Werder Bremen erlebt bei Bayern München ein 1:6-Fiasko

Viel Prügel für die Ängstlichen

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Franck Ribery krönt seine geniale Vorstellung mit dem Tor zum 5:1.

München - Von Björn Knips. Aleksandar Ignjovski ist ein ruhiger Typ und ganz bestimmt kein Sprücheklopfer, der die Mikrofone sucht. Doch gestern Abend war der Werder-Profi nach dem 1:6 (0:2)-Fiasko beim FC Bayern München so entsetzt, dass er diese klaren Worte unbedingt loswerden wollte: „Wir Spieler müssen mehr Arsch in der Hose haben.“

Viel zu ängstlich sei Werder in der Allianz Arena aufgetreten, was allerdings nicht für alle Bremer galt, wie der 22-jährige Serbe noch anmerkte: „Einige hatten einen Arsch in der Hose, andere nicht.“ Es rumort in der Mannschaft, denn diese hochverdiente Klatsche beim nächsten Deutschen Meister hat richtig weh getan.

Im Prinzip war die Partie schon vor dem Anpfiff entschieden, als die Bremer zuschauen mussten, wie sich die Bayern selbst feierten. Für Coach Jupp Heynckes gab es für die 1 000. Bundesliga-Partie als Spieler und Trainer Blumen, ein kleines Präsent sowie eine nette Verabredung mit Stadionsprecher Stephan Lehmann: „Jupp, wir sehen uns dann auf dem Rathausbalkon.“ Der FC Bayern fühlt sich längst als Meister und sah in den Gästen aus Bremen keinen ernstzunehmenden Gegner. So hatte Heynckes seine Startelf im Vergleich zum Champions-League-Achtelfinale beim FC Arsenal auf sechs (!) Positionen verändert. „Da braucht es natürlich ein bisschen, bis man den Rhythmus findet“, sagte der 67-Jährige später.

Rot für Prödl

Werder hätte diese Findungsphase der Münchner nutzen können, doch der Matchplan sah etwas Anderes vor. „Wir wollten defensiv gut stehen“, berichtete Sebastian Prödl – und fand die ersten 20 Minuten, wie fast alle Bremer, auch gar nicht so schlecht. Selbst Henyckes lobte die Gäste dafür, dass sie „kompakt standen“. Nach vorne ging dafür fast gar nichts. „Da hätten wir durchaus etwas mutiger sein dürfen“, merkte zumindest Werder-Sportchef Thomas Eichin kritisch an.

So durften sich die Bayern den Gegner in aller Seelenruhe mit gefühlten 90 Prozent Ballbesitz zurechtlegen, um dann mit der ersten echten Torchance zuzuschlagen: Edelreservist Arjen Robben bedient Philipp Lahm, der nach dem Ausrutscher von Lukas Schmitz freie Bahn hat, flankt und in der Mitte Robben findet – 1:0 (25.). Und hätte der Holländer nicht vollstreckt, wären noch zwei Teamkollegen zur Stelle gewesen, so verwaist war der Bremer Strafraum gewesen. „Das ist naiv“, schimpfte Prödl.

Ähnlich anfängerhaft präsentierte sich Werder vier Minuten später beim nächsten Bayern-Tor. Javier Martinez durfte einen Robben-Freistoß unbedrängt einköpfen, weil Theodor Gebre Selassie völlig falsch verteidigt hatte. Allerdings: Luiz Gustavo und Mario Gomez hatten sich in unmittelbarer Nähe zum Torschützen im Abseits befunden – passiv, wie Schiedsrichter Marco Fritz entschied. „Das würde ich anders bewerten“, meinte Eichin.

Strittig ging es weiter: An der Notbremse von Prödl an Gomez gab es grundsätzlich keinen Zweifel, doch der Bayern-Angreifer hatte wohl im Abseits gestanden. Die Rote Karte für den Österreicher hätte es also gar nicht geben dürfen. „Mit zehn Mann war es natürlich schwierig für uns gegen diese Bayern“, erinnerte sich Nils Petersen. Und so erlebte die Bayern-Leihgabe an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz ein Desaster. Direkt nach der Pause machten die Bayern alles klar. Nach scharfer Gomez-Hereingabe drückte Gebre Selassie den Ball vor dem einschussbereiten Franck Ribery über die eigene Torlinie (49.). Zuvor hatten schon Schmitz und der eingewechselte Mateo Pavlovic bei seiner Bundesliga-Premiere ganz schlecht ausgesehen. Zwei Minuten später vollstreckte Gomez selbst zum 4:0. Diesmal hieß der Vorbereiter Ribery. Die Werder-Abwehr war in dieser Szene völlig überfordert gewesen. Wie auch in der Schlussphase: Ribery (86.) und erneut Gomez (89.) durften ungehindert das halbe Dutzend voll machen.

Dazwischen hatte es eine Phase gegeben, in der sich die Bayern genüsslich zurücklehnten und wohl schon an den Pokalkracher am Mittwoch gegen Dortmund dachten. Werder bescherte das in Unterzahl nicht nur einige Chancen, sondern auch noch das Ehrentor durch Kevin De Bruyne (58.). Ein fast schon historischer Treffer vor 71 000 Besuchern in der ausverkauften Allianz Arena, denn in diesem Jahr hatte das noch kein Bundesliga-Gegner geschafft.

6:1- Klatsche für Werder Bremen

Bayern schießt Werder 6:1 ab

Ein ganz, ganz schwacher Trost für die verprügelten Bremer. „Das ist kein gutes Ergebnis“, seufzte Ignjovski, ehe er zur Teamschelte ansetzte. Er selbst hatte in der Tat noch ganz mutig agiert, aber dafür auch äußerst fehlerhaft. Nur wenige Werder-Profis boten den Bayern gestern die Stirn – wie zum Beispiel Marko Arnautovic oder Aaron Hunt, doch der war nach seiner einwöchigen Grippe-Pause schon früh entkräftet. Werder muss nun dringend auftanken, um wieder in die Spur zu finden. Das Heimspiel nächsten Samstag gegen den erstarkten FC Augsburg dürfte dabei richtungsweisend werden. Die Zeiten, in denen sich Werder mit dem FC Bayern Schlachten lieferte, sind vorbei. Im Jahr 2013 werden die Bremer von den Münchnern mühelos abgeschlachtet.

Trainerstimmen: "Ein opulenter Sieg"

Schema

Bayern München - Werder Bremen 6:1 (2:0)

Bremen: Mielitz - Gebre Selassie, Prödl, Lukimya, Schmitz - Ignjovski, Junuzovic - De Bruyne, Hunt (46. Pavlovic), Arnautovic - Petersen. - Trainer: Schaaf

München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Contento - Martinez (52. Timoschtschuk), Luiz Gustavo - Robben, Shaqiri (72. Pizarro), Ribery - Gomez. - Trainer: Heynckes

Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)

Tore: 1:0 Robben (25.), 2:0 Martinez (29.), 3:0 Gebre Selassie (49., Eigentor), 4:0 Gomez (52.), 4:1 De Bruyne (58.), 5:1 Ribery (86.), 6:1 Gomez (89.)

Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)

Rote Karten: Prödl (Bremen) nach einer Notbremse (44.)

Gelbe Karten: Junuzovic (6), Pavlovic

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