Eichin stellt „die Uhren auf null“ und erwartet ein Spiel auf Augenhöhe

Siegesserie oder Torkrise – im Derby ist das alles egal

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„Wir sind alle heiß auf das Nordderby“, sagt Thomas Eichin, „aber überdrehen dürfen wir nicht.“

Bremen/Hamburg - Ob mit Pfiffen, Posaunen und Trompeten oder ganzen Fanfarenzügen – Thomas Eichin ist es „völlig schnurz“, wie Werder Bremen am Sonntag (15.30 Uhr) in der Imtech-Arena des Hamburger SV empfangen und behandelt wird. Dass HSV-Coach Joe Zinnbauer sogar öffentlich zu Pfiffen gegen den Gegner („Eine zusätzliche Motivation für uns“) aufgerufen hat, ist dem Werder-Geschäftsführer ebenfalls „echt egal“. Ist Eichin wirklich so cool oder tut er nur so?

Bei Fans und Spielern steigt das Derbyfieber täglich, aber Eichin will sich nicht auch noch anstecken lassen. Grund: Die Sorge, dass einige die Bedeutung der Partie und die Rivalität zwischen den Clubs einmal mehr überhöhen. Eichin: „Ich habe schon in der vergangenen Saison vor den beiden Spielen gegen den HSV versucht, die Emotionen ein bisschen runterzudrücken. Ich weiß genau, dass wir alle heiß sind auf das Spiel. Aber wir dürfen nicht überdrehen.“ So wie beim letzten Duell in Bremen, als Chaoten eine Scheibe des HSV-Busses einwarfen und Vermummte in der Ostkurve jede Menge Pyrotechnik zündeten.

Niemand will ein Nordderby, das ausartet, aber alle wollen die drei Punkte. Allein darum geht es, meint nicht nur Eichin („Wir müssen in der Tabelle Boden gutmachen. Deshalb ist es für uns ein wichtiges Spiel“), sondern auch HSV-Sportdirektor Peter Knäbel: „Es soll vor allem ein sportliches Highlight werden. Ich erwarte sehr großes Engagement, Leidenschaft, sehr viel Willen, Emotionen – und einen HSV-Sieg.“

Dafür drückt der Tabellenvorletzte derzeit viele Motivationsknöpfe. Coach Zinnbauer fordert Pfiffe gegen Werder, und dass der Rasen „brennen“ muss. „Es ist wichtig, was unsere Fans kreieren“, sagt auch Knäbel: „Der Heimnimbus sollte das Zünglein an der Waage sein.“

Gegen Leverkusen hat das geklappt. 1:0 gewannen die Hamburger am vorletzten Spieltag, mussten danach für ihre teils überharte Spielweise aber viel Kritik einstecken. Wiederholungsgefahr besteht, das will selbst Knäbel nicht leugnen: „Dass es intensiv und emotional wird, ist jedem klar. Fußballerisch ist so ein Derby selten eine Offenbarung. Der Wille ist entscheidend – aber manchmal gibt es von gewissen Dingen auch zu viel – das ist dann kontraproduktiv.“

Thomas Eichin, der eine gemeinsame Vergangenheit mit Knäbel hat (siehe Text unten), geht aber davon aus, dass sich kein Team ungestraft durch das Nordderby foulen kann. „Dafür haben wir ja einen Schiedsrichter, der wird bestimmt ganz genau hinschauen. Und alle wissen, dass der gewinnt, der am Ende möglichst viele Spieler auf dem Platz hat.“

Elf gegen Elf – so geht’s am Sonntag erstmal los. Nicht nur deshalb erwartet Eichin auf dem Platz ein Gleichgewicht der Kräfte. „Es wird ein Spiel auf Augenhöhe“, sagt er. Eines, in dem nicht zählt, was vorher gewesen ist: „Die Uhren werden auf null gestellt. Unsere Serie von drei Siegen in Folge bedeutet dann nichts mehr“, meint der 48-Jährige. Ebensowenig die desaströse Torquote des HSV (vier Treffer in elf Partien). „Irgendwann“, glaubt Eichin, „werden die wieder das Tor treffen.“

csa

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