Darmstadt wird ein „Schlüsselspiel“

Eichin macht Skripnik Druck

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Schockiert! Frustriert! Ratlos? Chefcoach Viktor Skripnik und seine Assistenten Torsten Frings, Christian Vander und Florian Kohfeldt müssen jetzt endlich Lösungen finden, die Werder vor dem Abstieg retten. Der Druck wächst.

Bremen - Von Carsten Sander und Björn Knips. Die Aufarbeitung der Blamage in Ingolstadt dauerte nur wenige Minuten. Werder Bremens Trainer Viktor Skripnik redete am Sonntagvormittag kurz zur Mannschaft, dann schickte er die Spieler mit den Co-Trainern zum Radfahren. Er selbst blieb im Stadion. Und heute ist wie immer frei. Als wäre nichts passiert. Sieht so ein Krisen-Management aus?

Mit dem 0:2 beim FCI hat sich die Lage beim Bundesliga-16. Werder Bremen deutlich verschärft. Geht am Samstag auch das Heimspiel gegen Darmstadt 98 – den nächsten direkten Konkurrenten – verloren, sähe es ziemlich schlimm aus. Geschäftsführer Thomas Eichin nimmt deshalb Coach Skripnik in die Pflicht: „Er muss und wird jetzt die richtigen Worte finden.“

Wird er das? Gegen Ingolstadt hatte Skripnik viel falsch gemacht. Er hatte sich mit seiner Aufstellung und seinem System auf die destruktive Spielweise des Gegners eingestellt, statt den eigenen Stärken zu vertrauen. In einem entscheidenden Spiel installierte er plötzlich das in dieser Saison zuvor noch nie praktizierte 4-2-3-1-System und setzte dabei auf den unerfahrenen Lukas Fröde (21) im zentral-defensiven Mittelfeld. Zudem stellte er Florian Grillitsch (20) und den formschwachen Levin Öztunali (19) auf die Außenpositionen. Jugend forscht im „Drecksack“-Spiel – das ging voll daneben. Schmallippig reagierte Eichin auf die Entscheidungen des Trainers. „Jeder kann daran Kritik üben, das ist berechtigt“, sagte er.

Bremer Niederlage in Ingolstadt - die Noten

Eine Trainerdiskussion will der 49-Jährige „zu diesem Zeitpunkt“ allerdings nicht führen. Doch die Partie gegen Darmstadt kann für Skripnik zum Schicksalsspiel werden. Eichin selbst spricht vorerst von einem „Schlüsselspiel“, fordert: „Es muss jetzt mehr rumkommen. Wir haben Qualität im Kader, holen aber zu wenig Punkte.“ 20 sind es nach 22 Partien, in den letzten zehn Ligaspielen gelang nur ein Sieg (3:1 auf Schalke). Das sind Zahlen, aus denen Absteiger gemacht sind. Besonders die Ausbeute aus den vergangenen zwei Partien ist ernüchternd. 1:1 gegen Hoffenheim trotz eines klaren Chancenplus‘ und das 0:2 bei Aufsteiger Ingolstadt – nur ein Punkt also, wo sechs möglich und vier nötig waren. Folge: Der Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz ist auf zwei Zähler geschrumpft. Das ist alarmierend. Auch für Eichin: „Die Resultate sind enttäuschend. Sie können am Ende fatale Folgen haben.“

Und trotzdem hat Skripnik das Vertrauen? Offiziell ja, doch intern bröckelt längst der Glaube, dass der Coach die Bremer noch zum Klassenerhalt führen kann. Auch im Team. Zu miserabel ist die Bilanz, zu angreifbar macht er sich mit Entscheidungen wie denen in Ingolstadt und mit Nachbereitungen wie der gestern. Oder mit seiner allgemeinen Arbeitsweise. Skripnik soll in dieser Saison kaum ein Bundesliga-Spiel live beobachtet haben.

Werder-Sorgen nach 0:2 in Ingolstadt größer

Seine Körpersprache auf der Bank am Samstag war ebenfalls nicht die eines Trainers, der eine Mannschaft mitzureißen versucht. Nur spärlich kamen die Anweisungen, meistens saß Skripnik zusammengesunken auf der Bank. Feuer im Abstiegskampf sieht einfach anders aus.

Aber genau das muss der Ex-Profi bei seinen Spielern für die Partie gegen das vier Punkte besser platzierte Darmstadt wieder anfachen. Dringend. Thomas Eichin sagt, er erwarte vom Trainerteam, „dass die das machen“. Er will jedenfalls nicht zur Mannschaft sprechen: „In erster Linie ist da jetzt der Trainer gefordert.“

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