Eichin und der finanzielle Druck

Jeden bei Werder kann es treffen

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Werder-Sportchef Thomas Eichin

Bremen - Von Björn Knips. „Endlich da“, verkündete gestern der SV Werder Bremen: Gemeint waren die neuen Trikots, die zwar längst vorgestellt wurden, aber erst jetzt zu kaufen sind. Doch schon stehen die Fans vor dem nächsten Problem: Welchen Spielernamen sollen sie sich aufdrucken lassen? Trägt der Liebling von heute womöglich schon morgen ein anderes Trikot? Schließlich steht diese Aussage von Sportchef Thomas Eichin: „In unserer wirtschaftlichen Situation gibt es keine Spieler, die unverkäuflich sind.“

Sebastian Prödl, Zlatko Junuzovic, Franco Di Santo, Eljero Elia – jeden könnte es treffen. Wenn jemand nach Bremen kommt und mit vielen Geldscheinen wedelt, muss Eichin sich das anhören. So wirklich neu ist das nicht – auch Vorgänger Klaus Allofs hat das stets betont und nur selten eine Ausnahme gemacht: zum Beispiel 2006 bei Miroslav Klose. Ansonsten stand Werder schon immer unter dem Druck, sich auch über hohe Transfererlöse finanzieren zu müssen. Das Problem jetzt: Echte Stars sind gar nicht mehr da – und der Verlust von Leistungsträgern könnte nach einer Saison nur knapp über der Abstiegszone gravierende Folgen haben. Deswegen sind Verkäufe – mal abgesehen von den ausgemusterten Mehmet Ekici und Joseph Akpala – auch grundsätzlich nicht geplant. „Wir haben eine tolle Truppe, es passt“, sagt Eichin und schwärmt vom guten Teamgeist. Auch von der sportlichen Qualität eines Sebastian Prödl oder eines Zlatko Junuzovic ist er absolut überzeugt – und hat ihnen deshalb neue Verträge vorgelegt.

Die aktuellen laufen in einem Jahr aus. Doch die beiden Österreicher zögern. Zocken sie? „Sie machen sich Gedanken, das ist normal“, sagt Eichin. Sowohl Prödl (27) als auch Junuzovic (26) sind im besten Fußballer-Alter, haben wahrscheinlich nur noch jetzt die Chance, etwas Neues zu wagen. Das Werder-Angebot wird in Zeiten klammer Bremer Kassen nicht üppig sein. Wer will es ihnen da verdenken, dass sie sich Zeit nehmen? Zum Stand der Verhandlungen will sich Prödl nicht äußern, er betont nur: „Ich konzentriere mich voll und ganz auf die neue Saison mit Werder.“ Also doch kein Wechsel? Abwarten.

Das Transferfenster ist noch bis Ende August geöffnet. Eine verdammt lange Zeit. In der auch ganz bestimmt die Namen Elia und Di Santo auftauchen werden. Wie sagte unlängst noch der holländische Coach Arie Haan auf Werders China-Tour: „Der Elia passt mit seiner Spielweise gar nicht nach Deutschland. Eigentlich muss er weg.“ Auch bei Werder ist immer wieder zu hören, dass auf Elia durchaus verzichtet werden kann. Wenngleich sich der 27-Jährige seit dem Abschied von Kumpel Marko Arnautovic vor knapp einem Jahr tadellos verhält und hart an sich arbeitet. Trotzdem: Sein hohes Gehalt (zwei Millionen Euro im Jahr) würde Werder gerne einsparen. Eine Ablöse dürfte auch drin sein.

„Das kann auch den Fans Spaß machen“

Das gilt noch mehr für Di Santo. Der Argentinier ist so etwas wie der ungeschliffene Diamant im Team. Die Nominierung für Argentiniens vorläufigen 30er-WM-Kader hat den Wert des 25-Jährigen ganz sicher gesteigert. Real Sociedad San Sebastian hat schon Interesse bekundet. Weitere Clubs werden folgen. Denn überall wird fleißig in neue Spieler investiert – auch in der Bundesliga. Werders Konkurrenten im Kampf hinter den acht Topteams haben schon zugelangt.

Allerdings haben sie durch Transfers auch eingenommen. Werder wirkt da wie eine Insel, auf der nur noch ein ablösefreier Handel erlaubt ist. Keine einfache Aufgabe für Eichin, doch der Sportchef klagt nicht: „Wir müssen es eben schaffen, ohne Millionen-Ausgaben eine schlagkräftige Truppe hinzubekommen, die auch die großen Mannschaften ärgert. Mir macht das Spaß – und ich bin mir sicher: Das kann auch den Fans Spaß machen.“

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