzlich hast.“ Dieses Gefühl hatte durchaus Folgen. „Du denkst, dass du in der Kabine und auf dem Platz alle Dinge beeinflussen musst. Das ist natürlich Unsinn.“ Die eigene Leistung könne darunter durchaus leiden.

„Du musst da wirklich erst hineinwachsen“

Auch bei Junuzovic gab es damals die Diskussion, ob ihn das Kapitänsamt bremsen würde – und heute gibt er ehrlich zu: „Du musst da wirklich erst hineinwachsen.“ Ganz wichtig sei es dabei, sich mit den erfahrenen Kollegen auszutauschen. „Es bringt ja gar nichts, der Alleinherrscher zu sein.“ Dafür gebe es auch einen Mannschaftsrat.

Natürlich hat Junuzovic bei Kruse zuletzt ganz genau hingeschaut. „Max macht wirklich viel auf dem Platz, vielleicht ist das zu viel“, mutmaßt der Österreicher, schränkt aber zugleich ein: „Max braucht das irgendwie auch. Er muss den Ball haben, er will das Spiel mitgestalten. Und man sollte nicht immer nur alles an Toren und an Vorlagen festmachen. Max ist auch jetzt extrem wichtig für die Mannschaft.“

Zlatko Junuzovic bei seinem Abschied aus Bremen.

Zwei Tore und zwei Assists stehen auf Kruses Bundesliga-Konto nach elf Partien. Bei Junuzovic sind es zwei Treffer und drei Vorlagen in zehn Ligaspielen. Seine Salzburger führen die Tabelle mit zwölf Punkten Vorsprung auf den Linzer ASK souverän an. „Die Spiele waren aber zum Teil ganz schön eng“, betont Junuzovic: „Natürlich ist das Niveau insgesamt nicht so hoch wie in der deutschen Bundesliga, aber auch nicht so schlecht, wie viele denken. Man hat gesehen, wie wir in der Europa League in den letzten beiden Jahren gegen Schalke oder Dortmund aufgetreten sind. Das sagt schon einiges aus.“

Dafür spricht auch Salzburgs Abschneiden in der aktuellen Europa-League-Saison. Der Club hat die ersten vier Gruppenspiele allesamt gewonnen – dabei auch mit 3:2 bei den Red-Bull-Kollegen in Leipzig. Bei dem Thema muss Junuzovic schmunzeln. Er weiß, was jetzt kommt. Längst wird gemutmaßt, dass die Salzburger dem Club des gleichen Geldgebers im Rückspiel Punkte für den Einzug in die nächste Runde schenken könnten. „Ganz im Gegenteil“, stellt Junuzovic klar: „Da gibt es keine Freundschaften oder so was. Wir wollen das Spiel unbedingt gewinnen. Außerdem sind wir trotz vier Siegen noch immer nicht fix in der nächsten Runde und brauchen mindestens noch einen Punkt, um weiterzukommen.“

Junuzovic denkt noch oft an Werder und Bremen zurück

Die Lust auf Erfolge ist bei Junuzovic größer denn je. „So etwas wie hier habe ich ja auch schon lange nicht mehr erlebt.“ In den vergangenen Jahren hatte er mit Werder fast immer einen trüben Herbst zu verkraften, im Frühjahr folgte dann die Rettung. „Das war schon anstrengend“, gesteht Junuzovic, sagt aber trotzdem: „Ich denke oft an Werder und Bremen zurück. Das waren tolle sechseinhalb Jahre. Diese Zeit möchte ich nicht missen.“ Deshalb freut er sich auch, dass Werder endlich mal wieder gut gestartet ist. „Die 17 Punkte sind doch super. Wenn Werder es schafft, bis zum Saisonende um Europa zu kämpfen, wäre das grandios.“

Die aktuelle Schwächephase mit drei Pleiten am Stück bereitet ihm keine Sorgen, da vertraut er Trainer Florian Kohfeldt. „Der Flo wird die Länderspielpause nutzen, um alles auseinanderzunehmen und rauszubekommen, woran es lag. Und dann wird er mit Werder auch wieder die Kurve kriegen“, prophezeit Junuzovic. Mit Kohfeldt ist er gut befreundet, mit etlichen Personen von Werder ist er regelmäßig in Kontakt – vor allem mit Theodor Gebre Selassie. Nur für eine Reise nach Bremen hat die Zeit aufgrund der vielen Spiele bislang nicht gereicht. Im neuen Jahr soll sich das ändern: „Ich würde gerne mal wieder im Weserstadion vorbeischauen, die Atmosphäre ist einfach einmalig.“

Quelle: DeichStube

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